28.04.2020 11:23 |

Kann große Wucht haben

Virologe warnt vor etwaiger zweiter Covid-Welle

Eine etwaige zweite Welle der Covid-19-Pandemie im Herbst könnte wegen der dann vermutlich breiteren Verteilung des Virus und dem gleichzeitigen Auftreten von Grippe-Erkrankungen „auch eine größere Wucht haben“. Davor hat der österreichische Virologe Florian Krammer im Rahmen einer Video-Diskussion der Universität Linz gewarnt. Die Impfstoffentwicklung sieht der Forscher auf einem guten Weg.

Historische Beispiele von Pandemien würden zeigen, dass zweite Wellen im Herbst bzw. Winter durchaus auch stärker ausfallen können. Im Fall des neuen Coronavirus sei es gut möglich, dass es durch die Lockerung der Containment-Maßnahmen nicht mehr bloß zu lokalen Clustern, sondern zu einer flächigeren Verteilung mit eher wenigen Fällen kommen kann.

Nehmen dann die Ansteckungsraten wieder zu, lasse sich die Situation möglicherweise schlechter in den Griff bekommen als das in den vergangenen Wochen bei den Fall-Häufungen etwa in den Skigebieten der Fall war, so Krammer, der als Professor in der Abteilung für Mikrobiologie an der Icahn School of Medicine at Mount Sina in New York tätig ist.

Gefahr durch Koinfektion mit Influenza
Gefährlich könnte auch werden, wenn im Winter vermehrt Koinfektionen mit Influenza (Grippe) auftreten. Derartige Fälle habe es bereits gegeben und „sie sind meistens nicht gut ausgegangen“, sagte Krammer, der kürzlich einen Antikörper-Labortest auf das neue Coronavirus SARS-CoV-2 entwickelt hat.

Damit gehen er und sein Team nun u.a. dem „sehr komplexen Thema“ der Immunität nach überstandener Erkrankung nach. Bei anderen humanen Coronaviren-Infektionen sei man in der Regel für ein bis drei Jahre geschützt. Man könne „davon ausgehen, dass das auch beim neuen Virus so ist“, so Krammer, der aber auf das Fehlen von entsprechenden Daten dazu hinwies.

Großteil der Infizierten entwickelt Antikörper
Am Mount-Sinai-Spital in New York wurden in den vergangenen Wochen teilweise um die 2000 Covid-Patienten gleichzeitig behandelt. Man habe gesehen, „dass der Großteil neutralisierende Antikörper entwickelt hat“, was in den meisten Fällen mit einem gewissen Schutz zusammenhänge.

Der von ihm und seinen Kollegen entwickelte Antikörpertest gebe auch Aufschluss darüber, wie stark die Immunantwort ist - sprich, über wie viele Antikörper eine Person verfügt. Das könnte in einer zweiten Welle sehr nützlich werden, wenn mehr zum Zusammenhang zwischen Antikörpertiter und Schutz vor Infektionen bekannt ist. Aufgrund der Informationen „könnte man vielleicht Personen von Quarantänemaßnahmen ausnehmen“, sagte Krammer.

Rechnet mit ersten Impfstoffen Anfang 2021
Krammer glaubt, dass es Anfang 2021 erste Vakzine (Impfstoffe) geben wird. Als vielversprechend bezeichnete er etwa einen Ansatz mit inaktivierten SARS-CoV-2-Erregern. Erste Daten dazu „schauen super aus“, so der Wissenschaftler.

Ein Vorteil dieses Ansatzes sei, dass solche Vakzine auch Firmen in Nicht-Hightech-Ländern produzieren könnten, da das Virus lediglich in Bioreaktoren wachsen muss, dann etwa mittels UV-Licht inaktiviert wird „und das war es“, sagte Krammer. Klar sei, dass keine Firma alleine auch nur annähernd den Weltbedarf decken wird können.

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