06.09.2020 14:43 |

Buch schlägt Wellen

Trumps Ex-Anwalt: „Weiß, wo seine Leichen sind“

Donald Trump ist „ein Schwindler, ein Lügner, ein Betrüger, ein gemeiner Kerl, ein Rassist, ein Raubtier, ein Hochstapler“. Das behauptet zumindest einer, der es wissen könnte: Michael Cohen, langjähriger und inzwischen geschasster Privatanwalt des US-Präsidenten. In seinem am Dienstag erscheinenden Buch „Disloyal: A Memoir“ („Illoyal: Eine Erinnerung“) zerrt die frühere rechte Hand des Immobilienmoguls manch unvorteilhafte Anekdote ans Licht der Öffentlichkeit - und sorgt damit für zusätzlichen Wirbel im US-Wahlkampf. Cohen: „Ich weiß, wo seine Leichen im Keller sind - weil ich sie vergraben habe.“

„Auf gewisse Weise kannte ich ihn besser als seine Familie, denn ich wurde Zeuge des echten Mannes, in Stripteaseklubs, bei zwielichtigen Geschäftstreffen, und in den unbedachten Momenten, in denen er enthüllte, wer er wirklich war: ein Schwindler, ein Lügner, ein Betrüger, ein gemeiner Kerl, ein Rassist, ein Raubtier, ein Hochstapler“, schreibt der einstige Trump-Vertraute in seinem Vorwort.

„Ich habe für ihn Auftragnehmer betrogen, seine Geschäftspartner abgezogen, seine Frau Melania belogen, um seine Seitensprünge zu verstecken, und jeden gemobbt und angeschrien, der Trumps Weg an die Macht bedrohte.“ Er habe „Golden Showers“ - Sexpraktiken mit Urinieren - in Sexclubs in Las Vegas miterlebt, Steuerbetrug, Deals mit korrupten Beamten aus der früheren Sowjetunion und Verschwörungen, um Trumps heimliche Geliebte zum Schweigen zu bringen.

Ehrfurcht vor Putin
Cohen schreibt auch, dass Trump vor der Präsidentschaftswahl 2016 heimlich mit Russland zusammengearbeitet habe - allerdings nicht auf die „ausgeklügelte Art“, wie es seine Kritiker ihm vorwerfen. Der Rechtspopulist habe bei der Wahl „geschummelt“, schreibt der Anwalt, ohne Details zu nennen.

Trump habe Putin verehrt, weil er den Kremlchef fälschlich für den reichsten Mann der Welt gehalten habe und für Trump Geld über alles gehe, schreibt Cohen laut „Washington Post“ weiter. Es habe ihm auch imponiert, wie Putin als Alleinherrscher das Land führe. Putins Fähigkeit, alles zu kontrollieren - von der Landespresse bis hin zu den Finanzinstituten -, habe ihn ehrfürchtig gemacht. Er habe außerdem gehofft, einen Trump Tower auf dem Roten Platz in Moskau errichten zu können.

„Sie sind alle völlig fürs Klo“
Das Buch offenbart auch, was viele längst ahnten: dass Trump ein Rassist ist. „Nennen Sie mir ein einziges Land, das von einer schwarzen Person regiert wird, und das kein Sch...-Land ist. Sie sind alle völlig fürs Klo“, zitierte die „Washington Post“ aus dem Buch. Südafrikas erster schwarzer Präsident Nelson Mandela (1918-2013) sei „kein guter Führer“ gewesen, vielmehr habe er das Land nach Ende der Apartheid - der weißen Minderheitsherrschaft - 1994 heruntergewirtschaftet. Obama wiederum habe es nur wegen der „Scheiß-Affirmative Action“ (Quotensystem zugunsten von Minderheiten) an renommierte Universitäten geschafft.

Der Sender CNN berichtete indes unter Berufung auf das Buch, dass Trump im Wahlkampf einen falschen Obama („Faux-Bama“) für ein Video anheuerte, um sich über den damaligen Präsidenten Barack Obama lustig zu machen. Trump habe den „Faux-Bama“ in dem Video heruntergeputzt und dann „entlassen“. Wer Trumps Amtsvorgänger in dem Video verkörperte, sei nicht bekannt.

Reine „Erfindung“
Der Sprecher des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, wies die Aussagen Cohens laut „Washington Post“ zurück und stellte dessen Glaubwürdigkeit grundsätzlich infrage. Das Weiße Haus hatte das Buch bereits zuvor als reine „Erfindung“ abgetan. Cohen sei als Lügner bekannt.

Mann fürs Grobe
Cohen war lange Zeit Trumps „Ausputzer“ und Mann für zwielichtige Angelegenheiten. Im Zuge der Russland-Affäre kooperierte er dann aber mit Sonderermittler Robert Mueller und sagte vor dem Kongress aus. Trump bezeichnete ihn deswegen als „Ratte“, was soviel wie Verräter bedeutet. Zu Beginn seines Vorworts schreibt Cohen, er habe vor seiner Aussage vor dem US-Repräsentantenhaus Angst um sein Leben gehabt. „Der Präsident der USA wollte, dass ich tot bin“, schreibt Cohen. „Oder wie Donald Trump sagen würde: Es würde ihn nicht stören, wenn ich tot wäre. So redete Trump. Wie ein Mafiaboss.“

Cohen wurde im Dezember 2018 wegen Steuer- und Finanzdelikten sowie Falschaussagen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der Anwalt hatte unter anderem vor der Präsidentschaftswahl 2016 Schweigegelder an die Pornodarstellerin Stormy Daniels und ein früheres Playboy-Model gezahlt, die nach eigenen Angaben Affären mit Trump gehabt hatten. Cohen verstieß damit gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung.

Wegen der Corona-Krise wurde Cohen im Mai aus dem Gefängnis in den Hausarrest entlassen. Im Juli wurde er dann aber wieder in Haft genommen - nach Angaben seiner Anwälte, um sein Buchprojekt zu behindern. Ein Richter schloss sich dieser Auffassung an, sprach von einer „Vergeltungsmaßnahme“ der Behörden und ordnete an, Cohen wieder in den Hausarrest zu entlassen.

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