25.08.2020 12:37 |

Frühwarnsystem

Coronaviren-Jagd im Abwasser der Kläranlagen

Forscher aus Deutschland haben eine Methode zur Überwachung von Corona-Infektionen über das Abwasser entwickelt. Erstmals für Deutschland sei gezeigt worden, dass sich Genmaterial von SARS-CoV-2 mit modernen molekularen Methoden in Kläranlagen nachweisen lasse, teilte die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen mit. Auch in Tirol wurde ein ähnliches Frühwarnsystem mit Erfolg getestet.

Ähnliche Ansätze gibt es in vielen Ländern, etwa Israel, und auch in Tirol wird an einem Corona-Frühwarnsystem mittels Abwasserproben getüftelt. Mit den Daten aus Kläranlagen oder Kanälen soll die Viruslast in den einzelnen Regionen überwacht werden. Im September oder Oktober soll das Abwassermonitoring tirolweit etabliert werden. Bisher wurde das System unter anderem in Innsbruck mit guten Ergebnissen getestet.

Abwasser zeigt, wie viele infiziert sind
Die gemessene „Virenfracht“ einer Anlage erlaube Rückschlüsse auf die Anzahl der mit Covid-19 infizierten Menschen im Einzugsgebiet, hieß es aus Deutschland. „Die Sensitivität ist ausreichend, um als Frühwarnsystem anzuzeigen, ob der Maßnahmenwert von 50 Inzidenzen pro 100.000 Einwohnern überschritten wird“, teilte die Hochschule mit.

Die Idee hinter dem Ansatz: Infizierte scheiden zumindest Fragmente des Coronavirus über ihre Fäkalien aus. Abwasser könnte daher Aufschluss über die Zahl der Corona-Fälle in der Bevölkerung geben. Daher wird seit Beginn der Pandemie an entsprechenden Verfahren geforscht.

„Baldige Anwendung“ in Deutschland
Die Wissenschaftler aus Aachen und Frankfurt am Main wollen ihr Wissen nun für eine „baldige Anwendung“ bereitstellen und sich mit den Behörden abstimmen. Eine Bestimmung der Dunkelziffer an Infizierten, die nicht über Labor-Tests erfasst werden, erlaube ihre Methode bisher gleichwohl noch nicht. Sie halten weitere Verbesserungen aber für möglich.

Die bei der Studie im Abwasser nachgewiesenen SARS-CoV-2-Fragmente stellten sich nach Angaben der Autoren in Zelltests im Labor als nicht-infektiös dar. Erst kürzlich war in einem Artikel im Fachmagazin „Nature Sustainability“ darauf hingewiesen worden, dass Abwässer als möglicher Übertragungsweg von Covid-19 weiter untersucht werden sollten. Unter anderem sei unklar, wo die minimale infektiöse Dosis im Wasser liege.

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