19.12.2010 19:57 |

Rettungsaktion

31 Irak-Christen erhalten Asyl in Österreich

Wie man im Irak mit gläubigen Christen umgeht, hat die ganze Welt am 31. Oktober sehen können: Ein Al-Kaida-Mordkommando stürmte in eine Kirche in Bagdad und richtete 58 Menschen hin. Das Innenministerium startet gemeinsam mit der Kirche jetzt eine Rettungsaktion für die religiös Verfolgten.

Den gläubigen Christen wird im Irak das Leben oft zur Hölle gemacht. Tödliche Attentate, Morde, Verfolgung - lebten im Jahr 1990 noch 1,4 Millionen Christen im Irak, sind es heute gerade einmal 200.000. Aus Angst vor Anschlägen trauen sich viele nicht mehr, den Gottesdienst zu besuchen, bereits eine halbe Million Christen wurde zur Flucht gezwungen. Ein Weihnachtsfrieden für alle ist unrealistisch - für 31 Glaubensopfer wird er dennoch wahr.

"Situation vor Ort ist dramatisch"
Bei der "Stephans-Matinee" in Wien am Sonntag verkündete Kardinal Christoph Schönborn eine Nachricht, die ihm tags zuvor Innenministerin Maria Fekter zukommen lassen konnte: Österreich wird sich an der Rettungsaktion der verfolgten Christen beteiligen. Und in einer ersten Mission 31 Betroffene nach Österreich holen. Ministerin Fekter: "Es ist abzusehen, dass es mehr werden. Die Situation vor Ort ist dramatisch. Die Flüchtlinge werden umgehend Asyl erhalten."

Ähnlich wie in den 80er-Jahren bei den vietnamesischen "Boat People" und den Bürgerkriegsflüchtlingen aus Bosnien in den 90ern werden die Irak-Vertriebenen in Pfarrgemeinden unterkommen und dort versorgt. Die ersten Flugzeuge mit den Christen sollen Mitte Jänner landen.

"Kommen Sie in den Irak und sehen Sie die Hölle"
Vor rund zwei Monaten hatten islamistische Terroristen eine volle Kirche in Bagdad gestürmt. Bei der Geiselnahme wurden 58 Christen getötet, darunter auch Babys und Kinder. Die Bluttat rief weltweit Bestürzung hervor, auch, weil sie in einer Reihe zahlreicher Gewaltattacken steht, denen irakische Christen seit Jahren ausgesetzt sind. Der Vorfall in der Sayyidat-al- Naja-Kirche hat ihre ohnehin schon schlechte Lage noch verschlimmert.

"Wenn mir jemand sagt, er glaube nicht an die Hölle, dann antworte ich ihm: 'Kommen Sie doch in den Irak für eine Woche, da werden Sie sehen, ob es die Hölle gibt oder nicht'", sagt Shlemon Warduni, Bischof der Chaldäisch-Katholischen Kirche in Bagdad.

Geldflüsse aus arabischem Ausland
Laut einer Statistik der Menschenrechtsorganisation Hammurabi bleiben mehr als 70 Prozent der Morde an Christen ungeklärt. "Jede christliche Familie denkt im Moment daran, den Irak zu verlassen, denn es gibt offensichtlich einen Plan, uns aus dem Land zu verjagen", berichtet Aziz Emmannuel al-Zebari, Pädagogikprofessor aus dem nördlichen Arbil. Familien würden in Flugblättern aufgefordert, das Land zu verlassen, wenn sie nicht getötet werden wollen. Frauen, die kein Kopftuch tragen, würden angegriffen. Die Attentäter sind in aller Regel "fanatische Islamisten", die den Irak ethnisch säubern wollen. Geld und Waffen erhalten die Angreifer vor allem aus dem arabischen Ausland.

von Michael Pommer, Christoph Budin (Kronen Zeitung) und krone.at

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