29.10.2020 12:38 |

„Totenschädel“ zeigt:

Komet „Tschuri“ ist innen weicher als Milchschaum

Das Innere des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko (kurz „Tschuri“) ist ungewöhnlich weich. „Weicher als Milchschaum auf einem Cappuccino“, sagt Laurence O‘Rourke von der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Das zeigen Analysen, die durch die Entdeckung des zweiten Aufsetzpunkts der Landeeinheit „Philae“ der Mission „Rosetta“ auf dem Himmelskörper möglich wurden. Denn „Philae“ hat dabei Milliarden Jahre altes Kometen-Eis freigelegt, berichten die Forscher im Fachblatt „Nature“.

Die ESA-Sonde „Rosetta“ hat „Tschuri“ zwei Jahre umkreist und untersucht. Das kühlschrankgroße Forschungslabor „Philae“ war am 12. November 2014 von „Rosetta“ planmäßig zur Oberfläche des Kometen herabgesunken, doch die Landung verlief holprig.

Der Lander prallte vom ursprünglichen Aufsetzpunkt ab und flog zunächst zwei Stunden lang weiter. Dabei kollidierte er mit dem Rand einer Klippe und setzte kurz ein zweites Mal auf. Schließlich stoppte„ Philae“ in einer dunklen Spalte des Kometen und konnte erst 22 Monate später durch die Auswertung der von „Rosetta“ aufgenommenen Bilder wiederentdeckt werden.

„Philae“-Abdruck erinnert an Totenschädel
„Die an ,Philae‘ angebrachten Sensoren zeigten an, dass der Lander sich an vier Stellen in die Oberfläche hineingegraben und so höchstwahrscheinlich das darunterliegende, urzeitliche Eis freigelegt hatte“, so Forscher O‘Rourke. Dabei habe der Lander im weichen Felsen und im Eis Abdrücke hinterlassen, die an einen Totenschädel (im Bild unten rot markiert) erinnern. Damit hatten die Wissenschaftler Zugang zu 4,5 Milliarden Jahre alter Materie, die nicht seit Ewigkeiten der Weltraumverwitterung ausgesetzt war.

Bei Aufschlag Oberfläche aufgewühlt
Daten der Sonde zeigen, dass „Philae“ fast zwei Minuten am zweiten Aufsetzpunkt verbrachte und bei mindestens vier unterschiedlichen Kontakten die Kometenoberfläche aufwühlte. Auf den Bildern zeigt sich ein besonders deutlicher Abdruck, der entstand, als Philaes Oberseite 25 Zentimeter tief in das Eis neben einer Spalte einsank und dabei erkennbare Spuren des Bohrers und der Seiten der Sonde hinterließ. Der zweite Aufsetzpunkt liegt nur 30 Meter von dem Ort entfernt, an dem „Philae“ letztendlich zum Stillstand kam.

Zum Zeitpunkt der Landung lagen große Teile des Eises im Schatten, aber auf Monate später aufgenommenen Bildern schien die Sonne direkt auf das Gebiet des zweiten Aufschlags, das hell strahlte. Die Analyse der Bilder und Daten weiterer Instrumente bestätigte, dass es sich bei der hellen Region um Wassereis auf einer Fläche von etwa 3,5 Quadratmetern handelte und dieses urzeitliche, Milliarden von Jahren alte Eis-Staub-Gemisch außergewöhnlich weich ist.

Komet hat spezifische Dichte wie etwa Kork
Die Wissenschaftler konnten zudem die Porosität des Felsbrockens abschätzen, auf dem „Philae“ aufgeschlagen war, also wie viel Hohlraum sich zwischen den eisigen Staubkörnern im Inneren befindet. Diese dürfte etwa 75 Prozent betragen, was dem Wert entspricht, der zuvor in einer anderen Studie für den gesamten Kometen gemessen worden war. „Tschuri“-Material  ist laut Angaben der Forscher in etwa eine spezifische Dichte wie Kork.

Die Resultate sind wichtig für zukünftige Landemissionen. Sie sollen für künftige Sonden bei der Entwicklung von Landemechanismen und dem Verständnis mechanischer Prozesse bei der Probenentnahme helfen.

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