30.07.2020 06:00

krone.tv-Reportage

Millionen Masken auf Lager, Aggressivität steigt

Die Masken sind zurück. Um die steigende Nachfrage zu decken, wurde die heimische Produktion hochgefahren. krone.tv besuchte die Hygiene Austria, Österreichs größten Mund-Nasen-Schutz-Produzenten. Während der Internist Dr. Marcus Franz sagt, dass „nicht jede Infektion eine Krankheit“ sei und er Masken in Supermärkten und im Freien für nicht sinnvoll halte, blickt Psychotherapeutin Dr. Sabine-Völkl-Kernstock hinter die Masken und erklärt die steigende Aggressivität in der Bevölkerung in Verbindung mit den ständig neuen Verordnungen.

Am Stadtrand von Wien in Wiener Neudorf, auf dem „Palmersgelände“, werden Masken „Made in Austria“ hergestellt. Die Hygiene Austria ist Österreichs größter Maskenproduzent - und das, obwohl das Unternehmen erst im März von Lenzing und Palmers als Joint Venture gegründet worden ist. Tino Wieser, Vorstand der Palmers AG, zeigt stolz die Produktionsstätte. Inmitten der Halle hängt ein Firmenbanner mit der Aufschrift „Es darf keine Kunst sein, sich zu schützen“.

Täglich entstehen 700.000 Stück Masken 
Alle Mitarbeiter tragen Masken und Handschuhe aus Latex. Sie bedienen die Maschinen, verpacken die Produkte und tauschen Stoffrollen aus. „Am Ende des Tages produziert eine Maschine 100.000 Stück Masken am Tag.“ Mit sieben Maschinen werden hier täglich 700.000 Stück Masken produziert - von FFP2 bis hin zu Mund-Nasen-Schutz, sogar eigens für Kinder in bunten Farben.

„Wir sind eine der wenigen Firmen, die Kindermasken in zehn verschiedenen Farben anbieten. Was ich so gehört habe, verwenden meine Frau und viele anderen Damen gerne die Masken, weil sie kleiner geschnitten sind und besser passen“, erklärt Stephan Trubrich, Geschäftsführer der Hygiene Austria, der die Besichtigung begleitet, nicht ohne Stolz.

„Wir sind darauf vorbereitet, die Nachfrage zu decken“ 
Mit seinem Lagerbestand ist Hygiene Austria für die befürchtete zweite Infektionswelle schon jetzt gut vorbereitet. Insgesamt sind es knapp 30 Millionen Masken, die seit Beginn fabriziert wurden - davon sind sechs Millionen noch nicht verkauft, schätzt Wieser. „Gerade rechtzeitig zur zweiten Welle sind wir darauf vorbereitet, die Nachfrage zu decken. Material und Stoffe stammen aufgrund der Nachfrage der vielen Masken, die die Welt braucht, aus Frankreich, Deutschland, aus China, von überall auf der Welt.“

Zertifizierungen, Überprüfungen, Filtration: „Ein und dieselbe Maske wird mehrfach von verschiedenen Instituten überprüft. Wichtig ist, dass du einen sauberen Produktionsprozess hast, die richtigen Materialien, die richtige Filtrationsleistung. Wir tragen die Maske ja, um etwas zu erreichen.“

„Für die allermeisten Österreicher ist es nicht gefährlich“
Wien-Hietzing: Hier hat der Internist und Ex-Politiker Dr. Marcus Franz seine Ordination. Für ihn sind die Maßnahmen der Regierung teils „schwer verständlich und nachvollziehbar“. Masken hält er für sinnvoll, „in Wartezimmern, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, in engen Räumen, wo Menschen länger miteinander Zeit verbringen, und in Kirchenchören“. In „gut belüfteten Supermärkten“ hingegen nicht, auch nicht beim Wandern, wo er öfters auf Maskenträger trifft - „aus lauter Angst vor einer Infektion, da kann einfach nix passieren“.

Die Infektion ist nur für „eine bestimmte Menschengruppe, nämlich die sogenannte Risikogruppe, gefährlich“. Aber „für die allermeisten Österreicher, auch für die Infizierten, ist es nicht gefährlich. Da braucht man sich nur die Zahlen anschauen, die täglich publiziert werden.“ Heißt für Dr. Franz aber nicht, „dass wir die Infektionen nicht beachten müssen, natürlich müssen wir uns darum kümmern, aber der Fokus, der derzeit darauf gelegt wird, ist völlig übertrieben, das hat einen kontraproduktiven Effekt.“ Für ihn zählt Aufklärung: „Das ist die Verantwortung der Regierung, hier zu sagen, was Sache ist. Wie gefährlich ist es für den Einzelnen, wie gefährlich ist es für Österreich?“

„Maskenpflicht ist wie eine Stellschraube“ 
Die Maskenpflicht ist für den Mediziner „ein Instrument, das politisch verwendet wird wie eine Stellschraube. Gehen die Infektionen rauf, sag ich ,Masken rauf!‘ und bin super aktionistisch, politisch tätig, gehen die Infektionen runter, dann komm ich gönnerhaft als Regierung und sag: ,Ihr könnt die Maske wieder runternehmen, es ist nicht mehr gefährlich, in zwei Wochen reden wir weiter‘“ - das sei ein Spiel mit dem Publikum. Mittelfristig findet Franz, tue es Kanzler und Regierung „nichts Gutes“, weil die „Bürger kritischer werden und sich selber informieren und sich von Alternativ-Medien informieren lassen.“

„Einige wollen Schutz auch einfordern“
Psychotherapeutin Dr. Sabine Völkl-Kernstock führt ihre Eindrücke aus Gesprächen mit Patienten und persönlichen Erfahrungen zu den Masken und Verordnungen im öffentlichen Leben aus. Die Menschen teilen sich in Gruppen: „Einige finden es sehr angenehm, weil sie sich geschützt fühlen durch das Tragen der Masken von anderen Menschen - und sie wollen diesen Schutz auch gerne einfordern.“ Die anderen „fühlen sich sehr eingeschränkt und belastet, vor allem in ihrer Freiheit, dass ihnen die Kontrolle für ihr Leben ein Stück abhandenkommt“.

Am Anfang hätten Kinder die Masken als „aufregend“ empfunden, auch wenn sie es nicht „ganz einfordern konnten“. Viel mehr Rückmeldungen gab es „wegen den Einschränkungen, die in der Schule passiert sind“. Diese Erfahrungen „waren schwerwiegender als das Tragen der Maske“, so die Kinder- und Jugendtherapeutin.

„Manche drücken ihre Angst vor dem Virus mit Aggressivität aus“ 
Masken im Straßenbild „sind ungewohnt“ und „geben der Unsicherheit Ausdruck“. Vor März habe die Gesellschaft „nicht in jedem anderen eine Gefahr gesehen“. Dr. Völkl-Kernstock erklärt, wie die Angst der „unsichtbaren Gefahr des Virus“ Angriffe auslösen kann: „Manche drücken ihre Angst mit Aggressivität aus.“ Bodenmarkierungen und Hinweise würden gerade im „städtischen Bereich, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, auf der Straße und im Supermarkt eine „Angespanntheit, Gereiztheit“ erzeugen. Am Land hingegen sei das Leben „wie früher, wo man die Maske noch nicht alltäglich gesehen hat“.

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