11.09.2020 18:55 |

Corona-Verschwörungen:

„Hatten fünfmal mehr Faktencheck-Arbeit als sonst“

Normalerweise bekommt die Faktencheck-Plattform mimikama.at zwischen 100 und 150 Anfragen am Tag. Am Höhepunkt der Krise waren es bis zu 500, erzählt Andre Wolf von Mimikama. „Es sind nicht alle gleich“, sagt er über jene, die Verschwörungstheorien aufliegen. Bestimmte Gruppierungen würden gezielt Desinformation streuen und Chaos säen, während viele Menschen einfach nur nach Erklärungen suchen. Politikwissenschafterin Natascha Strobl sieht eine immer engere Verflechtung diverser Mythen zur extremen Rechten. Das zeigte sich auch vermehrt auf sogenannten Anti-Corona-Demos.

„Die extreme Rechte setzt sich schnell auf aktuelle Themen hinauf“, sagt Strobl. Wobei legitime Kritik natürlich weiterhin erlaubt und erwünscht sei, so Wolf: „Natürlich darf man Maßnahmen und eine gewisse Politik auch kritisieren. Man muss nur aufpassen, wenn das zu sehr mit Verschwörungsmythen vermischt wird.“

Die Lösung sehen Strobl und Wolf im Dialog: Man müsse auf Augenhöhe mit Menschen kommunizieren, die in Angst und Sorge sind, betont Strobl, und hier auch Vertrauen schaffen. Spezifisch wissenschaftliche Bildung sei in dem Zusammenhang wertvoll, sagt Strobl, und führt die Podcasts des Virologen Christian Drosten als Beispiel an. Aufklärung sei auch im Erwachsenenbereich besonders wichtig, ergänzt Wolf, und hier gehe es nicht unbedingt um Frontalunterricht, sondern auch um ein unterhaltsames Thematisieren von Verschwörungstheorien rund um Bill Gates, Angela Merkel, 5G und Co. Denn: Fakten alleine sind zu nüchtern. „Man muss den Faktencheck auch erzählen können“, sagt Wolf - dieser müsse emotional plausibel erscheinen.

Doch der Dialog um Verschwörungstheorien ist kein einfacher. So stecke in vielen Theorien ja ein Fünkchen Wahrheit, sagt Wolf: „Man nennt das Hybridfälschungen - ein Teil ist unweigerlich wahr, der Rest wird falsch interpretiert oder aufgebauscht.“ Wahr ist etwa, dass Bill Gates sich seit Langem mit Pandemien beschäftigt; rund um diesen Kern, so Wolf, ranken sich dann Mythen. „Wenn dann jemand kommt und sagt, das stimmt nicht, wird das wie ein persönlicher Angriff gewertet.“ Diese Mythen sitzen also tief, so sieht das auch Strobl: „Für diese Menschen ist das deren Wahrheit“; diese hätten dann auch „existenzielle Ängste“ davor.

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