18.12.2020 13:13 |

Rückgang 2020 massiv

3. Lockdown würde Wirtschaft erneut ausbremsen

Der Wirtschaftseinbruch in Österreich durch die Corona-Krise im heurigen Jahr wird mit rund siebeneinhalb Prozent BIP-Rückgang massiv sein. Für kommendes Jahr rechnen die Experten von Wifo und IHS mit drei bis viereinhalb Prozent Wachstum, sollte es nicht zu einem dritten Lockdown kommen. Denn dann könnte Wachstum 2021 aus Sicht des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) auf 2,5 Prozent statt 4,5 Prozent abgebremst werden.

Die Arbeitslosigkeit erreicht heuer Rekordhöhe und sinkt danach nur langsam, eher erst im Jahr 2022 - und das Budgetdefizit dürfte heuer mit mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bisher nicht gekannte Höhen erreichen, geht aus den neuen Konjunkturprognosen von Freitag hervor.

Wirtschaftseinbruch bei rund sieben Prozent
Die Institute erwarten für heuer 7,3 bzw. 7,5 Prozent Einbruch der Wirtschaftsleistung, für 2021 dann 4,5 bzw. 3,1 Prozent Anstieg, wobei das IHS für 2021 optimistischer ist als das Wifo. Im Oktober sah man für heuer nur knapp 7 Prozent Abschwächung, doch schon im Juni nach dem ersten Lockdown ging man von zumindest 7 Prozent Minus aus. Fürs übernächste Jahr, 2022, sind Wifo und IHS verhalten optimistisch, das BIP-Plus soll 3,5 bzw. 3,8 Prozent betragen.

Die Arbeitslosenrate, die 2019 nach nationaler Rechnung 7,4 Prozent betrug, dürfte heuer nach Einschätzung beider Institute auf 9,9 Prozent klettern und 2021 mit 9,3 (Wifo) bzw. 9,7 (IHS) Prozent sehr hoch bleiben. Nach 0,7 Prozent Budgetüberschuss gemessen am BIP im Vorjahr dürften heuer 10,1 bzw. 10,7 Prozent Budgetabgang ins Haus stehen, 2021 dürfte das Minus 5,5 bzw. 6,4 Prozent betragen, übernächstes Jahr 3,0 Prozent, sind sich die Fachleute momentan einig.

Lockdown bremst Erholung
Das Corona-Infektionsgeschehen und die Schutzmaßnahmen dagegen bestimmen weiterhin die Konjunkturentwicklung in Österreich und vielen anderen Ländern. Nach einem kräftigen Einbruch im ersten Halbjahr und einer deutlichen Erholung im dritten Quartal dürfte das heimische BIP wegen des jüngsten zweiten Lockdown aber im Schlussquartal wieder sinken, erklärte das Institut für Höhere Studien (IHS) am Freitag.

Die Bremswirkung durch den seit November verhängten zweiten Lockdown ist aus Sicht des IHS merklich geringer als im Frühjahr. Ende März bis Anfang Mai lagen die wöchentlichen Werte der Wirtschaftsleistung um 20 bis 25 Prozent unter den Vorjahresniveaus, in der letzten Novemberwoche betrug die BIP-Lücke laut Nationalbank (OeNB) jedoch „nur“ 13 Prozent.

Wintertourismus empfindlich eingeschränkt
Insbesondere der Wintertourismus werde wegen der anhaltenden Reisewarnungen empfindlich eingeschränkt bzw. falle ganz aus, so das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Erst in der wärmeren Jahreszeit und mit der Durchimpfung der Bevölkerung könnten sich die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten wieder normalisieren. Sollte es im ersten Quartal 2021 einen neuerlichen Lockdown geben, würde ein konjunktureller Rebound erst im zweiten Quartal einsetzen, ansonsten wäre eine Erholung aus dem aktuellen, bisherigen Lockdown schon im ersten Vierteljahr möglich.

Im Szenario „Dritter Lockdown“ nimmt das Wifo ein vollständiges Herunterfahren für vier Wochen ab Ende Jänner 2021 an und danach einen teilweisen Lockdown bis Ende März mit weiter geschlossenen Gaststätten und Beherbergungsbetrieben. Dieses Szenario könnte bewirken, dass das BIP 2021 nur um 2,5 statt um 4,5 Prozent wächst, wie im Basisszenario erwartet.

Hoffnung auf Impfung
„Im Jahresverlauf 2021 dürften zuerst die steigenden Außentemperaturen und spätestens in der zweiten Jahreshälfte auch die Durchimpfung der Bevölkerung wieder mehr gesellschaftliche und damit wirtschaftliche Aktivitäten zulassen, die Rückkehr zu einem normalen Sozialverhalten ermöglichen und damit die Konjunkturerholung stützen“, hofft das Wifo.

Auch das IHS geht davon aus, dass mit der Impfung breiter Gesellschaftsschichten die Gesundheitskrise ab Ende des Sommers überwunden wird; danach sollte die Wirtschaft auf einen moderaten Wachstumspfad zurückkehren, heißt es.

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