17.07.2020 06:10 |

Prozess vertagt

Dealer kifft, weil er keinen Alkohol verträgt

Ein Klagenfurter ist Donnerstag wegen Handels mit Cannabis vor Gericht gestanden. Die Anklage wirft ihm vor, mehr als zehn Kilogramm Marihuana aus Slowenien bezogen und den größten Teil davon verkauft zu haben. Er gab den Handel vor dem Schöffensenat zu, aber nicht die Menge. Der Prozess musste vertagt werden.

Laut Staatsanwältin Denise Ebner habe der Angeklagte 14 mal Cannabis von einem Dealer aus Slowenien erhalten. Den Großteil der 10,4 Kilo hätte er weiterverkauft. Auch bei der Polizei hatte der Mann zugegeben, monatlich ein Kilo erhalten zu haben. Ein Ermittler hakte sogar nach, denn er hielt  das für unglaubwürdig. Der 38-Jährige blieb aber dabei.

Donnerstag wollte er dieses Protokoll plötzlich nicht mehr anerkennen. Verteidiger Gunther Huainigg erklärte das vor Gericht so: „Wenn man weich in der Birne ist vom Kiffen und nach Hause will, dann unterschreibt man das halt.“ Die Staatsanwältin verstand das Manöver: Der Strafrahmen betrage ja immerhin bis zu 15 Jahre. . .

Aber auch Zeugenaussagen geben eher dem Polizeiprotokoll recht. Ein Kunde hatte nämlich erzählt, 780(!) Gramm vom Angeklagten bezogen zu haben. Der Klagenfurter gibt die Deals zu, aber nicht die Menge. Außerdem: „Ich habe meinen Abnehmern verboten, per SMS oder via Messenger-Dienst um Suchtgift zu fragen.“ Die Variante des Richters: wohl deshalb, um keine Spuren zu hinterlassen. . .

So rechnete der Angeklagte Richter Dietmar Wassertheurer vor: Es gab 12 Lieferungen zu je 100 Gramm. Etwa 20 Gramm im Monat hätte er selbst konsumiert - „Ich vertrage nämlich keinen Alkohol!“ Den Rest habe er mit Aufschlag verkauft, um seinen eigenen Bedarf zu finanzieren. Auf die Frage, wie der Begriff „ein Kilo“ ins Protokoll gekommen war, wollte er nicht antworten: „Sonst könnte man mir einen Strick daraus drehen.“
Die Verhandlung wurde vertagt, um Zeugen befragen zu können.

 Kärntner Krone
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