07.12.2010 15:59 |

Nach Erdrutsch

Kolumbien: 23 Tote - kaum Hoffnung für über 100 Vermisste

Nach dem tödlichen Erdrutsch in Kolumbien sinkt die Hoffnung auf eine Rettung der mehr als 100 Vermissten. Zunächst wurden sieben Überlebende geborgen, zudem wurden nach Behördenangaben 23 Leichen gefunden. Hunderte Einsatzkräfte wühlten sich am Dienstag weiter nur mit Händen und Schaufeln durch den tiefen Schlamm, der in einem Vorort von Medellin mehr als 35 Häuser unter sich begraben hatte.

Es würden noch immer "mehr als 100 Menschen" vermisst, sagte Innenminister German Vargas. Ein Behördenvertreter warnte zudem vor neuen Regenfällen. Dann müssten die Rettungsarbeiten wegen der Gefahr neuer Erdrutsche sofort eingestellt werden, warnte der Sprecher des Verwaltungsbezirks Antioquia, Jorge Humberto Salazar. Rot-Kreuz-Einsatzleiter Cesar Uruena sagte, die Sucharbeiten würden ohne schweres Gerät vorgenommen, um mögliche Überlebende nicht zu verletzen. "All unsere Bemühungen sind darauf gerichtet, Leben zu retten."

Am Sonntag waren im Medellin-Vorort Bello rund 50.000 Kubikmeter Erde ins Rutschen gekommen, nachdem wochenlanger Regen den Untergrund aufgeweicht hatte. Viele Menschen bangten am Unglückort um das Leben ihrer verschütteten Angehörigen, darunter auch Oscar Torres, dessen zehnjähriger Sohn bereits in der Nacht auf Montag tot geborgen wurde. Seine Schwiegermutter, eine Schwägerin, zwei Schwager sowie sieben Neffen befänden sich noch unter den Trümmern, sagte der 38-Jährige.

Intensive Regenzeit als Ursache
Medellin liegt in einem Tal. An den Berghängen gibt es zahlreiche Viertel mit einfachen, schlecht gebauten Unterkünften. Seit Wochen hatten die Behörden in Kolumbien Sorge vor einer derartigen Katastrophe, weil das lateinamerikanische Land unter einer besonders intensiven Regenzeit leidet. Fast das gesamte Land ist von den Unwettern betroffen.

Nach Angaben des kolumbianischen Instituts für Meteorologie ist für den starken Regen das Klimaphänomen El Niña verantwortlich, das im Pazifik in Äquator-Nähe zu einem Temperaturrückgang führt. Seit Jahresbeginn kamen in Kolumbien fast 200 Menschen durch Überschwemmungen und Erdrutsche ums Leben. Etwa 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos.

90.000 Obdachlose nach Unwettern in Venezuela
Auch Kolumbiens Nachbarland Venezuela leidet derzeit unter ungewöhnlich viel Regen. Das Land erlebt die schlimmsten Überschwemmungen seit 40 Jahren. Mindestens 34 Menschen kamen in den vergangenen Tagen ums Leben, Tausende wurden obdachlos. Präsident Hugo Chavez kündigte am Sonntag Enteignungen an, um für die durch die Unwetter obdachlos gewordenen Menschen neue Unterkünfte zu errichten. Etwa 90.000 Menschen in Venezuela sind durch die Überschwemmungen obdachlos geworden. In vier Bundesstaaten galt der Ausnahmezustand, darunter in der Region um die Hauptstadt Caracas.

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