04.04.2021 21:28 |

Lockdown, Impfungen

Wie unsere Nachbarländer mit Corona umgehen

Lockdown, Impfungen, Testen - die Komponenten zur Bekämpfung der Corona-Pandemie sind eigentlich in allen Ländern sehr ähnlich. Und dennoch verfolgen unsere Nachbarländer in manchen Punkten unterschiedliche Strategien. Hier ein Überblick:

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Deutschland befindet sich derzeit wie der Osten Österreichs in einem vergleichsweise harten Lockdown - wenn auch mit regionalen Unterschieden. Abhängig von der Sieben-Tage-Inzidenz werden die Maßnahmen verschärft oder gelockert, gelten soll der Lockdown zumindest bis 18. April.

Mit den Impfungen läuft es in Deutschland nicht ganz so flott, bisher sind nur gut fünf Prozent aller Bürgerinnen und Bürger in Deutschland vollständig geimpft. Ihre Zahl dürfte in den kommenden Wochen und Monaten jedoch deutlich steigen. Wer gegen das Coronavirus geimpft ist, soll übrigens nach Plänen von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn bald Freiheiten zurückbekommen.

Ungarn hat angesichts dramatischer Corona-Zahlen seinen Lockdown erst kürzlich verlängert. Allerdings: Spezielle Maßnahmen über Ostern gab es nicht. Premierminister Viktor Orban setzt vor allem auf eine rasche Durchimpfung, dank Notzulassung auch mit „Sputnik V“.

Dennoch sind die Zahlen in Ungarn besorgniserregend. Am Dienstag wurde ein trauriger Rekord erreicht: Innerhalb eines Tages starben 302 Ungarn innerhalb von 24 Stunden an Covid-19 - so viele wie noch nie seit Pandemiebeginn.

Nachdem Tschechien eine rasche Eindämmung der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 gelungen war, erwischte die zweite Welle das Land mit voller Wucht. Das EU-Land mit seinen rund 10,7 Millionen Einwohnern hat bisher über 25.000 Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus verzeichnet, das ist die höchste Pro-Kopf-Todesrate weltweit. Seit Pandemie-Beginn wurden fast 1,5 Millionen Corona-Fälle registriert.

Derzeit befinden sich die Tschechen in einem harten Lockdown, die Menschen dürfen zumindest bis zum 11. April ihren Wohnbezirk weiterhin nur in Ausnahmefällen verlassen. Die Zahlen bei den Neuinfektionen gehen seit dieser Woche langsam zurück - und auch bei den Impfungen will man nun Tempo machen. Zuletzt hatte sich Tschechien der Kritik Österreichs an der Impfstoffverteilung in der EU angeschlossen - mit mäßigem Erfolg. Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte daher angekündigt, die Tschechen mit 30.000 Impfdosen zu unterstützen, Ungarn will 40.000 schicken.

Auch die Slowakei hatte die erste Corona-Welle im vergangenen Jahr hat die Slowakei wie andere Länder Mitteleuropas mit relativ wenigen Infektions- und Todesfällen überstanden. Die jüngste Welle aber belastet die Krankenhäuser erheblich und hat zu stärkeren Beschränkungen des öffentlichen Lebens geführt.

Am Ostersonntag überstieg die Zahl der Corona-Toten die 10.000er-Marke, seit Beginn der Pandemie starben damit 10.025 Menschen in dem Land mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern. Auch die Slowakei impft dank Notzulassung bereits mit „Sputnik V“.

Slowenien hatte ebenso wie Österreich eine Neuverteilung der Corona-Impfstoffe in der EU gefordert, auch will man dort will keine Menschen unter 60 Jahren mehr mit dem Vakzin von AstraZeneca gegen Corona impfen. Das Land befindet sich angesichts besorgniserregender Neuinfektionszahlen seit 1. April im Lockdown, alle nicht wesentlichen Geschäfte und Dienstleistungen wurden geschlossen.

Die Schulen wechseln nach den Osterferien auf Distanzunterricht, es gilt zudem ein Bewegungsverbot zwischen Regionen und Kontaktbeschränkungen (ausgenommen am Ostersonntag), eine Maskenpflicht im Freien und eine groß angelegte Testkampagne wurden eingeführt.

Italien will nach den Osterfeiertagen, in denen das ganze Land als Rote Zone mit Teil-Lockdowns galt, die Maßnahmen in einigen Regionen wieder lockern. Ab Dienstag werden das Trentino, Venetien und die Marken als orange Regionen eingestuft, bis Mai wird das öffentliche Leben allerdings noch stark eingeschränkt.

Nach Ostern sollen Schulen jedoch schrittweise wieder öffnen. Kinder bis zur sechsten Schulstufe können wieder zurück in die Klasse. Um die Rückkehr zum sicheren Präsenzunterricht zu erleichtern, sollen Schüler wöchentlich getestet werden, lautet ein Vorhaben der Regierung. Dagegen gab es am Freitag Italien-weit Proteste von Eltern und Schülern.

Die Schweiz hatte Anfang März mit Lockerungen begonnen, Geschäfte und ein Teil der Freizeiteinrichtungen konnten nach einer sechswöchigen Schließung wieder öffnen. Auch Treffen von bis zu zehn Personen in Innenräumen sind wieder erlaubt.

Bei den Eigenossen gibt es bereits Privilegien für Geimpfte, wenn auch nur im kleinen Rahmen. So wurde beispielsweise für geimpfte Bewohner von Alters- und Pflegeheimen die Maskenpflicht aufgehoben. Bei weiteren Lockerungen ist man allerdings vorsichtig. So sind etwa bis 14. April noch keine Zuschauer bei Sportveranstaltungen gestattet, auch der Amateur- und Breitensport muss warten, bis wieder Wettkämpfe erlaubt sind.

Im kleinen Fürstentum Liechtenstein startete mit Anfang des Jahres eine Impfkampagne mit dem Ziel, die Bevölkerung bis zum Ende des zweiten Quartals durchzuimpfen. Der Lockdown von 20. Dezember bis Mitte Jänner sowie die rasche Immunisierung dürften sich auszahlen: Am 3. April 2021 verzeichnete das Fürstentum nur eine Corona-Neuinfektion im ganzen Land.

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