09.03.2021 13:38 |

Super-Regeneration

Schnecke erneuert bis auf Kopf kompletten Körper

Dass Tiere einen Körperteil abwerfen und dieser wieder nachwächst - zum Beispiel bei Salamandern oder Seesternen - kommt gar nicht so selten vor. Zwei Arten der Elysia-Meeresschnecken treiben die Regeneration aber auf die Spitze, wie Wissenschaftler um die Biologin Sayaka Mitoh von der Nara Women‘s University in Japan jetzt durch Zufall herausgefunden haben. Die Schlundsackschnecken behalten nur den Kopf. Der Rest des Körpers wächst nach - allerdings nur bei jungen Exemplaren.

Die Entdeckung gelang zufällig. Sie habe eines Tages eine ihrer im Labor aufgezogenen Schnecken in zwei Teilen vorgefunden. Der Kopf habe sich weiterbewegt und bald darauf sogar begonnen Algen zu fressen, berichtet die Forscherin Mitoh. Nach nur einem Tag sei die Wunde am Kopf verschlossen gewesen, binnen sieben Tagen habe die Regeneration des Herzens begonnen und nach gut drei Wochen sei der Körper komplett nachgewachsen gewesen, berichtet das Team um die Biologin.

Die Wissenschaftler beobachteten sogar, dass eine Schnecke dies sogar zweimal tat. „Wir waren überrascht zu sehen, wie sich der Kopf kurz nach der Autotomie (so bezeichnen die Forscher das Abwerfen von Körperteilen, die anschließend wieder regeneriert werden; Anm.) bewegte“, berichtet Mitoh. „Wir dachten, dass er ohne Herz und andere wichtige Organe bald sterben würde, aber wir waren erneut überrascht, dass er den ganzen Körper regenerierte.“

Sie vermuten, dass die im Kopf eingelagerten Chloroplasten (Organellen der Zellen von Grünalgen, die Fotosynthese betreiben und dem Kopf auch die grüne Farbe verleihen; Anm.) die Energie liefern, die der Kopf zum Überleben braucht. Der Trick gelang allerdings nur jüngeren Schnecken. Ältere Tiere warfen zwar auch ihren Körper ab, regenerierten jedoch keinen neuen Körper.

Ältere Tiere starben - aber oft erst nach Tagen
Die Köpfe älterer Exemplare hätten dagegen nicht gefressen und seien nach rund zehn Tagen gestorben. Bei keinem der erforschten Tiere hätten die abgetrennten Körper umgekehrt einen neuen Kopf nachwachsen lassen. Allerdings hätten sich die kopflosen Körper noch einige Tage und sogar noch Monate lang bewegt und auf Berührung reagiert.

Befreien sich die Schnecken so von Parasiten?
Wie die Tiere das machen, ist den Forschern unklar. Mitoh vermutet jedoch, dass es am Ende des abgetrennten Halses der Tiere Stammzellen ähnliche Zellen gibt, die eine Erneuerung des Körpers ermöglichen. Ebenso schleierhaft ist, warum die Schnecken das überhaupt machen. Eine Möglichkeit sei, dass dies den Tieren helfe, sich Parasiten zu entledigen, die ihre Fortpflanzung hemmen. Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, sei weitere Forschung nötig.

Quellen: APA/dpa, Nara Women’s University

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder
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