14.05.2021 10:55 |

Schönste Wanderrouten

Valleu: Steile Wege in die Abgeschiedenheit

Valleu war einst Wohnort für rund 70 Menschen. Mühsam war das Bewirtschaften der steilen Berghänge. Heute kann man noch bis zur Kapelle wandern, die dem Hirtenpatron Wendelin geweiht ist.

Von Jetzmunt, einer Parzelle die zur Ortschaft Bartholomäberg im Montafon gehört, sieht man weit oberhalb auf rund 1300 Metern Seehöhe eine kleine Kapelle stehen. Diese ist dem Hirtenpatron St. Wendelin geweiht. Eine Vorgängerkirche ist im Jahr 1750 durch eine Lawine zerstört worden, kurz danach wurde der jetzige Bau an einer sicheren Stelle errichtet. Genau dorthin führt die heutige Tour.

Tal der Lawinen“
Ausgangspunkt ist die Bushaltestelle Jetzmunt, wo ein schmaler Pfad eine Wiese querend hangaufwärts führt. Nach ein paar hundert Metern tritt man in den Wald und erreicht bald das Marentes Tobel (970 Meter). Das Wasser rauscht an dieser Stelle steil talwärts und der Wanderer folgt dem Wegweiser in Richtung Valleu, einer ehemaligen Dauersiedlung seitlich des Graverser Tobels. Einst lebten in dieser Abgeschiedenheit an die 70 Einwohner, doch seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist das Gebiet entsiedelt und wird nur noch zur Maisäß-Wirtschaft genutzt. Die Geschichte von Valleu lässt sich weit zurückverfolgen, die urkundliche älteste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1380. Der Name Valleu dürfte aus dem Rhätoromanischen stammen und übersetzt so viel wie „Tal der Lawinen“ bedeuten. Der Ausdruck „Leui“ für Lawine ist bis heute im Montafoner Dialekt gebräuchlich. Die Gegend ist geprägt von steilen Hängen und tiefen Tobeln, was das Bewirtschaften zu einer besonderen Herausforderung machte.

Entsprechend mühevoll und karg war das Leben der dort ansässigen Bergbauern. Steil ist der Weg heutzutage auch für Wanderer: Vorbei an einem idyllisch gelegenen Weiler mit knorrig alten Obstbäumen und grandiosem Ausblick ins Tal geht es wieder in den Wald hinein. Hier fällt der Pfad linker Hand tief hinab ins Tobel des Gravesbaches. Dieser wird im Volksmund aufgrund seiner weiß schäumenden Gischt auch „Wißbach“ (Weißbach) genannt. 

Wissenswertes und Rastmöglichkeit
An manchen schattigen Stellen haben sich im schmalen Tobel hartnäckig letzte Schneeansammlungen gehalten und so muss sich das Wasser seinen Weg durch die weißen Massen graben. Der Bach wird mittels einer Holzbrücke gequert, weiter führt der Weg an einem einsamen Maisäß vorbei. Hier zeigt sich der Garvesbach von seiner sanften Seite und rinnt als munteres Bächlein über den Wiesenhang. Verschiedene Blumen, wie beispielsweise die gelb blühende Sumpfdotterblume oder das Vergissmeinnicht gedeihen im Umfeld des Gewässers. Nun ist es nicht mehr allzu weit bis zur Kapelle, ein letzter kleiner Anstieg und der Wanderer gelangt auf eine Forststraße. Dieser folgend kommt das kleine Gotteshaus bald in Sichtweite. Ein Trampelpfad führt den Hang querend direkt zum denkmalgeschützten Gebäude.
Die Informationstafel im Inneren bietet Interessierten Wissenswertes zur Geschichte dieses Ortes. Auf der Bank im Freien kann man nun eine kleine Rast einlegen und die Aussicht genießen.

Lebensraum für Gämse
Mit etwas Glück lassen sich auf den steilen Hängen sogar Gämsen beobachten, das Fernglas sollte man auf jeden Fall bereit halten. Die Tiere gehören zu den Ziegenartigen und sind bestens an steiles und felsiges Gelände angepasst. Sie verfügen über spreizbare Hufe, was sie zu wahren Kletterkünstlern macht. Gämse sind eine weitestgehend auf Europa beschränkte Art und im Alpenraum meist oberhalb der Baumgrenze anzutreffen. Nahrungsknappheit - vor allem bei winterlichen Verhältnissen - veranlasst sie jedoch zum Abstieg in bewaldete Lagen. Im Gebiet von Valleu können sie gut getarnt durch ihr dunkelbraunes Fell ungestört grasen.

Schmuckstücke aus der Natur
Doch auch direkt vor den eigenen Füßen gibt es bei näherer Betrachtung Interessantes zu entdecken. Dazu zählt unter anderem der überaus farbenprächtige und metallisch schillernde Minzblattkäfer. Die auffällig gefärbten Insekten werden zwischen acht und elf Millimeter groß und sind - wie ihr Name bereits andeutet - von Mai bis September auf verschiedenen Minzarten zu finden. Halsschild und Flügeldecken des Käfers sind schimmernd und stark punktiert - so wirkt er beinahe wie ein lebendiges Schmuckstück, wenn er auf flinken Füssen über die Wiese krabbelt.
Erholt und voller Eindrücke geht es nach einer Rast denselben Weg am alten Maisäß vorbei und über den Gravesbach retour. Wer möchte, kann beim nächsten Wegweiser die Route über Buxwald nehmen. Diese Variante führt an einem im 16. Jahrhundert angelegten Kreuzweg vorbei bis zum Ortsschild von Bartholomäberg. Ab dort geht man dem Gehsteig entlang zurück nach Jetztmunt.

Fakten

Typ: ruhige, aussichtsreiche Wanderung
Startpunkt: Jetztmunt
Dauer: rund 3,5 Stunden
Höhenmeter: circa 480
Ausrüstung: Schuhe mit guter Profilsohle, eventuell Stöcke, Fernglas, Getränk, Sonnenschutz
Anforderung: gute Grundkondition
Anmerkung: alternativ kann auch vom Ortszentrum Bartholomäberg (Kirchplatz) gestartet werden, die Strecke führt dann über Lutt

Rubina Bergauer
Rubina Bergauer
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