10.10.2020 06:00 |

Nichts verpassen!

KW 41 - die wichtigsten Neuerscheinungen der Woche

Musik als Lebenselixier - besonders für das Wochenende, wo man hoffentlich auch Zeit dafür hat. Wir haben für euch wieder die besten Alben und Veröffentlichungen der Woche zusammengesammelt. Quer durch alle Genres ist hier garantiert für jeden was dabei. Viel Spaß dabei.

Andy Bell - The View From Halfway Down
Nein, bei diesem Andy Bell handelt es sich nicht um die Hälfte des kultigen Electropop-Duos Erasure, sondern um den Bassisten der Shoegaze-Legende Ride - um die Fronten gleich einmal klar zu machen. Dieses Vorwissen ist nämlich nötig, um den Sound richtig einzuteilen, denn mit technoiden, süßen Electropop-Rhythmen hat „The View From Halfway Down“ nichts zu tun. Auf diesem Soloalbum kehrt Bell zu seinen Wurzeln zurück und begeistert mit wunderschönen, verträumt-düsteren Hymnen á la „Love Comes In Waves“ oder „Indica“, die wohlig durch die Gehörgänge wieseln. Die Mischung aus Folk-Anleihen und finsterer Elektronik funktioniert ausnehmend gut. Bell hat sich damit selbst ein schönes Geschenk zu seinem 50er gemacht. 7,5/10 Kronen


Andreas Böck - Partly Clouded
Komponist, Pianist und Mediziner - diese scheinbar konträren Interessens- und Tätigkeitsfelder schließen sich nicht per se aus, das weiß man spätestens durch den Wiener Andreas Böck, der all das Angeführte mit höchster Leidenschaft praktiziert. Auf seinem dritten Album „Partly Clouded“ setzt er wieder alles daran, die von ihm so geliebte Mischung aus Lyrik und Musik bestmöglich zueinander zu stellen. Wenn das Piano den Hörer durch elegische Soundlandschaften trägt, ist die partiell eingesetzte Stimme, die hier übrigens erstmals komplett in Deutsch vorträgt, eigentlich gar nicht notwendig. Etwa eine Stunde lang bekommt man den perfekten Soundtrack für fallende Herbstblätter ins Haus geliefert, unter anderem verbrät Böck drei Gedichte des großen Hugo von Hofmannsthal. Zurücklehnen, auflegen, entspannen. Funktioniert! 7/10 Kronen

Crippled Black Phoenix - Ellengæst
In einer gerechten Welt wären Crippled Black Phoenix gewiss keine Topstars, würden aber im Underground wesentlich kräftiger ausstrahlen, als das seit Jahr und Tag der Fall ist. Frontmann Justin Greaves ist ein Vollblutkünstler, aber auch kein einfacher Zeitgenosse. Vor den Aufnahmen zum neuen Album „Ellengæst“ ist ihm fast die ganze Mannschaft abhandengekommen, aber der politintensive Streitkopf hat sich einmal mehr zusammengerissen und das Werk noch vor Ausbruch der Corona-Krise vollenden können. Metal-Goldstimmen wie Vincent Cavanagh von Anathema oder ein unglaublich sanfter, fast schon an Nick Cave gemahnender Gaahl geben den Songs eine besonders eindringliche Farbe, die atmosphärische Instrumentierung lässt das Kopfkino sofort anspringen. Überhaupt halten Gefühle wie Trauer, Schmerz und Verlustängste stärker Einzug als in früheren Werken und Greaves stülpt sein Seelenleben intensiver in den Vordergrund als bislang gewohnt. Wer keine Angst vor gespenstischer Ruhe hat, der ist hier goldrichtig. 7,5/10 Kronen

Darlingside - Fish Pond Fish
Der elegische Folk-Rock hat in den letzten Jahren einen etwas bitteren Beigeschmack erhalten, was vor allem daran liegt, dass Szeneführer wie Mumford & Sons und zuletzt auch die Lumineers ihre ehrlichen Pfade zugunsten einer offensichtlicheren Kommerzialität verlassen haben. Aber es gibt zum Glück immer Nachschub und wer sich immer noch gerne sanft am herbstlichen Lagerfeuer wärmt, der ist bei Darlingside goldrichtig. Obwohl aus dem schönen Boston stammend, sieht man sich mit mehrstimmigem Gesang, Fokus auf die Akustikklampfe und blätterweichen Kompositionen in bester Westcoast-Tradition verortet. „Fish Pond Fish“ versucht erst gar keinen Trends zu folgen, auch wenn man natürlich gerne mit dem Indie-Sektor liebäugelt. Die in der harschen Gegenwart verorteten Songs haben natürlich nicht die Dringlichkeit der Fleet Foxes oder eines Bon Iver, wissen aber melancholisch zu betören. Was will man auch mehr? 7,5/10 Kronen

Dead Famous People - Harry
Die Geschichte der Dead Famous People ist wahrlich eine kuriose. Die Popband aus Neuseeland existiert eigentlich schon seit den frühen 80er-Jahren, hat aber fast vier Dekaden gebraucht, um mit „Harry“ ein Debütalbum auf den Markt zu bringen. Wie geht denn so etwas überhaupt, fragt ihr euch jetzt zurecht? Ende der 80er gab es zwei EPs zu bestaunen, dann wurden sie sogar vom großen John Peel gefeaturet und tauchten 1991 auf einem Leonard-Cohen-Tribute auf, aber Frontmann Dons Savage hat sich stets um andere Dinge gekümmert und schließlich seinen titelspendenden Sohn „Harry“ großgezogen. Fire Records ist es zu verdanken, dass dieses unstete Projekt tatsächlich noch zu einem offiziellen Release kommt. In den 80ern hängt Savage nur mit einem Band fest, aber Songs wie „Safe And Sound“ oder der Titeltrack sind von einer derart naiven Kindlichkeit, dass man förmlich gute Laune haben muss. Hier hat sich ein später Lebenstraum erfüllt und das ist vor allem eines: schön für alle Beteiligten und Interessierten. 7/10 Kronen

Emmy The Great - April/ 月音
Emma Lee-Moss ist eine viel zu wenig besungene Perle der internationalen Songwriter-Kunst. Die in Hongkong geborene und in London aufgewachsene Vollblutmusikerin hat bereits drei famose Alben im Köcher, Werk Nummer vier sollte ihr - in einer fairen Welt - endlich die Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen, die sie längst verdient hätte. Die große Vorliebe für ihre Idole Weezer, The Smashing Pumpkins oder The Lemonheads hört man schon länger nicht mehr aus ihren Songs heraus, doch für die britische Anti-Folk-Szene und Künstler wie Fatboy Slim oder Kate Nash war sie stets wichtig und inspirierend. Auf ihrem vierten Album erforscht sie einmal mehr ihre eigene Identität und erschafft in Songs wie „Mary“, „Dandelions/Liminal“ oder „Okinawa: Ubud“ Preziosen endloser Schönheit. Handgefertigte Instrumente treffen auf eine wuchtige Produktion, ihre klare Stimme auf lebensbejahende Verspieltheit. Weiter so! 7,5/10 Kronen

Five Finger Death Punch - A Decade Of Destruction: Volume 2
Angesichts der Lebensläufe diverser Mitglieder des proletoiden Mainstream-Rockkollektives Five Finger Death Punch wäre „A Decade Of Self-Destruction“ wohl eine passendere Betitelung dieser Compilation gewesen. Aber den berühmten Stehaufmännchen gleich haben sich Ivan Moody und Co. von keinem Skandal oder Irrweg unterkriegen lassen und dafür muss man den Hallenfüllern unironisch Respekt bekunden. Mit „Broken World“ gibt es zumindest einen brandneuen, aber wenig aufregenden Song zu verzeichnen, ansonsten wildert man zum Jubiläum mehr oder weniger stark in der eigenen Diskografie, die auch schon eine gute Handvoll Alben beinhaltet. Für Einsteiger ein nettes Best-Of-Paket, aber wirklich große Erkenntnisse gewinnt man hier nicht. Wer’s unbedingt braucht… Ohne Bewertung

Future Islands - As Long As You Are
Im klassischen Indie-Pop-Segment waren Future Islands schon in ihren frühen Tagen absolute Durchstarter. Mit dem schnellen und vor allem unerwarteten Ruhm kamen nicht alle klar, denn mit betörend schöner, meist auf Synthies basierender Musik, gingen auch Selbstzweifel und Burnouts einher, aus denen sich die Band aus Baltimore erst einmal befreien musste. Getragen von der tiefen Erzählstimme Samuel T. Herrings zeigt sich die Band auf dem sechsten Album erstmals angekommen und mit sich im Reinen, was sich in wundervollen Songs wie „For Sure“ oder „Waking“ niederschlägt, die schon rein klanglich deutlicher im Positivismus anzusiedeln sind. Future Islands wissen längst, dass sie wohl für immer an der Erfolgssingle „Seasons“ gemessen werden, nun sind sie aber auch psychisch so weit, diesen Druck sehr souverän meistern zu können. „As Long As You Are“ ist so aufregend wie ein Sprung ins herbstliche Meerwasser - ein Werk zum Schwelgen. 8/10 Kronen

Gargoyl - Gargoyl
Metalfans wissen, dass Dave Davidson schon bei seiner Hauptband Revocation kein Mensch der einfachen Songlösung ist. Die Mischung aus technischem Death Metal und Hochgeschwindigkeits-Thrash behagt nicht jedem, hat sich aber sein Publikum erarbeitet. Gemeinsam mit Ayahuasca-Musiker Luke Roberts hat er sich vor zwei Jahren eine neue Spielwiese gesucht und Gargoyl gegründet. Im Prinzip schütten die beiden Stilverweigerer auf ihrem Debüt einfach ihre jeweiligen Stärken und Vorlieben zusammen, rühren kräftig durch und erzeugen damit einen Bastard aus Progressive Rock, Groove Metal, Avantgarde Metal und sehr viel filigraner Technik. Voivod und die progressiven Alice In Chains kann man wohl am ehesten als Vergleich heranziehen, aber handwerklich fraglos famose Nummern wie „Cursed Generation“ oder „Ophidian“ lassen den Geduldsfaden mit ihrer verqueren Herangehensweise schon bis zum Bersten spannen. Kann man mögen, muss man aber nicht. 6/10 Kronen

Get Dead - Dancing With The Curse
Die US-Punkinstitution Fat Wreck Chords lässt sich von den Corona-Wirren noch nicht einmal irgendwie berühren und veröffentlicht 2020 eine starke Punk-Scheibe nach der anderen. In diese Riege reihen sie auch die szenebekannten Get Dead ein, deren „Dancing With The Curse“ auch schon das fünfte Album in der Bandgeschichte darstellt. Wie gewohnt lassen sich die Kalifornier aber nicht nur im Punkrock-Sektor festmachen, sondern experimentieren auch mit dem fast schon verstorbenen Skatepunk, Ska, Hip-Hop-Referenzen oder Crossover-Referenzen. Der einzig rote Faden ist die ruppige Stimme von Frontmann Sam King, der vor allem „Fire Sale“, „Hard Times“ und „Pepperspray“ eine angenehme Farbe verleiht. US-Politkritik darf hier natürlich nicht fehlen, die meiste Zeit behandelt die Band aber Probleme persönlicher Natur. Welcome back to the 90s. 6,5/10 Kronen

Giirls - Far Reality
Was einst Bergamo, dann New York und auch London war ist mittlerweile Paris - die derzeit von Corona wohl am meisten geplagte Stadt, in der nun auch wieder Rollbalken runtergehen, weil man der Virusausbreitung nicht Herr wird. Wohl nicht ganz freiwillig hat Brice Delourmel unter seinem Pseudonym Giirls mit „Far Reality“ wohl den perfekten Soundtrack für die prekären Tage geschrieben. Der Klangtüftler ist ganz tief im Darkwave verankert und lässt in Songs wie „Control“, „Paralyzed“ oder „Strangers“ dystopische Visionen in den Gedankenwelten der Hörer auffahren. In den sanfteren Momenten fühlt man sich gar an die unsterblichen Sisters Of Mercy erinnert, doch Giirls ist im Gesamtkorsett dafür viel zu dunkel, apokalyptisch und schlichtweg trocken industriell. „Far Reality“ ist der perfekte Soundtrack für den Untergang - hoffentlich nicht prophetisch. 7,5/10 Kronen

Luca Hänni - 110 Karat
Über den Schweizer Luca Hänni wird sich gerne das Maul zerrissen, aber der Gewinner der neunten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ und ESC-Vierte 2019 hat nachweisbar mehr drauf, als nur sympathisch und freudestrahlend von diversen Fernsehsendern runter zu strahlen. Zwischen 2012 und 2015 pulverte er im Stakkatotakt vier Alben in den Orbit und eroberte damit breitenwirksam die Charts im deutschsprachigen Raum. Nach dem Song-Contest, einem Auftritt bei „Let’s Dance“ und einer kreativen Pause meldet er sich nun mit „110 Karat“ zurück, seinem ersten deutschsprachigen Album. Das Risiko war freilich groß, doch Hänni tappt nicht in die Schlagerfalle, sondern evoziert melancholischen Pop, der sich perfekt zwischen Tanzfläche und Formatradio ausbreitet und das Seelenleben des 26-Jährigen in den Vordergrund kehrt. Gleich 16 Songs liefert er ab und wird damit gewiss noch Fans dazugewinnen. Perfekter Mainstream-Pop. 6,5/10 Kronen

Hundredth - Somewhere Nowhere
Wenn man nicht gerade AC/DC-Fan ist, dann muss man mit seinen Lieblingsbands und ihren musikalischen Visionen oft so einiges mitmachen. Die Stilveränderung von Hundredth mit ihrem vierten Album „RARE“ vor vier Jahren war aber trotzdem unglaublich. Von einer Melodic-Hardcore-Band, die mit Architects oder Every Time I Die durch die Welt tourte, zu einer Shoegaze/Dream-Pop-Combo, die sich eindeutig den Smiths zugehört fühlte. Das hat den Amerikanern zwar viele Fans und den Plattenvertrag gekostet, aber auch neue Fans und Selbstzufriedenheit gebracht. „Somewhere Nowhere“ ist sozusagen die Verfeinerung des eingeschlagenen Weges und zeigt die einstigen Wüteriche noch sanfter, filigraner und im Synthie-Orbit verhaftet. Haters gonna hate - ohne die alte Vorgeschichte ist das aber ein mehr als souveränes Synth-Pop-Emo-Album. 6,5/10 Kronen

Bert Jansch - Crimson Moon Re-Release
Viel zu früh verstarb der schottische Songwriter, Folk-Musiker und Geschichtenerzähler Bert Jansch vor mittlerweile bereits neun Jahren an einer hartnäckigen Krebserkrankung. Die großartige Musik erklingt aber noch immer weiter und sein famoses Werk „Crimson Moon“ feiert dieser Tage tatsächlich schon den 20. Geburtstag. Dass er Größen wie Johnny Marr oder Bernard Butler am Album hat, ohne dass diese wirklich herausstechen, ist auch schon das größte Kompliment an den famosen Gitarristen Jansch, dessen natürliche, aber auch stark limitierte Stimme für die besondere Einzigartigkeit seiner Songs sorgte. Die Songs über Erlebnisse und Erfahrungen mit einem kräftigen Blues-Touch erfanden schon damals das Rad nicht neu, aber der Schotte hat sich schon immer bewusst in seinen persönlichen Gefilden ausgedehnt. „Crimson Moon“ zeigt gerade heute, zwei Dekaden später, wie zeitlos entschlackter Folk sein kann. Ein herrliches Werk. Ohne Bewertung

Johansson & Speckmann - The Germs Of Circumstance
Das wievielte Album von Rogga Johansson ist das im Jahr 2020 schon? Man weiß es nicht, schließlich kann kein normaler Mensch so weit zählen. Der umtriebige Schwede ist aber meist dann am besten, wenn er sich szeneprominente Hilfe an Bord holt und das ist in diesem Fall nicht anders. Die Death-Metal-Legende Paul Speckmann von Master veredelt das stumpfe Geschrote mit seinem kellertiefen Organ einmal mehr beträchtlich, auch wenn das Songmaterial genau so klingt, wie es die beiden wieder aus ihren Ärmeln gepfeffert haben: nach Schnellschuss. Auf ihrer fünften gemeinsamen Produktion sind sie natürlich auch längst so eingespielt, dass man von einer fruchtbaren Partnerschaft sprechen kann. Wirklich brauchen tut dieses Album aber keiner. 5/10 Kronen

King Parrot - Holed Up In The Liar EP
Tief unten, am fünften Kontinent, tummeln sich allerlei besonderer Künstler und Bands, die vielleicht auch aufgrund ihrer geografischen Entfernung besonders anders klingen. King Parrot aus Melbourne stehen für eine skurrile Mischung aus Thrash Metal und Grindcore, der mit aberwitzigen Gitarrensoli und absurden Texten gesegnet ist und damit auf diversen Touren auch schon in Europa für Furore sorgte. Da den fünf Mitgliedern während des Lockdowns auch fad war, haben sie erstmals in ihrer Karriere entfernt voneinander eine EP eingespielt. Aber Achtung - „Holed Up In The Liar“ beinhaltet vier Tracks mit nicht einmal acht Minuten Spielzeit, dann ist die ganze Gaude auch schon wieder vorbei. Besonders hervorstechend ist wieder die quäkende Stimme von Frontmann Youngy. Selbst für Metaller ein gewöhnungsbedürftiges Produkt. Aber kosten muss man! Ohne Bewertung

La Fin - Endless Inertia
Der sogenannte Post Metal erfreut sich großer Beliebtheit und rückt immer stärker in den Alltagskanon offener Fans. The Ocean etwa sind ein gutes Beispiel für den immer größer werdenden Erfolg einer Band aus dem einstmals völlig im Underground verwurzelten Genres. La Fin aus Italien machen auf „Endless Inertia“ jetzt per se nichts Besonders, bedienen die Fan-Klientel mit ihrem Werk aber perfekt. Akkord um Akkord und Riff um Riff erspielt sich die Band mit durchaus flotten Songs wie „Hypersleep“ oder „Blackbody“ ihre Fans, ohne aber auch nur im geringsten Maß aus dem Gros der Szene herauszustechen. Solide Kost mit durchwegs soliden Songs, die sich aber zu keiner Zeit wirklich hervorheben. So, meine Damen und Herren, klingt wohl das absolute Mittelmaß. 5,5/10 Kronen

Mary Lattimore - Silver Ladders
Zwischen Sharon Van Etten, Julianna Barwick, Kurt Vile und Sonic Youth-Mastermind Thurston Moore hat sich Mary Lattimore in den letzten Jahren kooperativ bewegt, doch für ihr neues Album „Silver Ladders“ hat sie sich neun Tage mit Slowdive-Musiker Neil Halstead in sein Studio im malerischen Cornwall eingesperrt. Das Ergebnis kann sich hören lassen, setzt Lattimore ihr Hauptinstrument, die Harfe, doch mit einer derart dystopischen Grundhaltung ein, dass sich beim Hören Freude und Angst gleichermaßen die Waage halten. „Silver Ladders“ ist eine Eintrittskarte in die imaginäre Welt des Reisens, dessen physische Komponente uns derzeit so schmerzlich verwehrt bleibt. Das Zwischenspiel zwischen der hellen Schönheit ihrer puren Kompositionen und der düsteren Ausprägung instrumentaler Details schlägt sich hier besonders intensiv nieder. Die einstige Wahl-Wienerin begeistert mit dem perfekten Soundtrack für vollmondbehangene Herbstnächte. 7,5/10 Kronen

Lupin - Lupin
Hippo Campus ist eine Indie-Rock-Band aus dem wenig spektakulären Minnesota, die sich mit ihren fein gesponnen und artifiziellen Songs zu einem Stammgast bei gut kuratierten internationalen Festivals machten und die Bühne mit Bands wie Modest Mouse oder My Morning Jacket teilten. Frontmann Jake Luppen fühlte seine mannigfaltigen Visionen aber nicht breitflächig ausgefüllt und hat sich unter dem Pseudonym Lupin nun die Freude eines egoistischen Soloalbums erfüllt. Seine Falsett-Stimme schmiegt sich nun mehr in träumerischen Pop-Welten, die keine Angst vor Ausflügen in den Funk- und Avantgarde-Bereich haben. Mit Bon Iver- und Charlie XCX-Produzent BJ Burton hat sich Luppen auch ein Schwergewicht hinter den Reglern sichern können. Inhaltlich handelt Luppen seine nicht immer einfache Kindheit und Jugend ab, musikalisch bewegt er sich bewusst möglich weit von seiner Hauptband weg. Ein Indie-Werk mit Mainstream-Potenzial. 7/10 Kronen

Machinedrum - A View Of U
Auf seinem Projekt Machinedrum ging es Klangtüftler Travis Stewart immer darum, elektronische Musik mit möglichst viel Innovationskraft in eine nicht fassbare Zukunft zu führen. „A View Of U“ ist bereits das neunte Studioalbum des in Los Angeles ansässigen Produzenten, der diesmal bewusst klotzte. So sind als Gäste u.a. Drum’n’Bass-Legende Sub Focus, Rochelle Jordan und Indianas populärer Rapper Freddie Gibbs zu verorten. Die Club-Tauglichkeit der sich aus IDM, Jungle und Rave zusammensetzenden Songs ist noch höher als früher und lässt dadurch ein schweres Gefühl von Wehmut hochkommen. Die nicht vorhandene Angst vor einer Fusion von Rap, Pop und progressiven Soundschlenkern macht das Album besonders interessant. „A View Of U“ stößt mit seinen eklektischen Klängen direkt in die Seele vor. 7/10 Kronen

Madsen - Na gut dann nicht
Die erste Phase der Corona-Pandemie haben auch Musiker ganz unterschiedlich verbracht. Das Brüdergespann von Madsen etwa hat sich für zwei Wochen im Heimstudio eingeschlossen, um eine kurze und knackige Punk-Platte einzuspielen. Kann man schon mal machen, vor allem wenn auf „Na gut dann nicht“ auch noch so viel Spielfreude vorhanden ist. Es geht aber inhaltlich nicht nur um das erzwungene Daheimbleiben („Quarantäne für immer“), sondern auch um die Mühen des Aktivismus („Protest ist cool aber anstrengend“), das Übel der kapitalistischen Gesellschaft („Alte weiße Männer“) oder die fehlende Diskursbereitschaft in einer Social-Media-getriebenen Welt („Behalte deine Meinung“). Manche Songs sind vom Indie-Rock-Gestus der Band gar nicht weit entfernt, in anderen gibt es Skatepunk- oder Melodycore-Referenzen, auch die Urväter von Slime schauen interessiert durchs Loch. Macht Spaß und sitzt auch inhaltlich. Chapeau! 7,5/10 Kronen

Matija - bybyeskiesofyesterday
Ja, es ist leider noch immer nicht breitenwirksam genug durchgesickert, dass hinter der Band Matija früher The Capitols steckten. Die Münchner Alternative-Pop-Jünger haben sich aber vor vier Jahren umbenannt, um eine inhaltliche und auch musikalische Neuausrichtung zu evozieren. Wie schon auf dem gefeierten Debüt vor drei Jahren befassen sich die Musiker auf „byebyeskiesofyesterday“ wieder mit den großen und realen Fragen des Lebens. Wie merze ich Fehler aus der Vergangenheit aus? Was bedeutet Freundschaft? Was Zusammenhalt? Was Liebe? Wie schüttle ich die Dämonen längst vergangener Tage ab, ohne die entstandene Entwicklung aus ebenjenen zu erkennen? Das alles macht die Band mit einem extrem warmen Klanggebilde, das sich Song für Song behutsam aufbaut und bewusst den Stress des Alltags außen vorlässt. Mit dem Zweitwerk klopfen Matija stärker denn je an die Mainstream-Tür - und spielen hoffentlich am 5. Februar im Wiener B72. 7/10 Kronen

Metz - Atlas Vending
Na endlich wieder! In einer Zeit der kompletten Zerstörung und einem Jahr, wo man gleichermaßen mit dem Corona-Virus, einem elendigen US-Präsidentschaftswahlkampf und dem Tod von Eddie Van Halen konfrontiert ist, muss es auch den richtigen Soundtrack zur Apokalypse geben. Wer wäre dafür besser geeignet als die kanadischen Krachfetischisten von Metz, die ihre Rezeptur des Brachialsturms auch auf Album Nummer vier nicht verändern. „Atlas Vending“ ist ein Sub Pop-Album der allerbesten Güte und zeigt alles auf, wofür sich die Band in den letzten zehn Jahren einen Fixplatz im oberen Undergroundsegment erarbeitet hat: Nirvana-Grunge wie zu „Bleach“-Zeiten („Draw Us In“), Eruptives á la Pissed Jeans („Pulse“) oder Noise-Geprelle, wie man es von den kleinen Clubs in den US-Flanellhemdstaaten kennt („The Mirror“, „Sugar Pill“). All das wird harsch, kompromisslos und beherzt vorgetragen. Fast wie eine Konzertreise nach 1989 in Seattle. Tolles Werk! 7,5/10 Kronen

Ron Miles - Rainbow Sign
Beim großen Gitarristen Bill Frisell lernte er sein Handwerk, auf diversen Soloalben hat er es über die Jahre verfeinert, nun ist Komponist und Kornettist Ron Miles auf dem großen Blue Note-Label gelandet und damit in den Adelsstand des Jazz erhoben worden. Drei Jahre nach dem vielbeachteten „I Am A Man“ geht er auf „Rainbow Sign“ in die Vollen und wird von einer atemberaubenden Band unterstützt. Neben Gitarrist Frisell sind auch Pianist Jason Moran, Bassist Thomas Morgan und Schlagzeuger Brian Blade zu hören - allesamt Kapazunder ihres Faches. Das Album selbst dreht sich rein instrumental um seinen geliebten verstorbenen Vater und entfacht in den überlangen, elegischen Nummern damit auch ein spezielles spirituelles Feeling. Ein Album für Connaisseure und Genießer. 7,5/10 Kronen

Neck Cemetery - Born In A Coffin
Wenn man sich am kultigen Schwarz/Weiß-Cover labt, lacht das Metalherz schon, bevor man die Musik überhaupt erst angetestet hat. Die Deutschen von Neck Cemetery haben auch hörbar Humor, ansonsten würde man sich nicht „Established in 2018… rumored since 1984!“ auf die Fahnen heften. Der Heavy Metal der alten, traditionellen Schule hat es dem westfälischen Gespann auch angetan, denn die Mischung aus kultigem Power Metal der Marke Accept oder Armored Saint und sperrigen, harten Glam-Bands á la Lizzy Borden galoppiert in bester Old-School-Manier aus den Boxen. In Songs wie „The Fall Of The Realm“ oder „King Of The Dead“ geht das mit bleischweren Riffs vorbehaltslos gut, in anderen Fällen („Banging In The Grave“) fehlt es dann doch ein bisschen am Hitgespür im Songwriting. Da ist aber auf jeden Fall Potenzial für mehr vorhanden. 7/10 Kronen

Necrophobic - Dawn Of The Damned
Seit Sebastian Ramstedt die Songs schreibt und Ur-Sänger Anders Strokirk wieder am Mikro steht, hat die schwedischen Black/Death-Institution Necrophobic nicht nur wieder den Turnaround in Richtung großartiger Lieder hingekriegt, sondern scheint mit explosiven Liveauftritten auch noch einmal einen richtigen Karriereplan zu verfolgen. Vergönnt sei es ihnen, sorgen sie doch seit Jahren für hochwertige Qualität. „Mark Of The Necrogram“ mit dem Überhit „Tsar Bomber“ steht sinnbildlich für die „neuen“ Necrophobic und diese gewaltige Vorlage schaffen sie auch mit „Dawn Of The Damned“ nicht zu übertreffen. Keine Frage, mit „Tartarian Winds“ gibt es einen Megahit, auch „Mirror Black“ und das Slayer-eske „Devil’s Spawn Attack“ sind absolute Kracher, aber wenn man sich mit so einem Jahrhundertwerk messen muss, kann man eben fast nur verlieren. „Dawn Of The Damned“ ist freilich ein Top-Album, aber Meisterwerke erschafft man eben nicht alle zwei Jahre. 7,5/10 Kronen

Ozric Tentacles - Space For The Earth
Das Abdriften in fremde Soundsphären und das Aufbringen von elegischen Klangkaskaden, das beherrschen Ozric Tentacles seit mittlerweile knapp 40 Jahren. Mastermind Ed Wynne hat jetzt doch fünf Jahre nichts mehr von sich hören lassen, aber mit dem über die letzten zwölf Monate zusammengestellten „Space For The Earth“ gelingt dem Soundtüftler doch wieder eine wundersame Reise, die sich irgendwo zwischen Psychedelic Rock, Space Jazz, Fusion, Dub, Ambient und Weltmusik befindet. Die sieben Songs sind allesamt weit unter der Zehn-Minuten-Grenze gehalten und versprühen damit eine eher ungewohnte Dringlichkeit. Wynne wagt sich entgegen des allgemeinen Tenors in eine positiv konnotierte Klangrichtung und klingt in „Stripey Clouds“ oder „Popscape“ angenehm freudvoll. Ein Leckerbissen für langjährige Fans ist das solide Werk allemal. 6,5/10 Kronen

Pose Dia - Front View
Helena Ratka alias Pose Dia hat eine durchaus aufregende Karriere zu Buche stehen. Die Hamburgerin ist Filmemacherin, Soundtrack- und Theaterkomponistin, Resident DJ im „Golden Pudel Club“ und eine Hälfe des Duos Shari Vari. Weil all diese künstlerischen Ausformungen noch lange nicht genug sind, hat sie mit „Front View“ nun auch ihr erstes Soloalbum gefertigt. Darauf tobt sie sich in unterschiedlichsten Bereichen der Elektronik aus und kennt keine Berührungsängste mit obskur anmutenden Klängen. Es gibt Platz für poppige Tracks, für internationale Hip-Hop-Referenzen, für wabernde Synthies und für gespenstische Atmosphären. Wichtig ist Ratka die Visualisierung ihres Sounds, was sie vor allem in an Trip-Hop gemahnenden Tracks wie „Get Up High“ sehr gut hinkriegt. Eine Kooperation mit Tricky wäre passend. Spannendes Projekt. 6,5/10 Kronen

Skáld - Vikings Memories
Die Wikinger müssen nicht immer aus dem hohen Norden kommen. Das Erfolgstrio Skáld etwa zelebriert seine elegisch-handgemachten Nummern aus längst vergangenen Zeiten von Frankreich aus. Mit ihrem Debüt „Vikings Chant“ spielte sich die Truppe nicht nur auf alle großen Festivals, sondern erreichte auch 100 Millionen Streams und - das ist die wahre Sensation - rund 80.000 verkaufte Alben. Nachdem man sich inhaltlich auf die Elemente Feuer und Erde besinnt hatte, geht es auf „Vikings Memories“ nun hauptsächlich um das Wasser. Die Mischung aus altnordischem Gesang und traditionellen Instrumenten wie Talharpa oder Jouhikko wird Fans von Enya und Wardruna gleichermaßen gut durchs Ohr flutschen. Eine wundervolle Reise in längst vergangene Zeiten. 7,5/10 Kronen

Mina Tindle - Sister
Sechs Jahre hat es gedauert, bis die Pariserin Mina Tindle endlich wieder ein neues Album veröffentlicht. „Sister“ entschädigt ihre Fans dafür mit Sicherheit, denn die Singer/Songwriter-Folk-Hymnen mit kräftigem Indie-Touch bringen ihre Stärken aus der Vergangenheit wieder gut in den Vordergrund. Tindle kennt die Indie-Welt gut, war sie 2007 schon Teil des The National-Albums „The Boxer“ und ließ sich Songs von Bryce Dessner arrangieren. Dessner hat auch auf „Sister“ Hand angelegt, wohingegen man die Backing-Vocals des großen Sufjan Stevens auf „Give A Little Love“ noch nicht einmal mit genauem Hinhören erkennt. Romantik und ein leichtes Jazz-Feeling sind Tindle wichtiger denn je, wodurch das Album einen wunderbaren Herbst-Touch vermittelt. Gut gelungen! 7,5/10 Kronen


Touché Amoré - Lament
Keine Band steckt mehr Ehrlichkeit, Offenheit und Emotionen in seine Musik wie die Kalifornier von Touché Amoré, die mit ihrem intensiven und stets mutigen Post-Hardcore nicht umsonst zu den größten Bands des Genres aufgestiegen sind. Der Trend der letzten Jahre, die Aggressivität zugunsten von zunehmenden Spoken-Word-Elementen, elegischen und schmerzhaften Momenten zurückzuschrauben, setzt sich auch auf „Lament“ fort. Nach dem Vorgänger „Stage Four“, auf dem Frontmann Jeremy Bolm den tragischen Krebstod seiner geliebten Mutter betrauerte, musste sich die Band auch neu aufstellen. Einen so direkten roten Faden gibt es nicht mehr, aber die von Ross Robinson kräftig in Szene gesetzten Songs sind immer noch emotional, aber auch deutlich positiver als beim letzten Mal. Touché Amoré bleiben unverändert wichtig! 8/10 Kronen

Travis - 10 Songs
So mancher wird sich an die fetten Zeiten von Travis noch gut zurückerinnern. Irgendwann rund ums Millennium, als die Schotten rund um Songwriter Fran Healy ein paar Hits wirkungsvoll ins Radio brachten und man noch nicht genau wusste, ob nun Travis oder Coldplay irgendwann die Stadien füllen werden. Das Ergebnis ist bekannt, die Ursache ist mannigfaltig. Einerseits hat sich Healy mehr aufs Familienleben konzentriert, andererseits sind Chris Martin und Co. einfach die massentauglicheren Faserschmeichler. Das wird einem auch auf dem immens einfallslos betitelten „10 Songs“, dem ersten seit 2003, auf dem Healy alle Songs wieder selbst schrieb, gewahr. Nach den ersten drei Songs wird das Piano-Geklimpere so lieblos und oberflächlich herzzerreißend, dass man am liebsten wieder weglaufen möchte. Das kann noch nicht mal das Feature von The Bangles‘ Susanna Hoffs verhindern, auch wenn das Bemühen von allen Beteiligten da ist. Dennoch ist „10 Songs“ nur der Soundtrack für das abendliche Hemdenbügeln. 4,5/10 Kronen

The Unguided - Father Shadow
Bei Napalm Records verhält es sich so, dass man mittlerweile schon panische Schweißausbrüche bekommt, wenn man einen neuen Streaminglink kriegt. Das Eisenerzer Label mit dem untrüglichen Geschmack für das Schlechte hat schließlich nur mehr sehr selten wirkliche Highlights im Talon, die man sich auch gerne und mit Genuss anhört. Bei den Schweden The Unguided steckt man irgendwo dazwischen, was traurigerweise schon so etwas wie ein Lob für die Eisenschmiede darstellt. Die aus den Trümmern der kommerziell ausgerichteten Sonic Syndicate hervorgegangen Skandinavier sind zwar etwas härter am Werk, aber integrieren schemenformelhaft trotzdem derart viele Kitschpassagen und Clean-Vocals-Beleidigungen, dass man sich den kariesdurchtauchten Zahn am liebsten narkoselos selbst ziehen möchte. Musik für jene, die bei der Frage „was hörst du am liebsten?“ mit „Naja, Radio“ antworten… 2,5/10 Kronen

Vanity Productions - But All Spiked
Wer sich einmal so richtig aus der realen Welt ausklinken und tief in einen luziden und imaginären Orbit fallen möchte, der bekommt hier die fünf Songs für seine absolute Glückseligkeit. Fünf Kapitel der futuristisch-akustischen Elegie. Entrückt, galaktisch, interstellar. Trauer, Melancholie und eine gespenstische Atmosphäre ziehen sich durch Tracks wie „White Ribbons On The Ceiling“, „Hair Painted With Copper“ oder „Marble Collar“, deren bloße Titel schon an einen LSD-verstärkten Fiebertraum erinnern. Mastermind Christian Stadsgaard, vornehmlich bekannt als eine Hälfte des Labels/Projekts Posh Isolation, setzt den Weg der 3-Track-EP „Only The Stars Come Out At Night“ kongruent fort und sorgt für eine der schönsten Ambient-Soundkulissen in diesem Jahr. Einfach atemberaubend und bewusstseinserweiternd. 8/10 Kronen

Venom Prison - Primeval
Die Waliser von Venom Prison haben sich in den letzten Jahren mit Beharrlichkeit, Fleiß und knackigem Songwriting zu einer der besten und zukunftsträchtigsten Bands im Death Metal gespielt. Mit dem Drittwerk „Samsara“ gelang letztes Jahr der Durchbruch, doch anstatt das mit ausgiebigen Touren zu feiern muss man jetzt eben zuhause sitzen und bangen, dass der Hype nicht vom Virus aufgefressen wird. Um nicht in Vergessenheit zu geraten, entführen uns Frontfrau Larissa Stupar und Co. nun in die Frühzeiten. „Primeval“ ist eine schlichte Aneinanderreihung der beiden ersten EPs, aufgefettet durch zwei brandneue Songs. Für Trüffelsucher eine schöne Chance, noch einmal in die Historie der Band einzutauchen, alle anderen warten halt auf das nächste Werk. Ohne Bewertung

Snowy White - Something On Me
Wer in den frühen 80ern Mitglied von Thin Lizzy war und vor allem auf der großen „The Wall“-Tour von Pink Floyd bzw. noch heute mit Roger Waters unterwegs ist, den kann definitiv nichts so schnell aus den Latschen kippen. Terence Charles „Snowy“ White der britischen Gitarren-Gentleman ist tatsächlich jemand, den man frank und frei als Legende bezeichnen kann, ja, sogar muss! Mit „Something On Me“ gelingt ihm einmal mehr ein Bravourstück an Handwerkskunst, vor allem veredelt durch seine warme Stimmfarbe und die außerordentlichen Fähigkeiten an seinem Hauptinstrument. Sehr viel Blues, ein bisschen alter Hard Rock, partielle Ausflüge in den Reggae und ein untrügliches Rhythmusgespür veredeln dieses Werk, das so gar nicht in den reißerischen und gehetzten Alltag passt. Wundervoll! 7,5/10 Kronen

Nicky William - I Want To Feel It All EP
Mit Corona ist es einfach ein Quargel. Man weiß einfach nicht, wann oder wie oder ob man sein Material überhaupt veröffentlichen soll, weil man kann ja eh nicht auf Tour gehen und auch sonst haben die Leute andere Probleme. Der skandinavische Weltenbummler und Americana-Liebhaber Nicky William hat für seine gerade einmal 15 Minuten kurze EP „I Want To Feel It All“ ganz schön Aufhebens gemacht, bis er das Material nun mit mehrfacher Verspätung doch veröffentlichte. Von seinen großen Idolen Nick Cave und Joni Mitchell ist dieses Mal eher wenig zu hören, die fünf Songs klingen eher wie die Wurlitzer-Hintergrundbeschallung für einen gemächlichen Bingo-Abend im angrenzenden Seniorenheim. Das ist noch nicht einmal despektierlich gemeint, aber wer Feuer oder Verve sucht, der ist hier falsch. William bricht mit allen Americana- und Folk-Klischees und gerade das macht Spaß. Good one! Ohne Bewertung

Yo La Tengo - Sleepless Night EP
In einem Jahr der kollektiven Schockstarre wachen die ewigen Indie-Lieblinge Yo La Tengo von der US-Ostküste erst so richtig auf. Nach der Ambient-EP „We Have Amnesia Sometimes“ und dem 25-Jahr-Jubiläum von „Electr-O-Pura“ legt das verspielte Trio mit „Sleepless Night“ gleich noch eine 6-Song-EP nach. Im Zuge einer künstlerischen Retrospektive des mit der Band befreundeten Yoshitomo Nara hat man sechs bereits vor Jahren aufgenommene Cover-Songs noch einmal hochleben lassen. Die Stücke stammen im Original von The Byrds, The Delmore Brothers, Bob Dylan, Ronnie Lane und The Flying Machine und spiegeln den persönlichen Geschmack der Yo La Tengo-Musiker wider. Mit „Bleeding“ gibt es auch eine Eigenkomposition, die sich perfekt an die zarten Stücke anschmiegt. Wieder einmal zeigt eine Band, die alles beherrscht, wie sträflich unterbewertet sie seit mittlerweile 36 Jahren ist. Ohne Bewertung

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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Montag, 26. Oktober 2020
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