In einem Kloster

Keine Heimopferrente trotz schwerster Misshandlung

Sie war erst 14. Zwei Jahre lang wurde ein Lehrmädchen in einem Kloster im oberösterreichischen Bezirk Vöcklabruck erniedrigt, geschlagen und gequält. Bis ihr ein Schüreisen im Rücken steckte. Das war vor fast 60 Jahren. Nun forderte die heute 74-Jährige mit Unterstützung der AK OÖ eine Rente für Heimopfer. Der OGH ließ sie abblitzen.

Die damals 14-Jährige war von 1962 bis 1964 Lehrling in einem Kloster im Bezirk Vöcklabruck. Sie wollte zur Kindergärtnerin ausgebildet werden. Tatsächlich musste sie Hilfsarbeiten verrichten. Die 500 Schilling Monatslohn steckte ihre Klosterschwester ein. Doch noch viel schlimmer: Das Mädchen wurde von der Klosterschwester grauenhaft misshandelt.

Erbrochenes als Essen
Die 14-Jährige wurde geschlagen, mit dem Umbringen bedroht, wurde zum „Scheitlknien“ gezwungen und auch dazu, ihr Erbrochenes zu essen. Einmal wurde sie mit einem Schürhaken so geschlagen, dass er im Rücken stecken blieb. Das zweijährige Martyrium endete erst, als das Mädchen aus dem Kloster flüchtete und nach Hause lief.

15.000 Euro als Entschädigung
Aus der Opferstiftung der katholischen Kirche bekam die immer noch tief traumatisierte Frau viel später einmalig 15.000 Euro als Entschädigung ausbezahlt. Eine monatliche Heimopferrente wurde ihr aber verwehrt, weil sie nach Ansicht des Obersten Gerichtshofs (OGH) nicht unters Heimopfergesetz (HOG) fällt. Dieses gelte nur für Missbrauchsopfer, die zwangsweise in Heimen untergebracht worden waren. Die Rente würde monatlich 337,30 Euro ausmachen.

Forderung einer Anpassung
„Der Wortlaut des Gesetzes mag dieses Ergebnis hergeben“, sagt AK-Präsident Johann Kalliauer: „Wir können solche ungerechten Gesetze nicht akzeptieren, weil es für den Einzelnen keinen Unterschied macht, unter welchen Umständen er körperliche Gewalt erfährt. Daher fordern wir eine sofortige Reparatur des Gesetzes.“

Christoph Gantner
Christoph Gantner
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