18.04.2021 07:00 |

Minus 184.000 Besuche

Patientenschwund in steirischen Arztpraxen

184.000 weniger Besuche beim Hausarzt im Pandemie-Jahr 2020 in der Steiermark. Eine aktuelle Statistik weist ein Rekordminus in allen Fachgebieten aus. Die stärksten Einbußen verzeichneten Orthopäden und HNO-Ärzte

Zeitnaher Termin beim Arzt des Vertrauens? Seit Pandemiebeginn oftmals kein Problem, lange Wartezeiten gehören der Vergangenheit an: „In meiner Praxis ist seit Monaten so wenig los wie nie zuvor“, erzählt ein steirischer Kinderarzt im vertraulichen Gespräch mit der „Krone“.

„Nicht alle suchen einen Arzt auf“
Die Ursachen hierfür liegen auf der Hand: „Die eine Hälfte meiner kleinen Patienten machen im Normalfall bestellte Termine für Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen oder etwa Impfungen aus, die andere Hälfte sind kranke Kinder. Nur - davon gibt es einfach seit einiger Zeit viel weniger durch verschärfte Hygieneregeln, Abstand halten und ein heruntergeschraubtes Sozialleben; beziehungsweise suchen jetzt nicht mehr alle Eltern, die ein krankes Kind zu Hause haben, einen Arzt auf“, berichtet der Experte.

Für den etablierten Pädiater ist die Entwicklung längst auch zu einer wirtschaftlichen Belastung geworden, zumal bekannt ist, dass die Leistungen der Kinderärzte im Vergleich zu anderen Fachärzten eher mau honoriert werden: „Die Ausgaben für Personal, Betriebskosten etc. laufen ja ganz normal weiter“.

Neue Angebote sollen das Minus nun kompensieren: „Ich habe mir zum Beispiel ein Gerät zur Augenuntersuchung angeschafft - man muss in Zeiten wie diesen eben kreativ werden.“

Größtes Minus von April bis Juni 2020 registriert
Ähnliches Szenario bei den Allgemeinmedizinern: „Viele unserer Patienten haben Angst. Leider mehr vor dem Besuch in der Praxis als vor den Folgen der Verschleppung einer an sich notwendigen Behandlung oder sinnvollen Untersuchung“, weiß Christoph Schweighofer, Obmann der niedergelassenen Ärzte und steirischer Ärztekammer-Vizepräsident.

Die brandaktuelle Statistik für das Jahr 2020 zeigt den dramatischen Patientenschwund eindrucksvoll auf: Demnach verzeichneten steirische Hausärzte um fast 184.000 Behandlungsfälle weniger als 2019. Am stärksten war das Minus übrigens wenig überraschend im „Lockdown-Quartal“ von April bis Juni.

Mehr als 13.000 weniger Vorsorgeuntersuchungen
Alarmiert sind die Experten aber noch aus einem weiteren Grund: 2020 wurden in der Steiermark um mehr als 13.000 Vorsorgeuntersuchungen weniger vorgenommen als noch im Jahr davor. Je nach Fach lagen die Rückgänge bei 14 bis 30 Prozent.

Dabei geht es bei diesen Terminen oft um die Früherkennung von schweren Krankheiten wie Krebs: „Die versäumten Untersuchungen müssen jetzt nachgeholt werden!“, appelliert der steirische Ärztekammer-Präsident Herwig Lindner an das Gesundheitsbewusstsein der Steirer.

Steirische Wahlärzte noch stärker betroffen
Nicht in den Zahlen enthalten sind übrigens Termine bei Wahlärzten. „Aus verschiedenen Quellen ist aber zu hören, dass hier die Rückgänge noch größer gewesen sein dürften als bei den Kasse-Kollegen“, heißt es dazu auf der Ärztekammer.

Barbara Winkler
Barbara Winkler
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