30.11.2020 09:00 |

Neue Räume

Einblick in das Labor der Tiroler Drogenfahnder

Eine Hanfplantage im Keller, ein zerschlagener Drogenring, eine gesprengte Ecstasy-Party - in jedem dieser Fälle ist das kriminaltechnische Suchtmittellabor der Tiroler Polizei gefordert. Dieses wurde jetzt maßgeblich erweitert. Die „Krone“ gewährt einen exklusiven Einblick.

Infrarotspektroskopie! Keine Ahnung, was das ist? Für Nicole Feichtinger gehört dieses Verfahren zur täglichen Arbeit. Feichtinger leitet das kriminaltechnische Suchtmittellabor der Tiroler Polizei in Innsbruck und setzt neben anderen hochkomplexen Verfahren auch die Infrarotspektroskopie zur Bestimmung illegaler Substanzen ein. Und derer sind in Tirol erschreckend viele im Umlauf. „Bei uns landen Proben von bekannten Suchtmitteln wie Cannabis, Heroin oder Kokain, aber auch chemische Drogen, von denen immer wieder neue Zusammensetzungen auftauchen“, erklärt die gelernte Chemielabortechnikerin.

Im Vorjahr mehr als 4200 Drogendelikte
Die Arbeit im Suchtmittellabor geht leider nicht aus. Der Drogenmarkt wird immer neu gespeist mit Substanzen, deren Inhalte nicht nur auf die Dauer, sondern oft schon bei der ersten Einnahme lebensgefährlich sind. Wie sehr Suchtmittelkriminalität die Polizei beschäftigt, zeigt auch der Blick auf die Statistik. 4231 Drogendelikte wurden im Vorjahr allein in Tirol registriert. „Durch den illegalen Handel im Internet und dem damit verbundenen Postversand wird der Kampf gegen die Suchtmittelkriminalität sehr erschwert“, heißt es dazu vonseiten der Ermittler.

Ein ganz und gar nicht harmloses Badesalz
In diesem Kampf ist die Expertise aus dem Suchtmittellabor eine entscheidende Waffe. Nur so lassen sich neue Gefahren erkennen, Vergehen im Strafkatalog einordnen und vor Gericht ahnden. Die Art der Substanzen macht im Gesetz einen Unterschied. Sie richtig einzuordnen, dafür muss in die molekulare Struktur geschaut werden.

Was dort zu sehen ist? Dass Kriminelle immer neue Formeln finden, um mit Menschenleben Millionen zu verdienen. Feichtinger nennt als Beispiel die Code-Worte „Räuchermischung“ oder „Badesalz“ auf einschlägigen und illegalen Internet-Seiten, hinter denen sich absolut kein harmloses Vergnügen versteckt. Wie Pilze schießen immer neue Drogenmischungen aus dem sogenannten Darknet.

Suchtmittellabor auf zwei Räume aufgeteilt
Mehr Platz für die Analyse steht nun im Innsbrucker Polizeilabor zur Verfügung. Zwei Räume, in denen von der Übernahme über die Lagerung bis zur Untersuchung alle Arbeitsschritte gut getrennt werden können. „Damit ist auch die Gefahr einer Kontamination gebannt“, nennt Feichtinger einen wichtigen Vorteil. 500 Proben wurden im Vorjahr untersucht. Heuer sind es bisher bereits rund 600. Auch das ein Beweis für die Sisyphusarbeit, die Herkulesaufgabe, denen die Drogenermittler gegenüberstehen. Ein ewiger Kampf! Mit Hilfe des kriminaltechnischen Suchtmittellabors werden jedoch zahlreiche Kriminalfälle gelöst.

Claudia Thurner, Kronen Zeitung

 Tiroler Krone
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