Sa, 17. November 2018

Geiselnahme im Irak

01.11.2010 14:51

Dutzende Gläubige bei Geiseldrama in Kirche getötet

Blutiges Ende einer Geiselnahme im Irak: In einer katholischen Kirche in Bagdad sind mindestens 52 Menschen getötet und 67 weitere verletzt worden. Eine Gruppe schwer bewaffneter Extremisten hatte die Gläubigen am Sonntagabend während des Gottesdienstes überfallen. Nach vier Stunden stürmten irakische Sicherheitskräfte die Kirche. Zu der Geiselnahme bekannte sich eine islamistische Gruppierung mit Verbindungen zu Al Kaida.

Die mit Sprengstoffwesten und Granaten bewaffneten Angreifer drangen bei Einbruch der Dunkelheit in die chaldäisch-katholische Kirche im Bagdader Stadtteil Karrada ein, in der sich etwa 120 Christen zu einer Messe versammelt hatten. Zunächst war nicht bekannt, wie viele Gottesdienstbesucher unter den Toten waren. Offiziellen Informationen zufolge kamen während der Befreiungsaktion mindestens zehn Polizisten und fünf bis acht Geiselnehmer ums Leben. Nach Angaben des Vatikans wurden zwei Priester getötet.

Unklar war zunächst auch, wie die Geiseln zu Tode kamen. Ein christlicher Abgeordneter des irakischen Parlaments, Younadam Kana, sagte am Montag, die meisten Opfer habe es zu Beginn der Befreiungsaktion gegeben. Er kritisierte die Erstürmung als unprofessionell und sprach von einer "übereilten Aktion, die die Terroristen dazu gebracht hat, die Geiseln zu töten".

Widersprüchliche Angaben über Zahl der Attentäter
Über die genaue Zahl der beteiligten Attentäter gab es widersprüchliche Angaben. Ein Militärsprecher sagte am Sonntagabend, die Sicherheitskräfte hätten acht Angreifer getötet. Die US-Streitkräfte sprachen von fünf bis sieben getöteten Geiselnehmern. Zwei Polizisten am Ort des Geschehens erklärten dagegen, drei Angreifer seien ums Leben gekommen. Weitere sieben seien festgenommen worden.

An der Befreiungsaktion waren offenbar auch US-Soldaten beteiligt, ihre Rolle war zunächst aber unklar. Eine befreite Geisel sagte, die US-Soldaten hätten die Kirche zuerst gestürmt. Auch ein Mitglied der irakischen Anti-Terror-Einheit bestätigte den Einsatz von US-Soldaten. Dagegen sagte ein Sprecher der Einheit, es hätten nur irakische Sicherheitskräfte an der Aktion teilgenommen. Zwar hat die US-Armee Ende August ihren Kampfeinsatz im Irak beendet; US-Soldaten können aber von den irakischen Behörden zur Unterstützung angefordert werden.

"Islamischer Staat Irak" bekennt sich zu der Geiselnahme
In einer eher verworren formulierten Stellungnahme im Internet schien die Organisation "Islamischer Staat Irak" die Verantwortung für die Geiselnahme zu übernehmen. Die Gruppe, die in Verbindung mit Al Kaida im Irak steht, drohte damit, irakische Christen "auszulöschen", wenn muslimische Frauen in Ägypten nicht befreit würden. Konkret wurden in der Internet-Botschaft zwei Ägypterinnen erwähnt, die vom Christentum zum Islam konvertiert seien und gegen ihren Willen festgehalten würden. Die Extremisten riefen den Vatikan auf, sich für Freilassung der Frauen einzusetzen, "andernfalls wird der Tod zu euch allen kommen".

Papst Benedikt XVI. verurteilte den Angriff als "absurde Gewalt". Er sei umso grausamer, als er sich gegen unbewaffnete Menschen in einem Gotteshaus gerichtet habe, sagte der Papst am Montag. Seine Solidarität gelte den Christen im Irak, die erneut Ziel von Gewalt geworden seien. Er bete für die Opfer des Überfalls. "Ich ermutige die Pfarrer und Gläubigen, stark zu sein und unerschütterlich in ihrer Hoffnung." Benedikt XVI. bekräftigte zudem seinen bereits wiederholten Friedensaufruf für Nahost.

Angriffe von allen Seiten schärfstens verurteilt
In Österreich verurteilte der Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Omar Al-Rawi, die Gewalt an Christen in Bagdad und sprach von einem "feigen Angriff", der einen "vorläufigen traurigen Höhepunkt in der derzeitigen ohnedies durch ethnische und religiöse Konflikte gespannten Lage im Irak" darstelle. "Wir sehen es als unsere Pflicht an, diese Angriffe auf das Schärfste zu verurteilen, und drücken unser tiefstes Bedauern und unser Mitgefühl allen Leidtragenden und Hinterbliebenen aus", heißt es in der Stellungnahme vom Montag. "Gleichzeitig fordern wir die Regierung im Irak auf, endlich ihrer Pflicht nachzukommen, um für den Schutz der Bevölkerung, insbesondere dem der Minderheiten, zu sorgen."

In den vergangenen Jahren wurden Hunderte irakische Christen Opfer von Anschlägen. Kirchen wurden seit dem Einmarsch der USA im Jahr 2003 immer wieder Ziel von Angriffen. Ende 2008 wurden bei einer Anschlagsserie 40 Christen getötet. Die nun betroffene Kirche war bereits 2004 gemeinsam mit weiteren christlichen Einrichtungen in Bagdad Ziel von Angriffen.

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