01.10.2020 10:29 |

„Moralischer Support“

Alternativ-Nobelpreis geht an weißrussische NGO

Alljährlich werden die Alternativen Nobelpreise der Stockholmer Right-Livelihood-Stiftung an Personen vergeben, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen. Heuer gingen die Auszeichnungen an den weißrussischen Oppositionsdenker Ales Bjaljazki und die von ihm gegründete NGO „Wjasna“ (Frühling), an die iranische Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh, den US-Bürgerrechtsanwalt Bryan Stevenson und die Indigenen-Aktivistin und Umweltschützerin Lottie Cunningham Wren aus Nicaragua.

Right-Livelihood-Direktor Ole von Uexküll sagte bei der Bekanntgabe der Preisträger, die diesjährige Auswahl werfe ein Schlaglicht auf die weltweite Bedrohung der Demokratie. Es sei „höchste Zeit, dass wir alle, die weltweit an die Demokratie glauben, aufstehen und einander unterstützen“.

Kampf für Menschenrechte soll ungefährlicher werden
Bjaljazki reagierte auf die Zuerkennung mit einem von der Right-Livelihood-Stiftung veröffentlichten Statement. Die Auszeichnung sei „eine moralische Unterstützung für alle Weißrussinen und Weißrussen, die sich für einen demokratischen Wandel starkmachen“. Der Preisträger hoffe, dass die dadurch entstehende internationale Aufmerksamkeit dazu beitragen werde, die Arbeit des Menschenrechtszentrums „Wjasna“ noch wirkungsvoller und weniger gefährlich zu machen.

NGO wird immer wieder von Behörden schikaniert
Während der prodemokratischen Proteste im Fahrwasser der so offensichtlich manipulierten Präsidentschaftswahlen im August engagierte sich „Wjasna“ für die Forderungen nach Versammlungsfreiheit, die Verteidigung der Rechte derjenigen, die wegen der Proteste verhaftet wurden, und die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen. Bjaljazki gründete „Wjasna“ im Jahr 1996 in Minsk. Seither ist die Organisation immer wieder Schikanen und Angriffen der Behörden ausgesetzt. Bjaljazki verbrachte selbst mehrere Jahre im Gefängnis.

Die iranische Anwältin und Unterstützerin von politisch Verfolgten, Nasrin Sotudeh, befindet sich derzeit wegen ihres hartnäckigen Widerstands gegen das repressive Rechtssystem im Iran im Gefängnis. Bryan Stevenson ist ein führender US-Bürgerrechtsanwalt. Er setzt sich insbesondere für die Anfechtung des historisch gewachsenen Rassismus in den USA ein. Lottie Cunningham Wren aus der Volksgruppe der Miskito verteidigt die Rechte indigener Völker in Nicaragua auf ihr Land und ihre Ressourcen ebenfalls als Anwältin.

Auch drei Österreicher unter Preisträgern
Die Right Livelihood Awards wurden 1979 von dem deutsch-schwedischen Briefmarkensammler Jakob von Uexküll ins Leben gerufen und 1980 erstmals vergeben. Mit den Preisen werden Menschen gewürdigt, die sich - teils unter Gefahr für Leib und Leben - für eine friedliche, gerechte und nachhaltige Welt für alle einsetzen. Unter den bisher Geehrten aus mehr als 70 Ländern finden sich mit Leopold Kohr (1983), Robert Jungk (1986) und Erwin Kräutler (2010) auch drei Österreicher.

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