Do, 20. Juni 2019
07.12.2010 16:19

Fianzielle Attacke

WikiLeaks wird vom Geld abgeschnitten

Die Webplattform WikiLeaks schlittert von einem Jammertal ins nächste: Nach gekappten Internetleitungen und gesperrten Domains sehen sich die selbst ernannten Enthüller nun mit Geldflussproblemen konfrontiert. Neben dem Onlinebezahldienst PayPal haben jetzt auch die Kreditkarten-Dienstleister Mastercard und Visa alle Zahlungen an WikiLeaks gesperrt.

Die WikiLeaks-Gegner versuchen, der Website offenbar von allen Seiten beizukommen - jetzt auch von der finanziellen. Mastercard habe eine Regel, wonach Kunden gesperrt würden, die "illegale Handlungen direkt oder indirekt unterstützen oder erleichtern", sagte ein Sprecher der Kreditkartenfirma am Montagabend der US-Website CNET. Zuvor hatte bereits das Internetbezahlsystem PayPal Wikileaks gesperrt. Es ist nicht auszuschließen, dass auf die beiden Unternehmen - ähnlich wie bei Amazon - von offizieller Seite Druck gemacht wurde.

Visa Europe erklärte, einen möglichen Verstoß gegen die Geschäftsbedingungen zu prüfen. Visa wolle weitere Informationen über die Tätigkeit von Wikileaks abwarten, um zu beurteilen, ob ein Verstoß gegen die Nutzungsvorgaben vorliege. "Dies ist eine Entscheidung, die wir selbstständig getroffen haben", sagte ein Firmensprecher. "Ich glaube nicht, dass wir unter dem Eindruck irgendeines Drucks einer Regierung gehandelt haben."

Spendenaufruf mit Problemen
Die Enthüllungsplattform, die ihre Sympathisanten in den vergangenen Tagen verstärkt um Spenden gebeten hat, kann jetzt derzeit jedenfalls nur noch über Visa, Banküberweisungen oder auf dem altmodischen Postweg Geld erhalten. Schon allein für den Betrieb der Website mit den Dokumenten braucht WikiLeaks täglich aber ein kleines Vermögen.

Übrigens: Nicht nur Spendewillige haben Probleme, ihr Geld zu Assange und Co. zu bekommen. Auch die Enthüller tun sich zunehmend schwerer, die Spenden in Empfang zu nehmen. Am Montag hatte die Schweizer Bank "Postfinance" die Schließung von Assanges Konto bekannt gegeben. Als offizieller Grund wurde genannt, dass Assange bei der Kontoeröffnung falsche Angaben zu seinem Wohnort gemacht habe. Das Konto war als Spendekonto benützt worden.

"Cablegate": Neue Dokumente
Die jüngsten Enthüllungen aus den Depeschen: Die iranische Regierung soll während des Bosnien-Krieges (1992 - 1995) auch die Hilfsorganisation Roter Halbmond für Waffenlieferungen auf den Balkan benutzt haben. Der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega soll durch Drogenhändler und seinem venezolanischen Amtskollegen Hugo Chavez finanziell unterstützt werden. Ortega habe im Gegensatz dafür gesorgt, dass inhaftierte Drogenkriminelle freikommen, heißt es. Ins Netz gestellt wurde auch eine weltweite Liste von Firmen und Einrichtungen, die nach Angaben der US-Regierung terroristisch bedroht sein könnten (siehe Infobox).

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