Drachenwand:

Heuer schon 2. Todessturz an derselben Stelle

55 Meter stürzte ein Wanderer (40) auf der Drachenwand bei St. Lorenz in den Tod. Das Unglück weckt traurige Erinnerungen an den Absturz des sechsjährigen Jan im Februar dieses Jahres. Denn der Indonesier, der in München lebte, ist an derselben Stelle abgestürzt, wie das tschechische Kind, das ebenfalls nicht überlebte.

Der Indonesier hatte in Seewalchen einen befreundeten Malaysier (34), der schon sechsmal auf der Drachenwand war, zum Wandern besucht. Das Duo stieg gegen 10 Uhr über den Wandersteig auf und machte sich am Nachmittag an den Abstieg. Dabei ging der bergerfahrene Malaysier immer ein paar Schritte voran, wartete auf den Freund, der sehr langsam unterwegs war.

Ausgerutscht
Die Tour war schon fast geschafft, als der 40-Jährige am schmalen Wanderweg ausrutschte und neben dem Freund, der ihn noch auffangen wollte, etwa 55 Meter tief in den Saugraben stürzte. Er war sofort tot.

Drei Tote in 3 Jahren
„Die Stelle wird unterschätzt, da man schon fast im Tal ist“, sagt Andreas Widlroither, Leiter der Bergrettung Mondseeland - siehe auchInterview. In den vergangenen drei Jahren gab’s hier drei tödliche Unfälle. Heuer war an der Stelle der sechsjährige Jan aus Prag vor seiner Mama in den Tod gestürzt. Die Staatsanwaltschaft Wels ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, man wartet noch auf das Alpin-Gutachten.

„Es herrscht ein Riesen-Andrang“
Nach Corona ist der Ansturm auf die Berge viel größer als sonst. Andreas Widlroither weiß, dass die Gefahren oft unterschätzt werden.

„Krone“: Wieder ein Unfall an derselben Stelle. Wäre dieser Teil besser zu sichern?
Widlroither:Wo es geht,gibt es ein Sicherungsseil. Der Weg ist an sich dort nicht gefährlicher, aber da die Tour hier fast zu Ende ist, lässt oft die Aufmerksamkeit nach. Und dann reicht ein Ausrutscher, denn der Saugraben führt parallel zum Wanderweg. Und da geht’s steil runter.

„Krone“: Ist dieser Wanderweg für jedermann zu bewältigen?
Widlroither:Er ist explizit als Wanderweg für Geübte ausgewiesen. Zum Unfallzeitpunkt war der Weg trocken, es waren optimale Wanderbedingungen.

„Krone“: Abgesehen von dieser Tragödie, wie schaut’s nach dem Ende der Corona-Beschränkungen auf der Drachenwand aus?
Widlroither:Es ist viel los. Am Sonntag standen 140 Pkw am Parkplatz -und bei der Kirche auch etliche. Der Klettersteig ist seit 1. Mai wieder offen. Die Leute zieht’s jetzt in die Berge.

Markus Schütz, Kronen Zeitung

 OÖ-Krone
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Freitag, 23. Oktober 2020
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