22.09.2020 20:10

Anti-Masken-Atteste

Zu Besuch beim Lieblings-Doc der Corona-Zweifler

Dr. Peer Eifler stellt online Tausende Maskenbefreiungsatteste aus. Auf YouTube ist er zum Thema Corona und Gott in mehreren Videos zu sehen. krone.tv machte den Test. Wie schnell gibt‘s ein Attest? Und warum geht das sogar ohne Konsultation? Plus: Was der Physiker Werner Gruber sowie Prof. Hans-Peter Hutter, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie, von den Attesten und der Meinung des umstrittenen Docs über das Virus halten.

„Jetzt Maskenbefreiungs-Attest anfordern!“, steht auf der Website des Ex-Gurus. Das Formular ist schnell ausgefüllt. Name, Adresse, Geburtsdatum und schließlich ein Feld für die angeblichen Beschwerden durch das Tragen einer Gesichtsmaske. „Angstzustände, Engegefühl“ füllen wir aus. In den vergangenen Tagen ist noch ein Feld hinzugekommen: „Weitere Atteste, bitte auflisten: Name, Adresse, Geburtsdatum, Beschwerden.“ Es steht schließlich bald eine Corona-Impfung ins Haus, auch dagegen wird Dr. Eifler Unverträglichkeitsatteste ausstellen. Kostenpunkt für das Prozedere: 20 Euro.

13 Tage später ist das Attest im Mail-Posteingang. krone.tv kontaktierte daraufhin den Allgemeinmediziner und Psychotherapeuten und bat um ein Interview bei ihm in Bad Aussee. Er war einverstanden.

Ärztekammer startete Disziplinarverfahren
Dr. Eifler teilt sein Zuhause mit zwei Schafen und seinem Hund „Chester“. Am Grundstück weht eine Christenflagge (Dr. Eifler veranstaltet Bibel-Abende und feiert Sabbat) für Gäste und Patienten. Er serviert Kaffee, holt seinen Laptop und beginnt zu plaudern. Seit dem Ausstellen der Atteste hat die Ärztekammer zwei Verfahren gegen ihn eingeleitet. „Es gibt eine Vorladung vor den Ehrenrat und ein Disziplinarverfahren, aufgrund meiner Aussagen und der Atteste.“ Der Grund liegt für Eifler auf der Hand: „Die Ärztekammer ist seit Jahren von der Pharmalobby unterwandert und bezahlt.“ Er würde sich wünschen, dass viel mehr Ärzte solche Atteste ausstellen würden, „wir sind viel zu wenige“.

Die Maske sieht er als Krankmacher (die „Krone“ distanziert sich ausdrücklich von seinen Aussagen): „Es ist ganz klar belegt, dass das Tragen einer Maske schwere Gesundheitsschäden auslösen kann, psychisch schwer traumatisierend ist. Das alles vor dem Hintergrund, dass es blanker Unsinn und vollkommen sinnentleert ist.“ Er zitiert Kollegen: „Viren mit einer Maske aufzuhalten“ sei so, „als ob man Mücken mit Maschendraht fernhalten oder verjagen will.“

Manche fragen nach Impfunverträglichkeitszeugnis 
Für ihn hat sich „die Verschwörungstheorie längst in eine Verschwörungspraxis verwandelt“, es gibt „eine klare globale böse Agenda dahinter, die dem Menschen alles nehmen will, was er hat, manipulierbar macht und ihn im bösesten Sinn letztendlich auch dezimieren will. Hier setzt man sich an die Stelle Gottes.“ Jedenfalls fühlt er sich bestätigt: „Ich kenne Kollegen, die mich bitten, ihnen ein Attest auszustellen. Manche fragen mich nach Demos um ein Impfunverträglichkeitszeugnis, weil sie sich nicht trauen, oder um ein Attest. Da gibt es ganz viel Feigheit.“

Ob er ein Corona-Leugner ist? „Leugnen ist Unsinn, wenn wir - und das ist ja nicht mal fundiert - davon ausgehen, dass es Viren gibt, dann gibt es natürlich auch das, was man als Corona bezeichnet, aber das gibt’s seit vielen Generationen. Es ist vielmehr eine Austauschform, eine Kommunikation unseres kollektiven Immunsystems.“

Werner Gruber erklärt, warum Masken helfen
Zurück in Wien, treffen wir Physiker Werner Gruber. Verhindern Masken Infektionen? Gruber gibt Antworten. „Ich bin kein Virologe, ich bin kein Epidemiologe, aber in der Aerosolphysik kenn ich mich aus“, leitet der Wissenschafts-Nerd ein. „Ein Virus ist bedeutend kleiner als die Maske, aber: Ein Virus alleine kann nicht in der Luft überleben, es benötigt eine Hydrathülle, ist also von Wasser umschlossen, sonst würde das Virus in Sekunden zerbrechen oder verdampfen. Die Hülle sorgt dafür, dass sich kleine Wassertröpfchen bilden, und die haben eine Größe, dass sie durch die Maske nicht durchkommen. Wenn Sie zum Zahnarzt gehen oder wenn Sie im OP-Saal liegen, werden sie feststellen, dass Ärzte seit JAHRZEHNTEN einen Mund-Nasen-Schutz tragen, es gibt Tausende und Abertausende Studien, die ganz klar gezeigt haben: Ja, diese Maske verhindert Infektionen, bakteriologisch, virologisch oder über Pilze durch aufgehaltene Wassertröpfchen.“

Kann man an Viren zweifeln?
Kann man an Viren zweifeln? „Das ist das Schöne an der Wissenschaft, man kann alles anzweifeln. Nur gerade im Bereich der Virologie - Kinderlähmung, Pocken, Masern usw. - wissen wir, dass es Viren gibt. Worüber wir sehr wenig wissen, ist, wie sich das Covid-19-Virus auswirkt. Es gibt qualifizierte Meinungen, es gibt wenig Studien. Eine Studie benötigt im wissenschaftlichen Betrieb im Schnitt ein bis zwei Jahre, das Covid-19-Virus wird erst seit Dezember, Jänner dieses Jahres erforscht. Wir wissen viel über andere Viren und müssen das übertragen. Das große Problem ist, wir wissen nicht, wie lange sich das Virus auf einer Oberfläche hält. Es gibt Messungen von ,unbedeutend‘ bis ,72 Stunden‘ - wir können es nicht sagen. Nur weil man 70, 80, 90 Jahre alt ist, muss man nicht an einer Kleinigkeit sterben, die man vielleicht verhindern hätte können.“

Bei Verschwörung „müssten verdammt viele Menschen mitmachen“
Ist alles nur eine Verschwörung? „Ausschließen kann man es nicht, ich bin nicht in der Politik tätig. Es müssten schon verdammt viele Menschen mitmachen. Nach Ockhams Messer gewinnt die einfachste Theorie. Und die ist nicht, dass wir jetzt alle ,zwangsgechipt‘ werden sollen. Das brauchen Sie heute nicht mehr, man kann durch das Handy alles herausfinden. Es gibt auch andere Möglichkeiten, Firmen zu übernehmen, dafür brauch ich kein Virus.“

Atteste „prinzipiell zu hinterfragen … und nicht okay“
Auch Prof. Hans-Peter Hutter, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie, reagiert
auf virtuelle Maskenatteste - in dieser Zeit sei das doppelt problematisch. Er sagt, Masken minimierten das Risiko. „Prinzipiell ist das zu hinterfragen, ohne dass ich Patienten sehe, praktisch eine Kurz-Anamnese zu erstellen und ärztliche Verordnungen, Rezepte oder auch Expertisen auszustellen. Das sehe ich prinzipiell als nicht okay an und es ist definitiv zu hinterfragen.“ Mund-Nasen-Schutz schütze sehr wohl, wenn auch nicht zu hundert Prozent: „Unser Kenntnisstand ist nicht so, dass das Risiko um hundert Prozent verringert wird. Aber es ist eine sehr wirksame Methode, wie man das Risiko entsprechend minimieren kann. Das hat sich jetzt in den vielen Überlegungen und Untersuchungen gezeigt. Es hat nur Vorteile, dementsprechend setzen wir uns auch dafür ein“, so Hutter.

Dr. Eifler lässt sich von Expertenmeinungen nicht beeindrucken. Kürzlich fand eine Pressekonferenz mit ihm und zwei weiteren Gästen in Wien unter dem Titel „Widerstand gegen Corona-Zwangsmaßnahmen“ statt. Mit Rechtsanwalt Gerold Beneder wird eine Sammelklage gegen die Republik eingebracht. Es geht um die Rechtswidrigkeit der Corona-Zwangsmaßnahmen. Die Ärztekammer prüft momentan, ob Dr. Eifler die Zulassung entzogen werden kann. Teilnehmer einer Solidaritätsdemo für ihren „Doc“ vor dem Gebäude der Wiener Ärztekammer wollen das verhindern ...

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