23.07.2020 05:58 |

Debatte über Sinn

Mediziner: „Maske ist ein kinderleichter Schutz“

Im Lebensmittelhandel, in Banken und bei der Post muss wieder Maske getragen werden. Als Ursprung von Clustern gelten diese Orte nicht. Wie sinnvoll also ist die Vorschrift?

Fleischereibetriebe, Kirchen, private Partys: Vermehrt auftretende Corona-Infektionen ließen sich in den vergangenen Wochen oft an einzelne Orte zurückverfolgen. Die Experten sprechen von „Clustern“. Von Supermärkten, Banken oder Postämtern sind bisher keine Infektionsketten bekannt, dennoch gelten dort ab Freitag verschärfte Maßnahmen.

Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) hatte das zuletzt als „Inszenierung“ kritisiert. Mediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien widerspricht dem Politiker: „Bei einer infizierten Person wird in erster Linie nachverfolgt, wen sie noch angesteckt haben könnte - nicht, wo sie sich selbst angesteckt hat.“ Demnach könne man nicht genau sagen, wie viele Menschen sich in einem Supermarkt infiziert hätten.

Experte: „Mit Maske kann man sich frei in Öffentlichkeit bewegen“
Die Maskenpflicht sei sinnvoll: „Es ist ein kinderleichter und - im Vergleich zum Zusperren - kostengünstiger Infektionsschutz.“ Die Alternative sei ein Lockdown wie im April: „Das hätte auf lange Sicht ähnliche Kollateralschäden - wirtschaftlich und psychologisch - wie die Krankheit.“ Die Maskenpflicht würde eine „Realität ermöglichen, in der wir uns trotz der Krankheit frei in der Öffentlichkeit bewegen können - beim Einkaufen, bei Veranstaltungen und Fußballspielen“, so Hutter. Richtung Kaiser hält er fest: „Kein Virologe versteht die Kritik.“

Im August soll die geplante Corona-Ampel starten. Mit ihr sollen die aktuelle Lage sichtbar gemacht sowie dementsprechende Maßnahmen in die Wege geleitet werden. „Damit soll man verhindern, dass ein einfacher Husten zu vorschnellen Schließungen führt“, sagt Hutter.

Uneinigkeit innerhalb der SPÖ
Kärntens Landeshauptmann sieht übrigens keinen Widerspruch zwischen seiner Einschätzung der Maskenpflicht und der von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Die hatte - wie auch Kaisers Landsmann, der SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher - eine bundesweite Maskenpflicht gefordert. Kaiser spricht aber von einem „Placeboeffekt“, im Gespräch mit der „Krone“ sieht er eine „erzieherische Maßnahme mit psychologischer Wirkung“.

Fritz Kimeswenger und Teresa Spari, Kronen Zeitung

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