19.09.2020 06:00 |

Erste Woche mit Corona

Arzt löst Masken-Chaos an steirischen Schulen aus

Die erste Schulwoche mit Corona in der Steiermark ist vorüber - und brachte viele Unsicherheiten mit sich. Ein Ausseer Mediziner versorgt Kinder und Eltern mit Masken-Attesten. Für ein Bussi kommen Mamas sogar durch Hintereingänge in die Klassen. Und die Verdachtsfälle häufen sich nicht nur in einer Grazer Volksschule.

Die erste Schulwoche unter Corona-Bedingungen ist vorüber. Die Bilanz bis gestern Mittag: elf erkrankte Schüler, vier infizierte Lehrer. Und auch einiges Kopfschütteln bei Pädagogen und Direktoren: Denn wie die „Steirerkrone“ erfährt, halten sich zahlreiche Eltern nicht an die rigorosen Sicherheitsbestimmungen.

Eltern schummeln sich in die Schule
So schildern uns Lehrer am Telefon, dass Mamas und Papas, die das Schulgebäude nicht betreten dürfen, sich teils durch Hinter- und Notausgänge, bisweilen sogar durch den Keller schleichen, um sich von ihren Kindern zu verabschieden. Tenor: „Ohne ein Bussi kann mein Kind nicht gut lernen.“

Atteste zur Maskenbefreiung
Dass dabei häufig auf die Maskenpflicht gepfiffen wird, hat auch mit den umstrittenen Methoden des Ausseer Arztes und Corona-Leugners Peer Eifler zu tun, der via Facebook „Maskenbefreiungs-Atteste“ ausstellt. Schon um zehn Euro gibt’s eine entsprechende Bescheinigung vom Allgemeinmediziner, gegen den mittlerweile die Staatsanwaltschaft ermittelt.

In der steirischen Bildungsdirektion weiß man um die Problematik: „Unmaskierte“ Eltern und deren Kinder wiesen serienweise Eiflers Schreiben vor und lösten so ein Chaos an Schulen aus! Von der Ärztekammer heißt es dazu, man habe vorläufig keine Handhabe gegen Eifler, ein Disziplinarverfahren laufe aber.

„Schüler äußerst kooperativ“
In der Volksschule in Graz-St. Peter hat Direktorin Maria Wacker ebenfalls von solchen Masken-Attesten gehört. Aber sie bleibt streng: „Kein Kind kommt ohne Mund-Nasen-Schutz in die Schule rein!“ Die erste Schulwoche sei sehr erfolgreich gewesen. „Die Schüler sind äußerst kooperativ. Sie haben sich schnell an die Maßnahmen gewöhnt“, freut sich Wacker. Das gelte auch für die Eltern - mit einer einzigen Ausnahme.

Corona-Verdachtsfälle gab es auch an der VS St. Peter. Ein Familienmitglied eines Schülers ist infiziert - der Bursch darf nun nicht mit auf Schullandwoche, der Rest der Klasse fährt. „Wir trauen uns, eine Schullandwoche zu machen. Im Jufa sind wir die einzigen Gäste“, schildert Wacker.

„Spüren alle Unsicherheit“
In der Musikmittelschule Eibiswald gab es bis jetzt noch keinen Corona-bedingten Ausfall. „Wir haben die ersten Tage im neuen Semester gut hinter uns gebracht und blieben erfreulicherweise von Covid verschont“, bilanziert Direktor Walter Strametz. Dennoch kann von Entspannung keine Rede sein: „Wir spüren alle Unsicherheit und die Bedrohung, die ständig über uns schwebt. Aber es hilft alles nichts, wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben.“

Eine genaue Checkliste, was im Ernstfall zu tun ist, hat der Schulleiter griffbereit in der Schublade. Die Unsicherheit merkt auch Ilse Schmid, Präsidentin der steirischen Elternvertretung. In ihren 31 Jahren hat sie viele Hochs und Tiefs erlebt; eine Herausforderung wie diese ist aber neu: „Die letzten Monate waren fordernd. Umso erfreulicher, dass die erste Woche halbwegs gut gegangen ist. Die Schulen scheinen vorbereitet gewesen zu sein.“ Für die Zukunft wünscht sich Schmid vor allem eines: Dass alle den Präsenzunterricht als unverzichtbar schätzen mögen.

Gerald Schwaiger, Hannah Michaeler und Barbara Winkler, Kronen Zeitung

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