06.11.2020 15:14 |

Hoteliers atmen auf:

Corona: Umsatzersatz „wird viele Betriebe retten“

Vorsichtiges Aufatmen in der Tourismus- und Freizeitbranche: Die ab sofort möglichen Anträge auf Ersatz des entgangenen Umsatzes im November werden laut Wirtschaftskammer Österreich „viele Betriebe retten“. Der Ansturm auf die neue Corona-Hilfe ist bereits jetzt enorm. Gleich zu Beginn der Frist wurden bereits 1200 Anträge eingereicht.

Durch die von der Regierung auf den Weg gebrachten Hilfen könnten Mitarbeiter in Beschäftigung gehalten werden, die beim Aufsperren der Betriebe wieder dringend benötigt würden, sagte der zuständige Spartenobmann Robert Seeber. In einem nächsten Schritt müssten nun auch die indirekt von der Schließung und den Reisewarnungen betroffenen Betriebe ebenfalls rasch und unbürokratisch entschädigt werden. „Deshalb begrüßen wir die Ankündigung von Finanzminister Blümel, dass der Fixkostenzuschuss 2 noch im November beantragt werden kann“, so Seeber weiter.

„Arbeitgeber brauchen Hilfe wie einen Bissen Brot“
Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung, betonte: „Nach mehr als einem halben Jahr fast ohne Einnahmen, aber laufenden Fixkosten, dem Finanzierungsanteil für die Kurzarbeit und nicht zuletzt dem anstehenden doppelten Gehalt brauchen viele Arbeitgeber im Tourismus den angekündigten Umsatzersatz wie einen Bissen Brot."

Hotellerie-Sprecherin Susanne Kraus-Winkler und Gastronomie-Sprecher Mario Pulker sehen den von der Regierung präsentierten Umsatzersatz als essenziell für ihre Branchen an. Erfreut zeigte sich Pulker darüber, dass der Umsatz aus Liefer- und Abholservices bei dem Zuschuss nicht angerechnet wird. Problematisch sei jedoch, dass man die Bedingungen für den Zuschuss erst seit Freitag kenne: „Denn erst heute, am 6.11., wurde verkündet, dass Hilfen nur ausbezahlt werden, wenn ab 3.11. keine Kündigungen mehr ausgesprochen wurden.“

Handel und Handwerk hoffen ebenfalls auf Unterstützung
Die Sparten Gewerbe und Handwerk bzw. Handel appellierten in Stellungnahmen am Freitag an die Regierung, ebenfalls in den Genuss von Hilfen zu kommen, denn auch ihr Geschäft komme im November de facto zum Erliegen. Die Unterstützung für Gastronomie und Hotellerie sei wichtig, sagte WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik, doch für ihn greifen diese Hilfen ohne den Handel zu kurz. „Wir sind im Handel gerade in den Einkaufsstraßen und in den Einkaufszentren gemeinsam unterwegs“, so Trefelik, „wir sind symbiotisch aufeinander angewiesen.“ Nicht alle Bereiche des Handels seien gleichermaßen betroffen, aber es müsse gemessen an den Umsatzrückgängen auch für den Handel einen Ersatz für die Ausfälle geben.

Die Opposition sah sich in den neuen Hilfe zum Teil bestätigt, fand aber auch Grund für Kritik. Bei den Hilfen habe die Regierung die Forderungen der SPÖ aufgegriffen, sagte etwa SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter. Mit seinem Vorschlag für den Fixkostenzuschuss 2 sei Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) jedoch gescheitert. FPÖ-Budgetsprecher Hubert Fuchs begrüßte den Umsatzersatz, meinte aber, dass man den Betrieben das Geld auch ohne Antrag einfach überweisen sollte, da die Höhe ohnehin automatisch berechnet werde und davon auszugehen sei, „dass jeder Betrieb den Umsatzersatz beantragen wird“. NEOS-Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn sah vor allem eine Frage noch unbeantwortet: „Was wird mit jenen jungen Unternehmen passieren, die ihr Unternehmen erst vor weniger als einem Jahr gegründet haben?“, fragte er.

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