04.06.2021 17:17 |

Missbrauchsskandale

Missbrauch: Kardinal bittet Papst um Entlassung

Völlig überraschend hat Kardinal Reinhard Marx Papst Franziskus um eine Entbindung von seinem Amt als Münchner Erzbischof gebeten. Als Grund nannte Marx in einer Pressekonferenz am Freitag die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche. Er wolle damit „Mitverantwortung“ für die „Katastrophe des sexuellen Missbrauchs“ übernehmen.

Die Untersuchungen zu den Missbrauchsskandalen der vergangenen Jahrzehnte hätten gezeigt, dass diese unter anderem auch auf „institutionelles oder systemisches Versagen“ der katholischen Kirche zurückzuführen seien, erklärte der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Zugleich sei in den jüngsten Debatten allerdings offensichtlich geworden, „dass manche in der Kirche gerade dieses Element der Mitverantwortung und damit auch Mitschuld der Institution nicht wahrhaben wollen“.

Nicht amtsmüde, will aber „Zeichen setzen“
Marx spielte damit ganz offenkundig auf den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki an. Dieser wird wegen der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in seinem Erzbistum scharf kritisiert, lehnt bis heute persönliche Konsequenzen aber ab. Papst Franziskus lässt die die Vorgänge in Köln mittlerweile durch eigene Abgesandte untersuchen. Marx wollte mit seinem Schritt ein „Zeichen“ der Übernahme von Verantwortung im Namen der Kirche als Institution setzen, das die Opfer „zu Recht“ einforderten. Die katholische Kirche in Deutschland sei an einen „toten Punkt“ gekommen. Es sehe die Gefahr, dass versucht werde, die Missbrauchsskandale „rein administrativ zu erledigen“. Dieses sei ihm „zu wenig“. Amtsmüde will er aber nicht sein.

Katholische Laien entsetzt
Unter den deutschen katholischen Laien löste die Nachricht von dem Rückzugsgesuch Entsetzen aus. Mit Marx gehe „der Falsche“, erklärte der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg. Marx habe bei der Missbrauchsaufarbeitung und beim synodalen Weg viel geleistet. Der synodale Weg ist ein Gesprächsformat, in dem Vertreter der Kirche und katholische Laien über die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle und andere Reformen reden.

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