20.08.2020 12:00 |

TSD verteidigt sich:

„Infizierte Bewohner sind in eigenem Stockwerk“

Die Tiroler Soziale Dienste GmbH gibt Details zu den Isolierbereichen in jenen beiden Asylheimen preis, die wegen Corona-Fällen dicht sind - die „Krone“ berichtete. Ein Bewohner der Unterkunft in der Grassmayrstraße befindet sich mittlerweile im Krankenhaus.

Zwei Asylheime in Innsbruck sind wegen mehrerer Corona-Fälle dicht. Die Tiroler Soziale Dienste GmbH versichert, dass infizierte und gesunde Menschen von Anfang an getrennt wurden. Auch von Isolierbereichen ist die Rede. Doch wie sehen diese Bereiche in der Praxis aus? Wie werden die Bewohner, die die Gebäude noch mehrere Tage nicht verlassen dürfen, medizinisch versorgt? Und wie oft in der Woche erhalten sie welche Arten von Lebensmittel?

Die „Tiroler Krone“ hat bei TSD-Geschäftsführer Johann Aigner nachgefragt. „Das Heim in der Grassmayrstraße verfügt über zwei Eingänge. Ein Stockwerk inklusive Sanitäranlagen, Küche und Waschmaschinen steht für infizierte Personen zur Verfügung. Alle Infizierten bis auf eine Person - diese wird im Krankenhaus behandelt - zeigen einen asymptomatischen Krankheitsverlauf. Eine regelmäßige ärztliche Überwachung ist sichergestellt“, schildert Aigner.

„Isolierbereich auch im Heim in Trientlgasse“
Darüber hinaus bestehe eine Kooperation mit der Rettung, die in kommunikativem Austausch mit den Bewohnern in den jeweiligen Verkehrssprachen stehe. „Ebenso wurde auch im Heim in der Trientlgasse ein eigenes Stockwerk sowie ein Stöckelgebäude als Isolationsbereich eingerichtet“, sagt der Geschäftsführer.

Zudem sei die Lebensmittelversorgung stets garantiert. „Sie erfolgt bedarfsabhängig und wird durch TSD-Mitarbeiter sichergestellt. Grundnahrungsmittel wie zum Beispiel Mehl, Milch, Eier, Kartoffeln, Obst und Gemüse wurden verteilt. Alle Klienten werden laufend mit Lebensmitteln ausgestattet“, sagt Aigner.

„Alles in Absprache mit Gesundheitsbehörden“
Abschließend betont er, dass die gesamten Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Umgang, die die Isolierung der infizierten Bewohner betreffen, in Absprache mit den Gesundheitsbehörden gesetzt werden.

„Angst und Sorge ist in den Hilferufen begreifbar“
„Die Aussagen von TSD-Geschäftsführer Johann Aigner und den Bewohnern widersprechen sich diametral. Etwa was die Versorgung mit Lebensmitteln über das Wochenende betrifft oder die Trennung von gesunden und kranken Bewohnern“, sagt Landtagsabgeordneter Markus Sint (Liste Fritz). „Es gibt keinen Grund, warum die Bewohner einen Hilferuf an uns und an die ,Krone’ absetzen und dann Unwahrheiten berichten sollten.“ Im Gegenteil, Angst um das eigene Leben sei „spürbar und begreifbar“. „Das macht betroffen“, betont Sint.

Wenn sich die Bewohner uninformiert fühlen, habe das Transportieren der Information nicht gut genug funktioniert. „Es wiederholt sich bei der TSD, dass es mit Kritikfähigkeit des Managements nicht weit her ist.“

Richtig, falsch oder in der Mitte?
Aufgewühlt, verängstigt, den Tränen nahe und dennoch glaubwürdig - so klang jene Frau am Telefon, deren Lebensgefährte derzeit im Asylheim Grassmayr in Innsbruck isoliert ist. Sie kontaktierte die „Tiroler Krone“, weil es ihre letzte Hoffnung sei. Ihr Lebensgefährte sei kerngesund, müsse aber dennoch mit den infizierten Bewohnern unter einem Dach ausharren. Infizierte und gesunde Menschen seien anfänglich sogar im gleichen Zimmer einquartiert gewesen. Dieselben Aussagen tätigte ein weiterer Bewohner gegenüber der Liste Fritz. Auch er betonte glaubwürdig: „Ich lebe in einem Raum mit einem Patienten.“ Diesen bedenklichen Schilderungen steht die Stellungnahme von TSD-Geschäftsführer Johann Aigner gegenüber. Er weist jede Kritik zurück. Die Gretchenfrage lautet nun wie so oft: Was ist wahr und was falsch? Rein analytisch betrachtet: Welchen Nutzen hätten die Bewohner, wenn sie sich unabhängig voneinander an ein Medium und eine politische Partei mit falschen Informationen wenden würden? Und würde andererseits die Tiroler Soziale Dienste GmbH tatsächlich öffentlich behaupten, dass alles in bester Ordnung sei, wenn es eigentlich gar nicht so ist? Gut, die einzelnen Punkte wurden zwar begründet, doch dabei ging man nicht sonderlich in die Tiefe. Aber dennoch: Würde die TSD wirklich derart reagieren? Das kleinste Übel, wie dieses Chaos begründbar sein könnte, ist, dass die Kommunikation innerhalb des Heimes lückenhaft ist. Sprich, dass die Bewohner, deren Muttersprache mehrheitlich nicht Deutsch ist, die erhaltenen Informationen nicht zur Gänze verstanden haben. Hoffen wir, dass es nur daran liegt ...

Jasmin Steiner, Kronen Zeitung

 Tiroler Krone
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