17.05.2020 12:00 |

Neues Album „Wüdnis“

Ursula Strauss und Ernst Molden: Ein Perfect Match

Nicht nur der Teufel hat Sehnsucht nach dem Meer, wenn es nach Ernst Molden und Ursula Strauss geht: Der Musiker und die Schauspielerin, die in den vergangenen Jahren immer wieder gemeinsam auf der Bühne standen, haben gemeinsam das Album „Wüdnis“ eingespielt. Darauf singen sie von dunklen Ecken, wilden Gestalten und der gar nicht so einfachen Suche nach dem Glück.

Das Setting ist dabei so reduziert wie nur möglich: eine Gitarre, zwei Stimmen und zwölf Stücke, die Molden über die Jahre eigens für diese Zusammenarbeit geschrieben hat. Es sind feine Blues-Miniaturen, Ausflüge ins lichtdurchflutete Countryfach, aber auch dunkle Folkperlen und Abgründiges aus dem Wiener Lied. Womit sich die musikalische Perspektive in bester Manier auf die inhaltliche bezieht, versprühen die Texte doch vielfach einen morbiden Gestus.

Zufluchts- und Sehnsuchtsort
Das beginnt schon bei der „Feiawea“, die vergebens Jagd auf den Teufel macht, und geht weiter im mörderischen „Theresiasong“. Dass aber gerade diese vermeintliche Düsternis durchaus feine Lichtblicke und humorige Momente offenbart, ist in dieser Konstellation beinahe eine Selbstverständlichkeit. So entführen uns Molden und Strauss mit dem „Woedliad“ an ihren Zufluchts- und Sehnsuchtsort inmitten dichter Baumwipfel oder bricht sich das Wasser Bahn in „Daune iwan Fluss“.

Mit nonchalantem Vortrag werden dabei Figuren und Schicksale eingeführt, die mit der Stadt ebenso eng verknüpft sind wie mit der sie umgebenden Natur. Da kann es schon passieren, dass der liebe Augustin zu viel Knoblauch verwendet („Ollas is hi“) und der „Weg“ zum Ziel wird, wobei man Strauss‘ Lächeln im gleichnamigen Song vom ersten Moment an hört. Wirklich gelungen ist die sängerische Darbietung der Schauspielerin im einfühlsamen „Vü iwa mi“, ansonsten regiert der leicht hemdsärmelige Charme dieses ungleichen und doch perfekt zusammenpassenden Duos.

Das Glück erzwingen
Im zentralen „Hainbuaga Schdrossn“ wird schließlich das Glück strapaziert, in all seinen Formen, und zudem deutlich, warum es so schwer zu fassen ist. Schließlich muss man etwas dafür tun, darf es aber nicht erzwingen, wissen Strauss und Molden. Was wohl auch für die „Wüdnis“ gilt: Der kurzweilige, etwa halbstündige Ausflug dorthin scheint wie zufällig passiert, aber eben doch ganz bewusst angenommen.

 Wien Krone
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