25.02.2021 09:19 |

Ortschefin zur „Krone“

„Tut weh, wenn alle mit dem Finger auf uns zeigen“

Es sind drastische Maßnahmen, die im Kampf gegen die Verbreitung der südafrikanischen Coronavirus-Mutation im Zillertaler Mayrhofen gesetzt wurden: Ohne negativen Covid-Test dürfen die Bewohner die Gemeinde ab Samstag nicht mehr verlassen - die Isolierung ist Realität! Bürgermeisterin Monika Wechselberger sprach mit der „Krone“ über den Krisenmodus, die Gemütslage und die Zukunft.

„Krone“: Frau Bürgermeisterin, wann haben Sie von den Clustern in Ihrer Gemeinde erfahren und wie wurde reagiert?
Monika Wechselberger:
Erste Informationen gab es am Montagnachmittag, bis 22.30 Uhr folgte dann ein Telefonat nach dem anderen - etwa mit der Bezirkshauptmannschaft und auch dem Landeshauptmann.

Ihre wichtigste Botschaft an die Bevölkerung?
Die Situation hat durchaus eine gewisse Dramatik. Ich kann nur einmal mehr betonen, dass wir die Cluster ohne Mithilfe der Bürger nicht verhindern können.

Das heißt konkret?
Die Akzeptanz gegenüber den Maßnahmen ist nicht immer da. Man sieht öfter Leute ohne Maske zusammenstehen - da sollte man die Courage haben, auch einmal darauf hinzuweisen. Derzeit zieht es natürlich jeden raus, es herrscht ja Frühlingsstimmung. Ich will aber betonen, dass wir sicher keine wilden Partys feiern.

Wie erleben Sie die wirtschaftliche Lage im Tourismusort?
Eine Schuhverkäuferin hat mir erzählt, dass sie von 8 bis 18 Uhr im Laden stand und nur ein einziges Paar über den Ladentisch ging. Früher flanierten in der Hochsaison pro Tag 30.000 Leute am Schaufenster vorbei, da gibt es ja genaue Zählungen.

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Wir unternehmen alles gegen das Virus. Sogar K2-Personen werden bei uns dreimal getestet. Umso mehr kann ich Politiker wie Herrn Söder nicht mehr hören. Ich habe mir die Zahlen genau angesehen. Im Landkreis Rosenheim gibt es ähnlich viele Corona-Tote wie in Tirol - aber Tirol hat die dreifache Bevölkerung!

Monika Wechselberger, Bürgermeisterin von Mayrhofen

Wie hoch ist die Beteiligung an den Testangeboten?
Im Schnitt waren es zuletzt 200 pro Tag. Es wurden auch Gurgeltests ausgegeben und bei der Apotheke gibt es eine Möglichkeit. Das ist gut, denn die Zahlen gar nicht wissen zu wollen, wäre das sprichwörtliche Kopf-in-den-Sand-stecken.

Der Blick in die Zukunft?
Ich hoffe, die sommerliche Wärme hilft, wie schon im Vorjahr. Ich wünsche mir mehr Zusammenhalt, das Parteien-Hickhack hilft uns nicht weiter. Und es tut weh, wenn derzeit Außenstehende mit dem Finger auf uns zeigen.

Andreas Moser
Andreas Moser
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