23.12.2020 17:28 |

Nachhilfebedarf steigt

Lockdown-Umfrage: Kritik an Schulen und Unterricht

Corona-Herausforderung Schule: Die Lernplattform für Online-Unterricht GoStudent hat in einer Umfrage knapp 1000 Eltern in Deutschland und Österreich zu Corona-Lockdown und Home-Schooling mit Blick auf die Nutzung von Nachhilfe befragt. Das ernüchternde Fazit: 87 Prozent sahen sich während des Lockdowns mit Herausforderungen konfrontiert. Groß auch der Anteil jener Eltern, die Kritik am unvorbereiteten Lehrpersonal übten. Was demnach deutlich gestiegen ist: der Bedarf nach Nachhilfe. Und der nächste Lockdown nach Weihnachten dürfte diese Entwicklung wohl nur noch weiter beschleunigen.

Für nur 13 Prozent der Eltern gab es mit dem Start des neuen Schuljahrs mitten in der Corona-Krise keine Herausforderungen, der Rest fühlte sich oft alleingelassen mit den neuen und schwierigen Umständen. Am meisten bemängelten Eltern die durch die Pandemie entstandenen organisatorischen Herausforderungen. 46 Prozent der Befragten sahen sich hier mit diversen Problemen konfrontiert. Darüber hinaus gaben 38 Prozent an, dass sich die Qualität des Unterrichts verschlechtert habe, 36 Prozent, dass es Probleme mit dem Distanzunterricht bzw. Home-Schooling gab, und auch die Angst vor einer Ansteckung (27 Prozent) beschäftigte die Eltern in diesem neuen Schuljahr. 16 Prozent fanden auch, dass es keine klare Kommunikation der Schule zu den Corona-Präventionsmaßnahmen gab.

Lehrer schlecht auf digitalen Unterricht vorbereitet
Kritik gab es vor allem auch am Lehrpersonal selbst. Laut der Umfrage waren die Lehrer schlecht vorbereitet (73 Prozent) auf den digitalen Unterricht und auch in Bezug auf den Lernstoff hätten sich 66 Prozent der Eltern bessere Inhalte gewünscht. Des Weiteren war die Kritik an den verfügbaren Tools groß, denn 56 Prozent der Eltern wünschen sich auch hier deutliche Verbesserungen der technischen Möglichkeiten.

Insgesamt wurden 852 teilnehmende Eltern im Zeitraum von 10. bis 18. November befragt. Heraus kam unter anderem, dass während des ersten Lockdowns im März mit etwa fünf Prozent nur wenige Eltern Anlass dazu sahen, Nachhilfe für ihr Kind in Anspruch zu nehmen. Vor dem erwarteten zweiten Lockdown sahen jedoch vermehrt Eltern die Notwendigkeit, „nachzuhelfen“.

Home-Schooling als „Brandbeschleuniger“ bei Nachhilfebedarf
So wurden laut der Umfrage im September bereits 12,6 Prozent und im Oktober sogar 19,5 Prozent neue Nachhilfestunden bei GoStudent gebucht. Die Entwicklung habe schon vor der Corona-Krise „an Fahrt“ aufgenommen, wie der Gründer und Chef der Online-Plattform, Felix Ohswald, erklärt. „Nun haben wir festgestellt, dass die damit einhergehenden Schulschließungen und das Distance Learning bzw. Home-Schooling wie ein zusätzlicher Brandbeschleuniger wirken“, so der Wiener Unternehmer.

In der Umfrage von GoStudent ergab sich, dass Mathematik mit 60 Prozent das beliebteste Fach für die Online-Nachhilfe ist. Danach folgen Sprachen, allen voran Englisch mit 34 Prozent. Aber auch Deutsch (25 Prozent) und Französisch (neun Prozent) werden als relevant empfunden. Knapp 70 Prozent der Kinder, die bei GoStudent Online-Nachhilfe beziehen, sind zwischen zwölf und 17 Jahre alt. Regional betrachtet spielt es bei der Inanspruchnahme zudem keine Rolle, ob die Kinder in der Stadt (54 Prozent) oder auf dem Land (46 Prozent) leben.

„Unsere Umfrage unter den Eltern hat uns noch einmal darin bestätigt, wie wichtig vor allem die Lerninhalte, qualifizierte Lehrer und eine moderne Technik sind, um Fernunterricht für alle Seiten erfolgsversprechend zu gestalten“, so Felix Ohswald. „Wir hoffen, dass die Pandemie dazu beitragen wird, die Schulen ausreichend zu digitalisieren, und wir versuchen auch weiterhin, unseren Beitrag einer digitalen Schule beizusteuern.“

Eine österreichweite Umfrage von SORA im Auftrag des Momentum Instituts war zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen: Dafür waren zwischen 19. und 27. November Eltern von Kindern unter 15 Jahren befragt worden. 58 Prozent der Familien hatten dabei angegeben, dass sie im zweiten Lockdown stark belastet waren. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr waren es noch 46 Prozent gewesen.

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