4. Welle verhindern

Sommer 2021: Lockerheit ja, Sorglosigkeit nein

Österreich
01.06.2021 06:00

Die gute Nachricht: Die epidemiologische Lage ist günstig. Die schlechte: Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Um einer vierten Welle im Herbst vorzubeugen, müssen beide Seiten im Blick behalten werden - auch im Sommer.

„Nein“, sagt Umweltmediziner Hans-Peter Hutter, „das Virus macht keine Sommerpause.“ Aber die Impfung, die Maßnahmen und der saisonale Effekt führen dazu, dass es aktuell weniger Chancen habe. Bis Sonntag waren 1,5 Millionen Menschen voll geimpft, mit 229 Neuinfektionen am Montag setzt sich der positive Trend der letzten Wochen fort. Diese günstige epidemiologische Lage ermögliche auch die Öffnungen und die Rückkehr des sozialen Miteinanders. So weit, so gut.

Umweltmediziner Hans-Peter Hutter (Bild: krone.tv)
Umweltmediziner Hans-Peter Hutter

„Ansonsten entsteht das Gefühl, dass alles vorbei ist“
Aber: „Auf der anderen Seite ist auch klar, dass diese Pandemie noch nicht vorbei ist“, sagt der Mediziner. Man müsse, meint auch Psychologin Barbara Juen, den Menschen immer beide Nachrichten übermitteln: die gute und die schlechte. „Ansonsten entsteht das Gefühl, das alles vorbei ist - und im Herbst heißt es dann: nein, doch nicht.“ Das wäre natürlich auch psychologisch sehr schlecht.

Pandemie dürfte im Herbst wieder aufleben
Dass es zu einem „Nein, doch nicht“ kommt, sei aber durchaus möglich. Selbst bei optimistischen Annahmen kommen Experten zu dem Schluss, dass die Pandemie im Herbst wieder aufleben werde.

Zahlreiche Menschen feierten nach der Sperrstunde am Donaukanal. (Bild: APA/THE_ACAFAN)
Zahlreiche Menschen feierten nach der Sperrstunde am Donaukanal.

Auch der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) warnte am Montag auf Ö1 davor, so zu tun, „als wäre die Epidemie jetzt vorbei“. Über den Sommer rechne er mit einem sehr ruhigen Covid-Verlauf. „Aber am Ende des Sommers und dann im Herbst kann diese neue, indische Variante die Zahlen extrem nach oben treiben, wenn wir keine Durchimpfung bis über 80 Prozent der gesamten Bevölkerung bis zum Herbst zustande bringen“, sagte er und verwies auf eine Wiener Modellrechnung.

Barbara Juen (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)
Barbara Juen
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Vorher hat das Virus uns beherrscht, jetzt beherrschen wir langsam das Virus. Deshalb ist es auch richtig, dass wir unsere Rechte zurückbekommen.

Barbara Juen, Psychologin

„Es braucht noch viele, die sich impfen lassen“
„Es braucht noch viele, die sich impfen lassen“, sagt auch Hutter. Und die müsse man nun zielgruppenorientiert ansprechen, ergänzt Juen. Denn gerade viele junge Menschen seien aktuell noch zögerlich. „Sie haben das Gefühl, die alten Menschen sind jetzt geschützt, für sie sei selbst das Risiko einer Erkrankung nicht so hoch“, erklärt die Psychologin. Dabei werde das Risiko einer Krankheit unter-, jenes der Impfung überschätzt, sagt Juen. Aber um die Lage im Herbst unter Kontrolle zu haben, „müssen sich so viele Menschen wie möglich impfen lassen. Auch um die Kinder zu schützen“, so Juen.

Der Sommer, er sei insgesamt eine Gratwanderung, sagt Hutter. „Wir können uns Leichtigkeit erlauben, aber eben keine Sorglosigkeit.“

Anna Haselwanter
Anna Haselwanter
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