21.12.2010 14:09 |

Mystische Romanze

"Ondine": Colin Farrell geht eine Nixe ins Netz

Der mystische Liebesfilm "Ondine" wurde an den wildromantischen Küsten Irlands, Colin Farrells Heimat, gedreht. Und ganz ehrlich: Woanders zu leben, käme dem Schauspieler nie in den Sinn. Zudem ist der Frauenschwarm überzeugt: "Nur Gott und das Publikum machen Stars!"

Er ist ein Mann mit Ecken und Kanten und besitzt eine Erdung, die in dieser Branche voller Neurotiker selten ist. Farrell: "Ich bin Ire und Schauspieler, genau in dieser Reihenfolge. Ich komme aus einem Land, wo man stolz auf seine Herkunft ist!" Der melancholische Blick guinnessfarben, das Haar widerspenstig, das Lächeln ein klein wenig dreckig - wie seine Boots. Lange Zeit galt der rebellische Herzensbrecher und Fußballersohn in Hollywood als ungekrönter König des One-Night-Stands, was er mit lakonischen Bemerkungen wie "Ich würde mir Sorgen machen, wenn es anders wäre!" quittierte.

Regisseur Joel Schumacher hatte ihn für "Tigerland", seinen Durchbruch vor zehn Jahren, nach Hollywood geholt. Da spielte er einen US-Soldaten, der in einem mörderischen Training für seinen Einsatz in Vietnam vorbereitet wird. Sein zweiter Film unter derselben bewährten Regie, "Nicht auflegen!", war ein Psychothriller auf den eineinhalb Quadratmetern einer Telefonzelle. Da sprach er mit astreinem Bronx-Akzent und durfte fluchen wie ein Seemann auf Landgang.

Bisexueller Krieger und Jolie-Sohn
Auch die Produktion "Minority Report" sticht aus seiner Filmographie heraus, bescheinigte ihm Regisseur Steven Spielberg doch, er sei so gut wie der junge Marlon Brando. In Oliver Stones Historien-Epos "Alexander" spielte er den titelgebenden Part - mit Brustschild, bisexuell gepolt und gewöhnungsbedürftiger Haartracht. "So blond wie Doris Day", so Colin Farrell. Dass Angelina Jolie darin seine Mutter spielte, amüsiert ihn noch heute. Inzest als Kopfkino? Klar doch!

Genial seine Performance in "Brügge sehen... und sterben" als verkrachter Auftragskiller. Und in "Crazy Heart“ war er neben Jeff Bridges als Country-Sänger zu hören - die Stimme rau und sexy von zu viel Whisky, Tabak und verweiberten Nächten. Die großen Studios hofieren dem Mann aus Dublin, doch fix nach L. A. zu ziehen, käme ihm nicht in den Sinn. Farrell: "Hollywood ist kein Ort für Menschen mit Lastern jenseits der Eitelkeit. Mir schmeckt unser irisches Bier sehr viel besser als der amerikanische Bourbon. Und wo zur Hölle kann man in den USA noch rauchen? Außerdem finde ich zu viel Sonne deprimierend!"

"Ondine", eine mystische Geschichte
Nun kommt der Rebell von der Insel mit dem Film "Ondine" in unsere Kinos. Eine mystische Geschichte, die unverkennbar die poetische Handschrift von Regisseur Neil Jordan ("Interview mit einem Vampir") trägt. Geheimnisvoll-schwerelos zwischen maritimer Legendenmagie und Thriller angesiedelt, profitiert sie von der grandiosen Bildersprache des berühmten Kameramanns Christopher Doyle ("In the Mood for Love").

Eine Liebesgeschichte, die Colin Farrell in die wildromantischen Küstenlandschaften im Südwesten Irlands führt, also in heimatliche Gefilde zurückbringt, dort, wo die Brandung am Fels leckt und von der verwunschenen Welt geheimer Meereskreaturen erzählt. Da geht dem Einzelgänger und Fischer Syracuse - ideal verkörpert von Farrell -, der seine kleine, schwer nierenkranke Tochter allein durchbringt, eines Tages eine Frau ins Netz, vor Kälte zitternd und panisch darauf bedacht, von niemandem gesehen zu werden.

Oder ist das schöne wilde Mädchen, das bisweilen sirenenartige Gesänge anstimmt und fortan seine Netze und Reusen füllt - auch mit Fischen, die es in diesen irischen Gewässern gar nicht gibt - gar einen sagenumwobene Meerjungfrau? Eines jener Nixenwesen, die in menschlicher Gestalt für begrenzte Zeit an Land verweilen, um einem Mann die Seele zu stehlen?

Kuscheln nach Drehschluss
Ondine - so ihr Name, wird von der weitgehend unbekannten Alicja Bachleda-Curus gespielt. Geboren in Mexiko und in Krakau aufgewachsen, zählt die Schauspielerin zu den vielversprechendsten jungen Gesichtern Hollywoods. Ihre außerirdisch anmutende Verträumtheit und Sinnlichkeit, mit der sie ihren Part anlegt, bis eine von Drogenschmuggel und Gewalt beherrschte Realität das verführerische Trugbild einer Frau überschattet, zeigte bei Colin Farrell auch nach Drehschluss Wirkung. Im Oktober 2009 kam der gemeinsame Sohn zur Welt. Mittlerweile sollen sich Farrell und Bachleda-Curus allerdings getrennt haben. Mit dem Model Kim Bordenave hat er bereits einen siebenjährigen Rabauken.

Farrell: "Früher war mir egal, wann ich sterbe. Jetzt will ich alt werden, lange für meine Kinder da sein!" An seinem Credo "Wer zuviel an die Zukunft denkt, verpasst die Gegenwart" will Farrell dennoch festhalten. "Wir Iren sind großzügig und humorvoll und nehmen das Leben gern mit einer Prise Meersalz!", so der Schauspieler von der grünen Insel.

von Christina Krisch, Kronen Zeitung

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