20.12.2020 15:52 |

Briten in Sorge:

Corona-Mutation ansteckender und „außer Kontrolle“

Die neue Variante des Coronavirus, die in Großbritannien große Sorgen bereitet, führt nicht nur zu einem erneuten Lockdown für London und südliche britische Regionen, sondern auch zu ersten Flugstopps - so setzten die Niederlande den Flugverkehr bereits aus, Belgien folgt mit Mitternacht, in Österreich kommt das Landeverbot ebenfalls fix, Deutschland und Italien wollen nachziehen. Die Mutation, die im Dezember in der britischen Hauptstadt bereits 60 Prozent der Neuinfektionen ausmachte, ist um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form. Gesundheitsminister Matt Hancock sagte am Sonntag, die neue Virusvariante sei „außer Kontrolle“.

Die kürzlich entdeckte Variante des Coronavirus bereitet den Behörden große Sorgen, sagte der Minister. „Sie ist außer Kontrolle, und wir müssen sie wieder unter Kontrolle bekommen.“ Laut dem obersten wissenschaftlichen Regierungsberater, Patrick Vallance, breitet sich die Mutation VUI2020/12/01 „rasch aus und ist dabei, die dominierende Variante zu werden“.

Derzeit „keine Beweise, dass sie schwerere Verläufe auslöst“
Nach ersten Erkenntnissen ist diese Variante zwar deutlich ansteckender als die bisher bekannte Form - um bis zu 70 Prozent, wie Premierminister Boris Johnson am Samstag bekannt gab -, es gebe derzeit aber keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien. „Es gibt immer noch viel, das wir nicht wissen. Aber es gibt keine Beweise, dass die neue Variante mehr oder schwerere Krankheitsverläufe auslöst“, sagte Johnson. Auch eine höhere Sterblichkeit sei bisher nicht festgestellt worden. 

Drosten: „Verbreitung kann Zufall sein“
Die Weltgesundheitsbehörde steht mit Großbritannien wegen der Mutation in Verbindung. Inzwischen hat der Redaktionsleiter des Science Media Center Germany, Volker Stollorz, auf Twitter einen Steckbrief mit den „erstmals vereinten, potenziell biologisch relevanten Mutationen“ veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass in der Mutation die sogenannten Spikeproteine des Virus möglicherweise günstiger gebaut seien und es damit günstiger an Zellen andocken könne. Der deutsche Top-Virologe Christian Drosten teilte den Beitrag und fügte an, die Verbreitung könne „Zufall sein“.

Rat des Ministers: „So verhalten, als sei man infiziert“
Gesundheitsminister Hancock sagte, er mache sich große Sorgen um das britische Gesundheitssystem. Derzeit seien mehr als 18.000 Infizierte in den Krankenhäusern, das seien fast so viele wie zum Höhepunkt der ersten Infektionswelle im Frühjahr. „Das ist ein weiterer Grund dafür, dass alle sich an die neuen Regeln halten und persönlich Verantwortung übernehmen müssen“, sagte er. Dem Sender Sky News sagte Hancock, jeder müsse sich so verhalten, als sei er mit Corona infiziert. „Das ist der einzige Weg, wie wir das Virus unter Kontrolle bekommen können.“

Für Millionen Briten fällt Weihnachtsfest mit der Familie aus
Trotzdem wurden wegen der neuen Variante die Maßnahmen verschärft: London und südliche Regionen gehen wieder in den Lockdown. Für Millionen Briten fällt damit das Weihnachtsfest aus, denn wer in der Zone mit der höchsten Gefahrenstufe wohnt, darf über die Feiertage nicht einmal Familienmitglieder sehen, wenn diese in einem anderen Haushalt leben. Zahlreiche Londoner haben aus diesem Grund bereits am Wochenende ihre Koffer gepackt und sind zu ihren Angehörigen gefahren.

Auch Österreich stellt Flugverkehr nach Großbritannien ein
Auch weitere Länder reagierten auf die Coronavirus-Mutation bereits: Die Niederlande stellten ihren Flugverkehr von und nach Großbritannien ein. Belgien kappt um Mitternacht Flug- und Zugverbindungen ins Vereinigte Königreich. Auch in Österreich wurde ein Flugstopp fixiert, in Deutschland und Italien werden entsprechende Maßnahmen vorbereitet.

Macron und Merkel erörtern die neue Situation
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen und Charles Michel, Präsident des Europäischen Rates, erörterten in einem Telefonat die neue Corona-Lage in England. Macron hat noch für Sonntagabend einen Verteidigungsrat einberufen. Auch Deutschland prüft Schutzvorkehrungen im Luftverkehr. Einschränkungen der Flüge aus Großbritannien und auch aus Südafrika seien „eine ernsthafte Option“, hieß es am Sonntag aus Kreisen des Gesundheitsministeriums in Berlin.

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