28.11.2020 10:05

Großprojekt läuft an:

„Menschenmassen vor den Teststraßen verhindern“

Österreich ist weltweit eines jener Länder mit den meisten täglichen Neuinfektionen gemessen an der Einwohnerzahl. Jetzt sollen Massentests Abhilfe schaffen; die Slowakei und Südtirol haben sie bereits erprobt. Wie diese Tests genau aussehen und was sie bringen, bespricht Damita Pressl bei „Moment Mal“ mit der niederösterreichischen Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) und dem Komplexitätsforscher Peter Klimek.

Zunächst werden spezielle Gruppen wie Pädagogen und Polizisten getestet, dann kommt die Gesamtbevölkerung an die Reihe. Helfen wird das Bundesheer, auch die Feuerwehren haben sich bereiterklärt. Zusätzlich sind Medizinstudenten aufgerufen, zu helfen, und auch niedergelassene Ärzte und Pfleger hätten sich in Niederösterreich bereit erklärt, erzählt Königsberger-Ludwig: „Das freut mich persönlich besonders.“ Sie ist optimistisch: „Es wird ein Kraftakt, aber ich kenne Niederösterreich inzwischen gut, und wenn es wirklich um etwas geht, helfen die Menschen zusammen.“

Doch wie sinnvoll ist der Plan? Klimek klärt auf: Bei einer Massentestung erwische man pro Durchgang rund die Hälfte der aktuell Infizierten, weil die Antigentests erst bei einer hohen Viruslast anschlagen: „Es gibt eine Phase, wo man schon infektiös ist, der Antigentest das aber noch nicht erkennt.“ Diese Tests seien also sehr geeignet für Sicherheitskonzepte, Massentests müssten aber regelmäßig wiederholt werden: „Mit so einer Aktion erkaufen wir uns etwa sieben Tage. Wenn wir mit solchen Massentests eine nachhaltige Kontrolle der Epidemie erreichen möchten, dann müssen wir das wiederholen.“ Dass Österreich dafür genügend Tests ankaufen kann, ist unwahrscheinlich, sagt Königsberger-Ludwig. Man müsse sich daher auf besonders gefährdete Gruppen und Einrichtungen konzentrieren und das Contact Tracing forcieren.

Zudem müssten neue Technologien ausgeschöpft werden, sagt Klimek. „Der Antigentest ist noch weit weg von einem Schwangerschaftstest“, so der Forscher, es brauche qualifiziertes Personal und Infrastruktur, um ihn abzunehmen. Ideal wären aber Tests im Haushalt, und dafür bräuchte es eine Testtechnologie, die für jedermann einfach anzuwenden wäre. An einer solchen müsse man weiterhin aktiv forschen.

„Eine besondere Herausforderung wird es, vor den Teststraßen Menschenmassen zu verhindern“, gibt Königsberger-Ludwig weiter zu bedenken. Hier sollen genaue Anmeldeslots Abhilfe schaffen. Sie spricht sich auch für ein Contact Tracing nach den Massentests aus. Hierfür wird allerdings kaum genügend Personal vorhanden sein, weswegen Klimek die Menschen aufruft, Kontakte nach einem positiven Testergebnis selbst zu informieren.

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