22.11.2020 15:42 |

Mit eigenen Augen

Beim Musizieren ist die Angst weg

Sie pflegt mit ihrer Kunst den kontrollierten Exzess. Dominik Orieschnig traf Ulrike Mayer, besser bekannt als „Die Mayerin“, zum sehr persönlichen Interview. Mehr Fotos finden Sie in unserer heutigen Printausgabe (Burgenland) auf den Seiten 42/43.

Liebe Uli, am ersten Foto besticht das gelbe Band mit der Zahl 23. Irgendeine Bedeutung?

Das ist das gelbe Gafferband, das die Kabel im Tonstudio kennzeichnet. Als ich den ersten Song meines letzten Albums recorden wollte, stand da plötzlich die Zahl 23. Ich bin am 23. Dezember 1984 geboren. Ich liebe solche Zeichen - die 23, mein Geburtstag, der Kopfhörer und meine Musik, das ist stimmig. Für mich ist es die Magie, die den Alltag nicht alltäglich werden lässt. Mein Zugang zum Leben ist der, dass ich durch die Sichtweisen und Werte, die ich ausstrahle, mein Leben verändern kann. Was man aussendet, kommt zu einem zurück. Positive Gedanken sind Magneten für Positives.

Du hast einen Satz in einem Songtext verarbeitet, der auch dein Standard-Hashtag ist: „Die Liebe wird siegen“ ...

Eines meiner liebsten Bücher heißt „Gespräche mit Gott“ von Neil Donald Walsch. Ihm zufolge gibt es den Weg der Liebe und der Angst. Ich kenne die Angst sehr gut. Ich habe große Angst vor dem Tod und einer möglichen Existenzlosigkeit danach. Angst davor, etwas nicht kontrollieren zu können. Und den Tod kann man nicht kontrollieren. In solchen Momenten entscheide ich mich bewusst für den Weg der Liebe, mir selbst und anderen gegenüber.

Wer sind die beiden fröhlichen jungen Damen?

Das sind Lia und Finya, meine zwei Schätze. Da waren wir am Meer mit unserem alten Segelboot. Ein Traum meines Mannes, den ich mitleben darf. Segeln ist absoluter Kontrast zum Alltag. Dort haben wir in absoluter Freiheit einen Luxus, der nicht in Zahlen zu messen ist. Wenn man dann zurückkehrt unter die Leute, wird man leicht unrund.

Dein neues Album heißt „Libellen“ - das Thema „Flügel“ und „Fliegen“ ist wie ein roter Faden in deinem Werk …

Um kreativ zu sein, muss ich die Füße vom Boden wegkriegen, um den Zugang zur Quelle zu bekommen, wo die Dinge liegen. Kreativ sein heißt für mich schweben. Mein Mann und meine Kinder geben mir Wurzeln und holen mich immer wieder auf den Boden zurück. Das ist das Geheimrezept, warum ich als „Die Mayerin“ erfolgreich bin: Weil ich Wurzeln und Flügel habe und weil ich über genau die erdigen Themen schreibe und singe, die uns alle betreffen. Themen, die am Boden stattfinden. Ich schreibe nichts Abgehobenes, Überpoetisches. Aber ich lade auch zum Abheben und zum Schweben ein …

… und garantierst den Leuten, dass sie mit dir wieder sicher landen. Das ist eigentlich der kontrollierte Exzess …

… genau (lacht)! Weil ich eben auch sicher verwurzelt bin. Das ist lustig, dass du das so nennst, weil ich wahrscheinlich noch nie unkontrolliert ausgeflippt bin. Alle kennen mich privat als kontrollierte Person. Richtig loslassen und auszucken kann ich, wenn ich auf der Bühne stehe und weiß, dass das Lied in drei Minuten wieder aus ist.

Das erinnert an den Schamanen, der den Stamm in die Ekstase und in eine kollektive Transformation mitnimmt, alle heilt und dann wieder „normal“ wird.

Dein Vergleich ehrt mich! In dieser Metapher fühle ich mich zu Hause. Ich durfte mit Sondererlaubnis des Pfarrers bereits als Fünfjährige ministrieren, wurde später Lektorin. Das war für mich äußerst attraktiv. Weil es eine kleine Bühne war und ich den uralten Zusammenhang zwischen Kunst, Religion und Ekstase gespürt habe.

Ich vermute, auch die beiden Wesen auf dem letzten Foto tragen zum Gleichgewicht bei …

Meine Hunde sind Ausdruck purer Liebe. „Mai Li“, meine alte Cocker-Spaniel-Lady, und „Dea“, unsere zweieinhalbjährige Familienhündin. Sie erden und entstressen mich ungemein. Oft genügt ein Blick, und ich bin wieder bei mir. „Wie’s Herrl, so’s Gscherl!“ An diesem Spruch ist etwas dran.

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