Überlebender erzählt

Tragödie von Kaprun: „Ich fühle große Dankbarkeit“

Am kommenden Mittwoch jährt sich die Feuer-Tragödie von Kaprun zum 20. Mal. Hans Ressler aus Steyr entkam durch Zufall dem Drama, das ihn aber immer begleitet...

„OÖ Krone“: Die Katastrophe von Kaprun jährt sich bereits zum 20. Mal – Sie waren dabei, verloren Freunde.

Hans Ressler:Es wird heuer mehr darüber gesprochen, sich mehr erinnert. Aber für mich ist es nicht anders. Kaprun begleitet mich mein ganzes Leben.

Wie haben Sie den Tag in Erinnerung?

Ich war Ausbildungsleiter beim Landesskiverband für einen Kurs Sicherheit und Erste Hilfe. Mehr als 150 Leute nahmen teil. Und ich hätte eine Ehrung vom Skiverband für 40-jährige Zugehörigkeit erhalten sollen.

Es hätte ein schöner Tag werden sollen.

Es war ein herrlicher Tag und ich fuhr mit der Gondel, nicht mit der Standseilbahn. Oben wartete ich auf meine Freunde und Kollegen. Doch plötzlich kam Qualm aus dem Tunnel.

Wussten Sie da schon, was passiert war?

Nein, aber zwei meiner Kollegen waren am WC des Alpincenters, wurden vom Rauch eingeschlossen.

Für sie gab es keine Rettung mehr.

Ich werde es nie vergessen. Wir wurden überrascht, hatten keine Chance. Eine der Ehefrauen schrie: „Geht’s, helft’s. Ihr lasst meine Fredi im Stich.“ Das war schrecklich, aber wir konnten einfach nichts tun. Sechs unserer Leute verloren ihr Leben. Die Worte der Frau meines Freundes, bekomme ich nie aus dem Kopf. Sie waren meinetwegen gekommen.

Wie gehen Sie heute mit dem Erlebten um?

Darüber reden hat mir sehr geholfen. Und inzwischen fühle ich eine unglaubliche Dankbarkeit. Dankbar, dass ich noch hier bin. Denn vor Kaprun war ich dabei, als 1972 der Überfall auf die Olympischen Spiele in München passierte und auch, als in München beim Oktoberfest 1980 die Bombe in die Luft ging. Irgendwie bin ich immer davongekommen.

Wie werden Sie den Jahrestag begehen?

Wie wollten eigentlich nach Kaprun fahren, das geht aber wegen Corona leider nicht.

Ein defekter Heizlüfter löste das Feuerdrama aus
Ein defekter und verbotenerweise eingebauter Heizlüfter löste am 11. November 2020 im 9.10 Uhr - acht Minuten nach der Abfahrt - das Drama in der Zugsgarnitur „Kitzsteingams“ aus. Durch den Kamindeffekt im Tunnel wurde das Feuer weiter angefacht, bei der Bergstation drang Rauch heraus. Nur zwölf Insassen des Zugs können sich vor Qualm und Flammen retten, 152 Personen sterben im Tunnel, drei auf der Bergstation - unter diesen zwei Freunde von Hans Ressler (siehe Interview). Unter den Toten befinden sich 45 Oberösterreicher, alleine 32 stammten aus einer Reisegruppe aus Wels - die meisten waren beim Magistrat beschäftigt. Von dieser Gruppe überlebten nur zwei die Tragödie, weil sie sich für die Gondel und nicht für die Standseilbahn entschieden hatten.

Dreieinhalb Jahre nach dem Unglück kam es zum Prozess gegen 16 Angeklagte - von Mitarbeitern der Gletscherbahn und des TÜV, Verkehrsministeriums-Verantwortliche und Konstrukteure - frei. Auch in der Berufung vor dem Oberlandesgericht Linz wurden die Freisprüche bestätigt. Es gab für 451 Hinterbliebene und Überlebende der Tragödie 13,4 Millionen Euro Entschädigung.

Markus Schütz
Markus Schütz
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Freitag, 14. Mai 2021
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