08.11.2020 14:03 |

Persönlich

Ich kann Tieren in die Seele blicken

Österreichs Talk-Queen verfügt über eine seltene menschliche Gabe. Wie und wo Barbara Karlich ihre Kraft zum Zuhören holt. Vier Fotos über Ferne und Nähe und das Drahtseil dazwischen. Die Aufnahmen finden Sie in unserer heutigen Printausgabe der „Burgenland-Krone“.

Liebe Barbara, damit auch ich ein paar Fragen stelle: Zwei Queens mit geschlossenen Augen. Bloßer Lidschlussreflex oder bewusstes Nicht-Sehen-Wollen?

Bei der Queen vermutlich beides – und ich habe die Pose nachgeahmt. Ich verehre Queen Elizabeth über alles und sie ist mir, glaube ich, sehr ähnlich. Wir lieben beide Hunde und Pferde und ich würde mich mit ihr blendend verstehen, vermutlich besser als ihre Schwiegertöchter. Ich glaube, wir ticken ähnlich, müssen uns beide sehr zurücknehmen. Im nächsten Leben wäre ich gerne ihre Hundesitterin.

Das führt zum nächsten Bild: Michelangelo 2.0, menschliche Hand berührt Hundepfote. Erschafft hier der Mensch seinen besten Freund oder umgekehrt?

Wohl beides. Es ist mein Bruder und sein Hund. Hunde geben einem so viel Liebe und Dankbarkeit, wie kein Mensch sie geben kann. Und das in allen Lebenslagen, egal, ob Du traurig oder lustig bist, ob Du stinkst oder gut riechst, ob Du genervt bist oder entspannt. Ein Hund liebt Dich absichtslos, bedingungslos, unendlich und ist wahnsinnig treu. Er legt sein Leben in Deine Hand. Das Foto sagt das aus.

Du engagierst Dich sehr für Hunde …

Ich bin grundsätzlich Menschenfreund, aber mir ist unverständlich, was Hunden in manchen Regionen dieser Welt angetan wird. Es gibt den Blindenhund, den Rettungshund, den Lawinenhund, den Therapiehund, den Drogenhund, den Polizeihund – und dann geht man so mit den Tieren um und isst sie. Ich schaue Tieren in die Seele. Ich wage zu behaupten, dass ich weiß, was meine Meixi will. Ich schaue einen Hund an und kann in ihm lesen.

Gibt es es Tage, an denen Du mit niemande reden willst und Dir sogar Selbstgespräche zuviel sind?

Ich erlebe als bekennende „Waldbaderin“ jeden Tag Momente der Stille. Der Ausdruck kommt aus dem Japanischen. Ich brauche den Wald und seine Laute, das, was die Vögel und die Äste im Wind erzählen. Der Wald erdet mich und macht mich zu dem, was ich bin. Nur so bekomme ich die Kraft, um wie ein Schwamm das aufzusaugen, was die Menschen mir erzählen. Und entgehe der Gefahr, mich vereinnahmen zu lassen …

Das erzählt mir auch die Torte auf dem dritten Bild: Wie weit darf abgebissen werden, ohne die Person Barbara Karlich in ihrer Integrität anzuknabbern?

Ich bin seit 21 Jahren die Barbara aus der Barbara-Karlich-Show. Davor war ich nur die Barbara und führte ein beschauliches Leben. Ich habe als junge Moderatorin anfangs sicher zu viel von mir preisgegeben. Mein Erfolg besteht natürlich auch darin, dass Menschen mich mögen – also schulde ich ihnen, dass sie auch ein bisschen was über mich wissen, aber nicht alles. Wer heute zu wissen glaubt, wie ich wirklich bin und denke, irrt. Von mir kennt man nur die Spitze des Eisbergs.

Demnach steht die Insel für diesen geschützten Raum, wo niemand Zugang hat zur ganzen Barbara …

Genau! Inselschönheiten wie die Malediven sind meine Sehnsuchtsorte. Aber auch der Wald. Wir wissen heute, dass Bäume miteinander kommunizieren. Bei Borkenkäferbefall warnt ein Baum den anderen, woraufhin dieser Harz gegen die Käfer absondert. Es wäre schön, einmal nachts durch diese eigene Welt der Bäume zu wandern und mit ihnen zu kommunizieren.

Das wäre tatsächlich eine neue Art von Talk-Show …

Man sollte Leute, die Bäume umarmen, nicht auslachen - sie können dem Menschen viel geben. Da wären wir auch bei Corona: Wie viele von uns meinten, wegfliegen zu müssen - dabei haben wir das Paradies vor der Tür. Und mit dem Alter kommt die Dankbarkeit und die Gelassenheit. Mit 30 hätte ich Dir dieses Interview sicher nicht so gegeben wie heute.

 Niederösterreich-Krone
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