13.05.2020 16:43 |

90.000 Euro Strafe

Australien: „Kirche“ verkauft Säure gegen Corona

Dass im Zuge der Corona-Pandemie auch äußerst fragwürdige „Heilmethoden“ auftauchen, ist spätestens seit US-Präsident Donald Trump die Injektion von Desinfektionsmittel empfahl traurige Realität. In Australien ist eine selbst ernannte „Kirche“ wegen illegaler Werbung für ein vermeintliches Corona-Wunderheilmittel mit Geldstrafen belegt worden. Gegen die Gemeinde MMS Australia seien zwölf Geldstrafen in Höhe von umgerechnet insgesamt rund 90.000 Euro verhängt worden, teilte die australische Arzneimittelaufsicht TGA am Mittwoch mit.

Der Behörde zufolge enthielt das vermeintliche Wundermittel eine hohe Konzentration von Salzsäure und Natriumchlorit - einer Chemikalie, die etwa zum Bleichen von Textilien oder als Desinfektionsmittel verwendet wird. MMS Australia ist ein Ableger der in den USA ansässigen Genesis II Church of Health and Healing, die einer einstweiligen Verfügung des US-Justizministeriums unterliegt. Damit soll die Kirche am Verkauf oder Vertrieb einer eigenen Version von MMS („Miracle Mineral Solution“) gehindert werden, die das Bleichmittel Chlordioxit enthält. Auf einer mutmaßlich mit der Kirche in Verbindung stehenden Website wird angeführt, dass MMS alles von Alzheimer bis Malaria heilen könne.

„Kann zu Erbrechen, Durchfall und Austrocknung führen“
Es gebe keinerlei klinische oder von der Wissenschaft belegte Beweise dafür, dass MMS irgendeine Krankheit mildern oder heilen könne, erklärte die TGA. „Die Verwendung von MMS stellt ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko dar und kann zu Erbrechen, Durchfall und Austrocknung führen“, warnte die Behörde. In manchen Fällen seien Klinikeinweisungen unvermeidlich.

Der australische Kirchenableger macht unterdessen online weiter Werbung für seine Produkte, führt aber an, einige Inhalte der Beschreibungen entfernt zu haben. „Lügen der Medien“, wonach die Kirchenwebseite das Trinken „gefährlicher Industriebleiche“ empfohlen habe, hätten überdies zu „Anfeindungen gegenüber unserer Kirche“ geführt.

Gefährliche „Wundermittel“
Bleichmittel oder Salzsäure sind nicht die einzigen absurden und sogar gefährlichen „Wundermittel“, die besonders in sozialen Netzwerken kursieren. In den USA starb ein Mann an einer Überdosis einer Form von Chloroquin - jenem Wirkstoff, den Präsident Trump als „Geschenk des Himmels“ gegen die Pandemie pries. Es handelt sich um Chloroquinphosphat - ein Mittel, das zur Reinigung von Aquarien benutzt wird. Und sogar der Mythos, Kokain helfe gegen das Coronavirus, kursierte eine Zeit lang im Netz.

Sicherheitswarnung bereits 2014
MMS Australia war bereits 2014 in die Schlagzeilen geraten, nachdem vier Australier das vermeintliche Wundermittel zu sich genommen hatten und ins Krankenhaus mussten. Die TGA erließ daraufhin eine öffentliche Sicherheitswarnung. Die jüngsten Geldstrafen erfolgten kurz nach einem heftig kritisierten Vorschlag von Trump, wonach Covid-19-Patienten mit Desinfektionsmittel behandelt werden sollten.

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