27.08.2020 13:00 |

Veronica Ferres

Viel, viel mehr als das altbekannte „Superweib“

Veronica Ferres ist sicher eine der gefragtesten Schauspielerinnen unserer Zeit. Ihre Ehrungen und Auszeichnungen sind Legion, jetzt reiht sich eine weitere dazu. Sie erhält den Ehrenpreis des Filmfestival Kitzbühel 2020. Dienstagnachmittag traf sich die „Krone“ mit dieser faszinierenden Frau zu einem Gespräch.

So wie in den vergangenen acht Sommern steht die „Gamsstadt“ derzeit wieder im Fokus der globalen Filmwelt. Filmschaffende, deren Berufung sich arbeitstechnisch vor oder hinter der Kamera befindet, geben mit ihrem künstlerischen Schaffen und ihrer Präsenz vor Ort dem Filmfestfestival Kitzbühel die Würze und stellen dessen thematischen Inhalt.

Große und plakative Namen des Kinos bilden neben Drehbuchautoren, Regisseuren und Produzenten die verständlicherweise notwendige optische Visitenkarte des Festivals. Nebst fachinternen Themenschwerpunkten, wie der Drehbuchklausur, dem Film-Förderforum und anderen, die Filmwirtschaft betreffenden Tagungen, steht der „Jury Ehrenpreis des Filmfestival Kitzbühel“ als einer der Höhepunkte im Vordergrund der siebentägigen Veranstaltung.

Nach Joseph Vilsmaier, Marie Bäumer und Helmut Berger geht dieser heuer an die Schauspielerin Veronica Ferres. Die gebürtige Rheinländerin wirkte seit Beginn ihrer schauspielerischen Weltkarriere vor 33 Jahren in über 100 deutschen Produktionen und rund 30 internationalen Filmprojekten mit.

Eher lapidar hört sich demzufolge das Statement der Filmfestival-Leitung an, welche die Verleihung des Preises damit begründet, dass Veronica Ferres „nicht nur aufgrund ihres komödiantischen Talentes nationale und internationale Erfolge feiern konnte“.

Eine tiefsinnige Frau
Gut, es stimmt, Veronica Ferres hat Humor, ist ein lustiger Mensch, kann herzhaft lachen kann. Aber Veronica Ferres ist viel mehr als nur das „Superweib“, das sie im gleichnamigen Film verkörperte und welches bis heute zum Teil ihres Nimbus gehört.

Die studierte Germanistin, Psychologin, Theaterwissenschafterin und erfolgreiche Kinderbuchautorin ist an erster Stelle ein äußerst starker Mensch, eine feinfühlige, tiefsinnige Frau, die Zeit ihres Lebens zum Kämpfen gezwungen war, wie sich in einem äußerst offenen Gespräch mit der „Krone“ herauskristallisierte.

Ins Schwärmen kommt die Aktrice, wenn man sie aus naheliegenden Aktualitätsgründen auf ihre Zeit als Buhlschaft des Salzburger Jedermanns anspricht: „Regisseur Christian Stückl sagte damals, dass ich die Verkörperung für Natürlichkeit, Neugierde, Lebensfreude und Sinnlichkeit darstelle, deshalb musste ich auch barfuß spielen“.

Hofmannsthals Jedermann scheint zu einem Teil der unzähligen Facetten geworden zu sein, welche Veronica Ferres Menschsein prägen und gestalten: „Der Tod wird in unserer Gesellschaft negiert, doch dieses Stück führt uns den Tod vor Augen, man sitzt geschützt im Publikum und man schaut zu, wie einer auf der Bühne sterben muss und das wird für das Volk in einem genialen Volkstheaterstück präsentiert.“

Der Kampf ums Überleben
Und vom Tod kann die großgewachsene, 55-jährige Schauspielerin aus eigener Erfahrung nach einer langen Zeit des Schweigens nun auch offen sprechen: „Ich fiel am Ostersonntag 1999 für drei Wochen ins Koma, da ich zuvor beim Golfen im Marokko-Urlaub von einer Mücke gestochen wurde. Dieser Stich infizierte mich mit einem Tropenvirus, welches in einer Meningitis (Hirnhautentzündung) und eine Enzephalitis (Gehirnentzündung) resultierte. Es war nicht klar, ob ich‘s überleben werde. Danach musste ich mit viel Demut wieder sprechen und gehen lernen.“

Die „Kämpferin“ Ferres tritt ans Tageslicht, wenn sie über ihre Vergangenheit zu sprechen beginnt: „Eigentlich bin ich ein totaler Underdog gewesen. Ich hatte keine Chance als Kind eines Kohle- und Kartoffelhändlers aus der Provinz zwischen Köln und Düsseldorf und war bis zum Abitur ein sehr in mich zurückgezogenes Kind und Jugendliche.“

Ihre Scheu legte sie 1984 nach dem Abitur an einem Gymnasium in Solingen ab. Ferres studierte in München und ging dann nach Wien an das Reinhardt-Seminar, um ihren Lebenstraum, Schauspielerin zu werden, verwirklichen zu können. Der Rest ist Geschichte!

Hubert Berger, Kronen Zeitung

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