13.11.2020 18:34

Schulen wieder zu?

„Der Fehler ist diesmal wirklich bei der Politik“

Wer gegen Schulschließungen sei, sei für Triage - so in etwa lautet der provokante Satz in einer Aussendung vieler Wissenschaftler, die für heftige Diskussionen im ganzen Land gesorgt hat. Darf Österreich seine Schulen wieder schließen, und wenn ja, ab wann? Eine, die sich besonders prominent dafür ausgesprochen hat, die Schulen offenzuhalten, ist „Heute“-Herausgeberin Dr. Eva Dichand, und einer der Physiker hinter der berühmten Aussendung ist Professor Erich Gornik von der TU Wien. Bei „Moment Mal“ haben die beiden im Gespräch mit Damita Pressl das Thema diskutiert.

Man habe nicht vorgesorgt und viel zu spät reagiert, sagt Dichand, es gebe an Schulen immer noch keine Schnelltests und Ärzte hätten vor Monaten vor genau jener Situation gewarnt, in der wir jetzt sind. „Der Fehler ist diesmal wirklich bei der Politik“. Gornik stimmt zu. Die Mathematiker hätten gewusst, dass ein strengeres Vorgehen viel früher notwendig gewesen wäre. „Die Deutschen haben bei 2000 Neuinfektionen am Tag angesetzt, und wir haben gewartet“, beklagt er.

Dennoch gibt er zu: „Wir waren in der Wortwahl ein bisschen ungeschickt“. Der Satz, wer gegen Schulschließungen sei, sei für Triage, sei etwas missverständlich gewesen; die Kollegen und er hätten eigentlich nur auf ein Problem aufmerksam machen wollen. Die größte Forderung sei gar nicht die Schulschließung gewesen, sondern das stete Einhalten eines zwei Meter großen Sicherheitsabstandes zu allen Personen außerhalb des eigenen Haushalts. „Wenn man das durchdenkt, führt das fast zu einem totalen Lockdown.“

„Wissen aus Tschechien, dass der Light-Lockdown nichts gebracht hat“
Es sei nicht einzusehen, dass etwa Shopping-Center in Betrieb seien, während man über Schulschließungen diskutiere, so Dichand: „Das Letzte, was man in diesem Land machen darf, ist, die Schulen zusperren.“ Dass ein zweiter harter Lockdown vermutlich bereits am Wochenende kommt, ist ihrer Ansicht nach zu früh: „Die Entscheidung am Samstag zu fällen, ist zu knapp“. Der „weiche“ Lockdown hätte sich noch gar nicht in den Zahlen abgezeichnet haben können, sagt sie, die Politik müsste noch eine Woche warten. Aber Gornik gibt zu bedenken: „Wir wissen aus Tschechien, dass der Light-Lockdown nichts gebracht hat“.

Auch alternative Modelle wären möglich, sagt Dichand: Würden nur mehr Kernfächer unterrichtet, könnte man den Unterricht schichtweise gestalten. Wenn Kinder zwei Monate lang keinen Unterricht in Musik, Religion oder Zeichnen hätten, sei das nicht wünschenswert, aber „davon geht die Welt auch nicht unter“.

Die Prognose für die nächsten Monate ist düster. Dichand: „Hinter den Kulissen wissen alle: Wenn die Schulen jetzt zumachen, machen sie vor Weihnachten nicht mehr auf“. Klar ist aber auch: So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Der Anstieg der Neuinfektionszahlen sei seit September etwa gleich, sagt Gornik. „Wenn wir das Modell weiterrechnen, ist am 18. November in den Spitälern die Kapazitätsgrenze erreicht.“

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