17.02.2021 16:23 |

Premier unter Druck

Vergewaltigung im Parlament erschüttert Australien

Wegen eines Skandals um eine Vergewaltigung im australischen Parlament gerät Premierminister Scott Morrison zunehmend unter Druck. Eine ehemalige Regierungsmitarbeiterin gab an, dass sie 2019 von einem Kollegen in einem Parlamentsbüro vergewaltigt worden sei. Die heute 26-jährige Brittany Higgins warf der Regierung vor, heikle Details zu ihrer Vergewaltigung ohne ihre Zustimmung öffentlich gemacht zu haben. Zudem sei Morrisons „anhaltende Rhetorik der Opferbeschuldigung“ erschreckend.

Als Higgins den Vorfall aus dem Jahr 2019 ihrem Vorgesetzten meldete, habe sie sich wie ein „politisches Problem“ gefühlt, das es zu lösen gelte. Sie habe sich unter Druck gesetzt gefühlt, zwischen ihrer Karriere und einer Anzeige zu entscheiden.

Wann erfuhr Morrison von der Vergewaltigung?
Morrison hatte die Reaktion der Regierung auf den Fall zunächst verteidigt, sich dann am Dienstag aber entschuldigt. Er hatte erklärt, erst vor fünf Tagen von der Vergewaltigung erfahren zu haben. Nun wurde aber bekannt, dass der Mitarbeiter, der damals mit Higgins Beschwerde befasst war, inzwischen in Morrisons Büro arbeitet. Zudem erklärte Higgins, ein Mitarbeiter des Regierungschefs habe sie bereits Ende 2020 in der Sache angerufen.

Der frühere Regierungschef Malcolm Turnbull bezeichnete es als „unvorstellbar“, dass der Fall nicht auf höherer Ebene diskutiert worden sein soll. „Es ist sehr, sehr schwer zu glauben, dass das Büro des Premierministers nicht von diesem Vorfall gewusst haben soll“.

Die australische Politik ist in den vergangenen Jahren bereits mehrfach von Skandalen wegen Mobbings und sexueller Belästigung von Frauen erschüttert worden. Kritiker sprechen von einem „toxischen“ Arbeitsklima im Parlament. 

Quelle: APA/AFP

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