29.05.2020 11:53 |

Weitere Verdachtsfälle

Dreijährige tot: Erzieherin unter Mordverdacht

Entsetzen über die Grenzen Deutschlands hinaus: Eine 25-jährige Erzieherin einer Kindertagessätte steht unter Mordverdacht - die junge Frau soll einen ihrer Schützlinge getötet haben, ein dreijähriges Mädchen. Die kleine Greta war im April in Viersen mit Atemstillstand in ein Krankenhaus eingeliefert worden, nachdem sie während des Mittagsschlafes in der Einrichtung einen Atemstillstand erlitten hatte. Einen Tag nach seinem Geburtstag starb das Mädchen. Gerichtsmediziner fanden Spuren, die auf Gewalteinwirkung hindeuten. Ähnliche Vorfälle in anderen Kindergärten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, in denen die 25-Jährige arbeitete, beschäftigen die Ermittler nun ebenfalls. Womöglich besteht ein Zusammenhang.

„Sollten sich die schrecklichen Vorwürfe bewahrheiten, muss auch im Detail vor Ort der Frage nachgegangen werden, ob ernsthafte Frühwarnzeichen ignoriert wurden und ob die Vorfälle dem zuständigen Jugendamt nicht gemeldet und keine Anzeigen erstattet wurden“, teilte das Familienministerium Nordrhein-Westfalens am Donnerstagabend mit. „Der Verdacht gegen die 25-Jährige wiegt schwer und ist unerträglich. Unser Mitgefühl gilt den Eltern und Angehörigen“, hieß es weiter.

Erzieherin als „wenig geeignet“ eingestuft
Die Behörden stießen mittlerweile auf weitere Vorfälle in drei früheren Kindergärten, in denen die als „wenig geeignet“ eingestufte Erzieherin tätig gewesen war. In Krefeld habe Sandra M. zwischen August 2017 und Juli 2018 ihr sogenanntes Anerkennungsjahr absolviert - schon da sei zu erkennen gewesen, dass der heute 25-Jährigen die Empathie und der Zugang zu Kindern gefehlt habe, wie die „Bild“ unter Berufung auf Kripo-Leiter Manfred Joch schreibt. Dort sei es auch zum ersten derartigen Vorfall gekommen.

Während des Mittagsschlafes sei M. zu ihren Kolleginnen gekommen und habe ihnen gesagt, dass mit einem Buben „etwas nicht in Ordnung“ sei. Der Dreijährige sei nicht ansprechbar gewesen und in ein Krankenhaus gekommen. Er sei gerettet worden - auch zwei weitere Male, als der Bub im Februar und im Frühjahr 2018 nicht ansprechbar gewesen sei. Von der Stadt Krefeld hieß es nun, alles, was dazu mitzuteilen sei, hätten die Ermittler bereits mitgeteilt.

Viermal wurde Notarzt zu Kindergarten in Kempen gerufen
Danach arbeitete die junge Erzieherin in Kempen - laut „Bild“ soll es in der Kindertagesstätte zu vier ähnlichen Vorfällen gekommen sein. Betroffen sei immer ein Zweijähriger gewesen, M. sei bei allen Vorfällen „in der Nähe“ des Kindes gewesen. Die Stadt räumte nach einem früheren Dementi ein, dass es die vier Vorfälle in dem Kindergarten gab. Viermal sei der Notarzt gerufen worden, weil ein Kind über Atemnot geklagt habe, berichtete ein Stadtsprecher am Donnerstag.

Es seien wie vorgeschrieben Unfallanzeigen über das Jugendamt an die Unfallkasse geleitet worden. Diese seien auch nicht zu beanstanden. „Es lagen keine Anzeichen vor, in eine andere Richtung zu denken“, heißt es.

Ende 2019 arbeitete die heute 25-Jährige in Tönisvorst, wieder als Erzieherin. Nachdem eine Dreijährige am Wickeltisch bewusstlos geworden sei, habe das Kind laut „Bild“ seinem Vater erzählt, dass M. ihr mit der Hand fest auf den Bauch gedrückt habe. Das Landesjugendamt Rheinland wollte sich wegen der laufenden Ermittlungen nicht zu dem Fall äußern.

Mädchen starb einen Tag nach seinem dritten Geburtstag
Auch ihren bislang jüngsten Job konnte die 25-Jährige antreten, in der Tagesstätte Steinkreis in Viersen. Sie habe „einen guten Eindruck“ gemacht, hieß es von der Bürgermeisterin gegenüber der „Bild“. Die entsetzliche Tat geschah am 21. April während der Notbetreuung - am vorletzten Arbeitstag der Erzieherin, die ihre Stelle da bereits gekündigt hatte. Sie hätte Gretas Mittagsschlaf überwachen sollen - um 14.45 Uhr meldete sie, dass sie bei dem Mädchen keine Atmung feststellen könne. Einen Tag nach ihrem dritten Geburtstag starb die kleine Greta dann im Spital - laut Ermittlern an Hirnschäden, die durch massiven Sauerstoffmangel eingetreten seien.

Die 25-Jährige ist in Untersuchungshaft - zu den Vorwürfen schweigt sie der Zeitung zufolge.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
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