16.09.2020 09:19 |

Medizinermangel:

„Wettbieten“ um den Hausarzt

Die Suche nach einem niedergelassenen Arzt entwickelt sich für die Gemeinden langsam zu einem Wettbewerb untereinander. Das muss nun auch Frauenkirchen feststellen, wo ab Ende September eine Stelle für einen praktischen Arzt unbesetzt ist. Potenzielle Nachfolger stellen jedoch gewisse Ansprüche.

Seit Juli ist der Wallfahrtsort auf der Suche nach einem praktischen Mediziner, da eine Pensionierung bevorsteht. Interesse bekundet hätte die Frau eines bereits ansässigen Urologen, berichtet Bürgermeister Josef Ziniel. Der Medizinerin habe die Gemeinde daraufhin angeboten, die in Aussicht gestellte Förderung des Landes in der Höhe von 20.000 Euro zu verdoppeln. Ein Angebot, dass offenbar nicht attraktiv genug war. Laut dem Ortschef stellte die Ärztin eigene Forderungen: Sie wollte, dass eine Ordination für sie und ihren Mann fünf Jahre gratis zur Verfügung gestellt wird. Auch eine Unterkunft in Form einer Wohnung oder eines Wohnhauses sollte für die ersten Jahre mietfrei bereitgestellt werden. „Allein die Kosten für die Ordination würden etwa 135.000 Euro betragen“, rechnet Ziniel. Zumal man weder eine Ordination noch ein Wohnhaus einfach so aus dem Hut zaubern könne. Mittlerweile habe die Ärztin abgesagt. Ihr Mann will ebenfalls Frauenkirchen verlassen, da er eine attraktivere Stelle in Niederösterreich gefunden hat.

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Das Burgenland ist für Ärzte leider nicht so attraktiv. Hier wäre es notwendig, zusätzliche Anreize zu schaffen.

Josef Ziniel, Bürgermeister von Frauenkirchen (SPÖ)

Der Bürgermeister macht den Medizinern deswegen keinen Vorwurf. Beide würden in Niederösterreich leben und hätten überlegt, ins Burgenland umzuziehen. Das sei auch der Grund für die Forderungen gewesen. Doch auch wenn es sich hier um einen Ausnahmefall handle, sei diese Entwicklung bedenklich. „Kommt es am Ende zur Versteigerung, wo jeder mehr bieten muss? Das wäre für kleine Orte fatal“, meint Ziniel. Ganz lockerlassen will der Stadtchef aber nicht und dem Medizinerpaar eine für fünf Jahre kostenfreie Ordination anbieten.

Christoph Miehl, Kronen Zeitung

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