„Krone“-Interview

Weitere Maßnahmen offen: Ludwig über die Osterruhe

Wien
27.03.2021 18:50

Auf den Wiener Intensivstationen müssen Tumoroperationen verschoben werden, die Osterruhe soll Entlastung bringen. Warum die Maßnahmen nicht schon längst gelten und weitere Schritte noch nicht fix sind, verrät Stadtchef Michael Ludwig im „Krone“-Gespräch.

„Krone“: Herr Bürgermeister, Sie wollten schnellere Maßnahmen. Was hindert Sie daran, diese in Wien zu setzen?
Michael Ludwig: Für mich ist entscheidend, wie sich die Belegung in den Spitälern entwickelt. Wir haben eine besorgniserregende Situation auf den Intensivstationen. Wenn die Zahlen nicht reduziert werden, wird man weitere Schritte erwägen.

Warum gelten die Maßnahmen nicht jetzt schon?
Es ist ja keine Entscheidung der Bundesländer, sondern der Bundesregierung. Wir haben uns entschieden, mitzuwirken und mitzutragen. Von daher kann ich darauf drängen, aber nur beschränkt selber Maßnahmen setzen.

Haben Sie darauf gedrängt?
Die Situation ist eine ernste, ich verstehe aber, dass es notwendig ist, gesetzliche Rahmenbedingungen herzustellen. Ich verschweige nicht, dass ich für schnelle und starke Maßnahmen eingetreten bin. Das, was wir jetzt haben, ist ein Kompromiss.

Wurde es versäumt, früher Maßnahmen zu setzen?
Ich kann mich gut erinnern, dass viele uns gedrängt haben, Öffnungsschritte zu setzen, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Es ist auch richtig, dass wir darauf achten müssen, dass der Arbeitsmarkt, die Kulturszene und die Sportvereine überleben. Aber jetzt geht es um die Gesundheit der Bevölkerung. Und noch einmal, es ist eine Entscheidung der Bundesregierung. Wir Landeshauptleute könnten uns auch zurücklehnen und die Maßnahmen mit Ratschlägen über die Medien kritisieren.

Sie könnten selber die Maskenpflicht im Freien an frequentierten Plätzen einführen. Sie hatten zuletzt hingegen die Öffnung der Schanigärten forciert.
Wir haben auf 20 Märkten eine Maskenpflicht. Ich habe am 1. Februar zu den Öffnungsschritten gesagt: „Wir nehmen jetzt Risiko“, mir war bewusst, dass jeder Öffnungsschritt mit der Gefahr verbunden ist, dass die Zahl der Infizierten steigt. Dass sich die britische Mutation in allen Altersklassen viel aggressiver auswirkt und Schulen zu Orten der Ansteckung werden, das war da noch nicht klar. Jetzt geht es um schnelle Maßnahmen.

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Dass sich die britische Mutation in allen Altersklassen viel aggressiver auswirkt und Schulen zu Orten der Ansteckung werden, war nicht klar.

Bürgermeister Michael Ludwig

Werden Sie die Maskenpflicht im Freien einführen?
Dort, wo sich Menschen dicht gedrängt aufhalten, ist das eine Option. Ich hoffe, dass wir durch die nun gesetzten Schritte eine Stabilisierung erreicht haben.

Aber noch sind ja keine neuen Schritte in Kraft.
Das stimmt ja nicht, wir haben etwa das Contact Tracing ausgebaut, die zehnte Teststraße eröffnet und am Freitag erst das erfolgreiche Projekt „Alles gurgelt“ für alle Wiener ausgerollt.

Alle Experten sagen, dass die Osterruhe nicht reicht. Wie lange muss der Lockdown verlängert werden?
Wir schauen, wie die Maßnahmen wirken, und setzen bei Bedarf weitere.

Sie halten auch keine weiteren Maßnahmen für möglich?
Wenn notwendig, werden weitere Verschärfungen kommen müssen.

Wäre es nicht besser zu sagen, wir gehen in den Lockdown so lange, bis sich die Lage stabilisiert hat?
Man muss auch die Auswirkungen auf die Wirtschaft oder die Psyche der Kinder sehen.

Wie werden Sie die Osterruhe verbringen?
Streng isoliert, was ich besonders bedauere, da ich meinen 60. Geburtstag habe. Den wollte ich auch mit meiner Mutter feiern, doch ich werde nun alles auf telefonische Kontakte reduzieren und die Tage alleine mit meiner Frau verbringen.

Maida Dedagic
Maida Dedagic
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