23.11.2020 17:10 |

„EU ohne Bekloppte“

Orban-Sprecher vergleicht ZDF mit Nazis

Die ZDF-Satiresendung „heute-show“ hat am Wochenende für Empörung in Ungarn gesorgt. Der deutsche öffentlich-rechtliche Sender agiere wie einst die Nazis, tobte Regierungssprecher Zoltan Kovacs. Anlässlich des jüngsten Budget-Streits waren der ungarische Regierungschef Viktor Orban und sein polnischer Amtskollege als „Gulasch mit Ohren“ und „polnischer Gangsterkollege“ bezeichnet worden, die die EU erpressen würden. Als Lösungsvorschlag schlug die Komikerin Carolin Kebekus vor, dass die anderen 25 EU-Staaten ihren Austritt aus der Union beschlössen und dann umgehend eine neue „Europäische Union ohne die bekloppten Ungarn und Polen“ gründeten.

Damit ließen sich „jedes Jahr sagenhafte 17 Milliarden Euro“ an Nettozahlungen für die beiden Länder einsparen. „15 Milliarden Euro geben wir direkt Italien und Spanien, und vom Rest kaufen wir uns, keine Ahnung, Lakritzschnecken oder Heizpilze“, führte die Komikerin aus.

Deal im Juli und späterer Kompromiss
Für den Orban-Sprecher ist damit „eine rote Linie“ überschritten worden. „Eine dieser roten Linien ist etwa das Verbreiten von falscher, unfairer und unausgewogener Information - von Böswilligkeit ganz zu schweigen - über demokratisch gewählte Anführer anderer EU-Staaten“, schrieb Kovacs über den Beitrag im ZDF, das er selbst irreführend „deutsches Staatsfernsehen“ nannte, in seinem Blog.

Konkret warf Kovacs dem „heute-show“-Moderator Oliver Welke vor, verschwiegen zu haben, dass die EU-Staats- und Regierungschefs bei ihrem Budgetdeal im Juli vereinbart hätten, „jeglichen Bezug auf die Verbindung von EU-Zahlungen mit Rechtsstaatsbedingungen zu vermeiden“, dieser Deal in den vergangenen Wochen aber „ignoriert“ worden sei. Deshalb sei es zu dem Veto Ungarns gekommen.

Regierungssprecher: „Ungarn und Polen als Parasiten dargestellt“
Solche „Details“ werde man aber in der Berichterstattung des ZDF nicht finden, weil sie nicht die Geschichte stützten, die man unbedingt erzählen wolle: „Eine Geschichte von Ungarn und Polen als Parasiten der Länder des reichen, liberalen und migrationsfreundlichen Westens und der mitteleuropäischen Regierungsführer als ,Monster‘, die die Zukunft Europas gefährden“, so Kovacs - der freilich dabei selbst verschwieg, dass die ungarische Darstellung bezüglich der Gipfelvereinbarung von den anderen Mitgliedsstaaten einschließlich Österreichs bestritten wird.

Den Bogen überspannte Kovacs seinerseits aber mit einem Nazi-Vergleich, als er in seinem Blog meinte: „Ich erinnere mich an eine andere Zeit, als die Deutschen sich überlegen fühlten und auf alle anderen herunterblickten. Das ging nicht so gut aus.“

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