12.09.2020 14:35 |

In Krise nicht allein

Corona bewirkt eine Renaissance der Ehe

Die Corona-Krise bewirkt nach Ansicht des Zukunftsforschers Horst W. Opaschowski eine Rückbesinnung auf Ehe und Familie. „Von einem Niedergang der Familie als Lebensform kann in Corona-Zeiten keine Rede mehr sein“, sagte der 79-Jährige. Es deute sich eine Trendwende an.

In repräsentativen Umfragen sei der Anteil der Befragten, die sich nach der „Ehe mit Trauschein und Kindern“ sehnten, seit 2013 Jahr für Jahr gesunken - und zwar von 75 auf 63 Prozent Anfang 2019. Im März 2020 seien es wider Erwarten 64 Prozent gewesen.

In Deutschland leben nach Angaben von Opaschowski 18 Millionen Menschen in Ein-Personen-Haushalten, gewollt oder ungewollt. 1991 seien es erst zwölf Millionen gewesen. In Krisenzeiten fühlten sich Singles in ihren eigenen vier Wänden allein gelassen. Das sogenannte Social Distancing (räumliche Abstandhalten) in der Öffentlichkeit verstärke dieses Gefühl. Familienleben biete dagegen nicht nur Beziehungsreichtum, sondern auch gegenseitige Hilfe.

Trauschein nicht mehr Zwangsjacke
Im Krisenjahr 2020 favorisiert die Mehrheit der Deutschen die Ehe als standesamtlich beglaubigte Lebensgemeinschaft. 69 Prozent der befragten Frauen und 65 Prozent der Männer hätten sich entsprechend geäußert. Unter den Westdeutschen seien mit 68 Prozent mehr Ehebefürworter als unter den Ostdeutschen mit 61 Prozent. Die stärkste Zustimmung findet der Bund fürs Leben in der Generation der 40- bis 64-Jährigen mit 72 Prozent. Der Trauschein werde nicht mehr als Zwangsjacke empfunden, schlussfolgert Opaschowski. Es finde ein Umdenken statt.

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Von einem Niedergang der Familie als Lebensform kann in Corona-Zeiten keine Rede mehr sein.

Zukunftsforschers Horst W. Opaschowski

Welle der Trennungen?
Experten erwarten aber auch eine regelrechte Welle an Trennungen aufgrund der Corona-Pandemie „Während der Hochphase von Corona gab es durch die Zwangsnähe eine radikale Belastung für Beziehungen“, erklärte kürzlich der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger. Opaschowski sieht darin keinen Widerspruch zu dem von ihm festgestellten Wertewandel: „Getrennte sehnen sich nach einer neuen Beziehung.“

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