25.04.2021 13:00 |

Mehr Covid-19-Fälle

Anstieg in Tirol teilweise aus religiösen Gründen

Die Zahl der positiven Covid-19-Fälle in Tirol nimmt derzeit zu. Hinter vorgehaltener Hand sagen diverse Mediziner gegenüber der „Krone“, dass der Fastenmonat Ramadan angeblich einer der Auslöser für diesen Anstieg sei. Die Ärzte fordern eine klare, umfassende Aufklärung.

Die Zahlen der Corona-Infizierten steigen derzeit in Tirol rapide an. In den vergangenen Tagen hatte das Bundesland sogar die höchste 7-Tage-Inzidenz in ganz Österreich. Die Gretchenfrage, die sich derzeit viele stellen, lautet daher: Was sind die Gründe für diesen Anstieg?

Interessante Einschätzungen aus medizinischer Sicht
Spekuliert wird diesbezüglich viel, handfeste Beweise für die einzelnen Annahmen gibt es so gut wie keine. Was es aber gibt, sind Einschätzungen von Ärzten, die sehr interessant sind. Wie einige von ihnen hinter vorgehaltener Hand gegenüber der „Krone“ mitteilten, dürfte einer der Hauptgründe für die steigenden Zahlen der Ramadan, also der Fastenmonat der muslimischen Gemeinschaft, sein.

Dieser begann am 13. April und dauert noch bis zum 12. Mai. Während dieser Zeit essen und trinken gläubige Muslime vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang nichts, am Abend wird das Fasten gebrochen.

Sicherheits- und Hygienekonzept
Für ihre 350 Moscheen bundesweit hat die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) bereits im Vorjahr ein ausführliches Sicherheits- und Hygienekonzept ausgearbeitet und überarbeitet. Der aktuelle Leitfaden „Sicher durch den Ramadan“ sieht unter anderem das Einhalten von Sicherheitsabständen, das verpflichtende Tragen von FFP2-Masken, die Verwendung eigener Gebetsteppiche sowie die regelmäßige Testung des Personals der Moscheen vor.

„Das spiegelt sich auf Covid-Stationen wider“
In den eigenen vier Wänden, vor allem am Abend beim erlaubten Fastenbrechen, seien die Familien selbst angehalten, die vorgeschriebenen Covid-19-Maßnahmen einzuhalten. Doch im privaten Bereich dürfte sich nicht jeder Haushalt an die Vorgaben halten. „Am Abend sitzen vor allem derzeit größere Gruppen zusammen, um gemeinsam zu essen und zu trinken. Viele Muslime stecken sich dabei mit dem Coronavirus an“, betonen die Mediziner. Das spiegle sich etwa auf den Corona-Stationen in Tirols Krankenhäusern wider: „Ein großer Anteil der derzeitigen Patienten übt den muslimischen Fastenmonat aus.“

„Religionszugehörigkeit wird nicht erhoben“
Die Tirol Kliniken können diese Beobachtungen nicht bestätigen. „Nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil die Religionszugehörigkeit von Patienten nicht systematisch erhoben wird und so nicht statistisch auswertbar“, schildert Sprecher Johannes Schwamberger.

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"Nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil die Religionszugehörigkeit von Patienten nicht systematisch erhoben wird und so nicht statistisch auswertbar."

Johannes Schwamberger, Pressesprecher der Tirol Kliniken

Zahlen in Gemeinden sind ein deutliches Indiz
Ein weiteres Indiz dafür, dass diese Einschätzungen durchaus ihre Berechtigung haben, sind die aktuellen Corona-Zahlen in den Orten. Auffallend ist, dass in jenen Gemeinden, in denen bekannterweise viele Muslime wohnhaft sind, die Zahlen angestiegen sind. Dazu zählen Innsbruck, Kufstein, Telfs und Reutte. Das Dashboard des Landes verrät, dass in Innsbruck derzeit die meisten Covid-Erkrankten zu verzeichnen sind (502 aktive Fälle). Auf Platz zwei liegt Kufstein (119 aktive Fälle), gefolgt von Telfs mit 99 Positiven. Reutte hat immerhin noch 50 aktive Fälle – Stand gestern Abend.

Forderung nach klarer Aufklärung
Sorgenfalten auf die Stirn treibt den Ärzten die Tatsache, dass der Ramadan mit einem dreitägigen festlichen Fastenbrechen endet. „Nach diesen Tagen könnten die Zahlen erneut eklatant nach oben schießen. Daher benötigt es eine klare, umfassende Aufklärung, diese Familien müssen erreicht werden“, sagen sie.

Noch besteht genügend Zeit
Lange, viel zu lange hat man seitens der Politik gebraucht, um endlich dahinterzukommen, warum trotz vieler Verbote bis hin zum Lockdown die Zahlen immer und immer wieder anstiegen und ansteigen. Es sind die Feiern, die in privaten Räumlichkeiten mehr oder weniger „geheim“ stattfinden. Die Menschen lassen sich Zusammenkünfte wie etwa zu Weihnachten oder Ostern, bei Geburtstagen oder anderen Anlässen nicht mehr verbieten. Selbst bei drohender Strafe nicht. Und Muslime lassen sich im Ramadan-Monat nicht nehmen, nach dem Fasten während des Tages am Abend nach Sonnenuntergang gemeinsam zu essen. Letztlich gemeinsam haben Muslime und Christen bzw. beide Arten der Zusammenkunft, dass sie da wie dort ein „Fressen“ für das Coronavirus darstellen. Deshalb, da dabei vielfach zu locker mit der Gefahr der Ansteckung umgegangen wird. Dieses „Freispiel“ könnte dafür sorgen, dass die freien (Intensiv-)Betten in den Krankenhäusern immer weniger werden. Hinter vorgehaltener Hand wird jetzt schon gewarnt, dass das dreitägige Ramadan-Finale die Zahlen dramatisch ansteigen lassen könnte. Noch hätte man seitens des Landes genügend Zeit, um offensiv auf diese Befürchtung hinzuweisen und eindringlich vor den Folgen zu warnen. Covid-19-Regeln und damit zusammenhängende Vorgaben einzig auf Flugblättern in nicht deutscher Sprache zu verteilen, das scheint auf Dauer nicht zu fruchten. Da braucht es mehr Kraftanstrengung.

Meinert meint von Claus Meinert

Jasmin Steiner
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Claus Meinert
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