22.05.2021 07:30 |

Getty Kaspers

Die Song-Contest-Legende mit Wurzeln in Weiz

Im Jahr 1975 gewann die in Weiz geborene Getty Kaspers für die Niederlande den Song Contest. Bis heute wird die Exilsteirerin in ihrer Wahlheimat gefeiert. Und auch hierzulande hat sie Fans!

Es ist nicht leicht, die Exilsteirerin Getty Kaspers in den Tagen vor dem ESC (European Song Contest) in Rotterdam zu erreichen. Aus ganz Europa trudeln Interviewanfragen ein, holländische Medien berichten ausführlich über ihre Nationalheldin, die als Sängerin der Gruppe Teach-In ein Jahr nach ABBA für die Niederlande gewinnen konnte.

Das Lied wurde zur Hymne
Der Ohrwurm „Ding a dong“ beschallt viele Gassen und Plätze in der Gastgeberstadt Rotterdam. „Das ist ein gutes Gefühl, wenn ich mich überall singen höre. Das Lied ist zur Hymne geworden“, strahlt die Weizerin über die Begeisterung. „ Es ist fast so, als hätte ich wieder den Songcontest gewonnen“.

Kleid hing im ABBA-Museum
Die Erinnerungen an den Erfolg hängen als Gold- und Platinschallplatten an den Wänden im Ferienpark in Markelo. „Eine Siegertrophäe hat es damals nicht gegeben, nur einen Blumenstrauß.“ Das von der Steirerin getragene Blumenkleid ist zum begehrten Schaustück geworden. „Es war sogar im ABBA-Museum in Stockholm ausgestellt“, bemerkt Kaspers stolz.

Vor zwei Jahren erschien auch eine Biografie, die das Leben der steirischen Songcontest-Gewinnerin ungeschminkt porträtiert. Die als Gerti Hauser geborene Weizerin wurde von ihrer holländischen Mutter in ein Grazer Kinderheim gegeben, einen Vater hat es offiziell nie gegeben. Dafür zwei Pflegemütter, die dem quirligen Mädchen in Weiz eine sorglose Kindheit bescherten.

Plötzlich nach Holland
Bis eines Tages die Mutter wieder auftauchte und die damals 15-Jährige mit in die Niederlande nahm. „Plötzlich hatte ich einen niederländischen Pass. Ich musste mit, ohne ein Wort Holländisch zu sprechen“. Um Geld zu verdienen, hat sie sich im Alter von 18 bei der Gruppe Teach-In beworben, die eine Sängerin suchten. Nach ersten Erfolgen erfüllte sich der Lebenstraum. Die Sängerin eröffnete den Song Contest 1975 in Stockholm und gewann ihn auch - mit stolzen 152 Punkten.

Der Siegertitel wurde in ganz Europa ein Hit und die Weizerin wurde über Nacht ein Superstar. „Ich erinnere mich, dass Firmen unsere Häuser gratis einrichten und Autos vor die Tür stellen wollten“. Ein Jahr lang tourte sie pausenlos durch Europa, bis sie kurz vor dem Zusammenbruch war. „Ich musste mich aufs Klo flüchten, um für ein paar Minuten Ruhe vor den Menschenmassen zu haben.“

Nach drei Jahren war die Band Geschichte
Drei Jahre später war Teach-In bereits wieder Musikgeschichte. Die angestrebte Solo-Karriere verlief im Sand. Doch als Songcontest-Gewinnerin ist Getty Kaspers eine europäische Unterhaltungsinstanz geblieben. „Ich war überall unterwegs, nur leider nicht in meiner alten Heimat“.

Erste Einladung kam aus Graz
Der Grazer Markus Tritemmel war es, der die Grande Dame erstmals in die Heimat holte. Der Präsident des österreichischen Songcontest-Fanclubs organisiert Fankonzerte und versorgt die Club-Mitglieder mit Tickets und News.

Seine Leidenschaft hat mit der spannenden ESC-Abstimmung 1981 begonnen. „Es hat jedoch auch Zeiten gegeben, wo ich mich nicht zu sagen getraut habe, dass ich die Show anschaue. Doch mit dem Fall der Sprachregelung und den technisch ausgereiften Bühnenshows findet jeder den Song Contest cool und hipp“.

„Wandelndes ECS-Lexikon“
Das Hobby hat schon längst alle Dimensionen gesprengt und füllt die Wohnung mit 10.000 Vinylplatten, Büchern und Songcontest-Devotionalien. Das „wandelnde ESC-Lexikon“ rührt mit Hilfe seiner Community fleißig die Werbetrommel für Österreich und seine Teilnehmer.

„Wenn man die internationalen Kontakte nützt, kann Großes passieren“. Den Beweis lieferte Conchita Wurst, die sich kurz nach ihrem Sieg in Kopenhagen persönlich beim Präsidenten für die Unterstützung bedankte. Seit damals hat sich die Mitgliederanzahl verfünffacht, auch aus den USA sind Fans dabei. „Sinn der Sache ist es, dass sich die ESC-Fans untereinander austauschen können und zu Experten werden. “Sogar Wettbüros vertrauen auf meine Einschätzung„. 15-mal war Markus Tritemmel bereits bei den Liveshows dabei, diesmal verfolgt er ausnahmsweise das Spektakel von zuhause aus.

Dann wird er auch Getty Kaspers in der Mega-Show sehen. “Ich habe mit Teach-In ein Medley aufgezeichnet. Alle leben noch, obwohl wir weit über 70 sind".

Erich Fuchs
Erich Fuchs
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