Schlachtungen geplant

Deutscher Zoo führt wegen Corona Todesliste

Ausland
15.04.2020 09:57

Die Coronavirus-Pandemie macht wegen des Ausfalls an Besuchern auch Tierparks auf der ganzen Welt zu schaffen. Der Zoo in Neumünster präsentierte nun einen dramatischen Notfall-Plan, falls er sich das Futter für alle Tiere nicht mehr leisten kann. „Wir haben eine Liste erstellt, welche Tiere wir als Erstes schlachten müssen“, erklärte Direktorin Verena Kaspari. Diese Zootiere könnten an andere verfüttert werden, wenn es hart auf hart kommt.

„Ostern ist unser wichtigstes Wochenende im Jahr“, schilderte Kaspari dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, warum die finanzielle Lage derzeit so dramatisch ist. Der Tierpark beheimatet rund 700 Tiere. Die Einnahmen für Eintritte bleiben schon seit Wochen aus, das Futter für die Vierbeiner muss jedoch weiter bezahlt werden.

Auf welchem Platz der Todesliste der Waschbär steht, ist nicht bekannt. (Bild: dpa/dpaweb)
Auf welchem Platz der Todesliste der Waschbär steht, ist nicht bekannt.

Direktorin: „Das ist nicht schön, aber es könnte so kommen“
Wenn das Geld ausgeht, plant der Tierpark, sich eine Zeit lang über Wasser zu halten, indem er einige Tiere als Futter für andere opfert. „Das ist nicht schön, aber es könnte so kommen“, bedauert die Direktorin. „Und dann stellt sich immer noch die Frage, was ich mit den reinen Fischfressern mache, den Seehunden und Pinguinen. Im schlimmsten Fall werde ich Tiere euthanasieren müssen, ehe ich sie verhungern lasse.“ Auch andere Zoos würden solche Schritte in Erwägung ziehen, diese Pläne aber nicht öffentlich machen.

Fischessern wie diesem Zwergotter droht die Einschläferung. (Bild: APA/dpa/Maja Hitij)
Fischessern wie diesem Zwergotter droht die Einschläferung.

Einer der Publikumsmagneten steht ganz unten auf der Liste der Tiere, die auf die Schlachtbank müssen, wenn die Lage unverändert bleibt: „Vitus“, der größte Eisbär Europas. Eine Umsiedelung in eine andere Einrichtung kommt für den Arktis-Bewohner nicht in Betracht - mit seinen stolzen 3,6 Metern Länge ist er schlichtweg zu groß für andere Zoos, erklärt Kaspari: „Es gibt derzeit keinen Tierpark in Europa, der ihn nehmen könnte.“

Andere deutsche Zoos berichten ebenfalls von finanziellen Problemen. „Eine Zoo-Insolvenz ist für uns alle ein neues Thema“, so der Direktor Tim Schikora zu „Welt“. „Wie löse ich in einem Monat einen Tierpark auf? Dafür existieren keine Pläne. Vor allem große Exoten sind ein Problem. Unsere Tiger und Nashörner - die könnte ich kurzfristig nirgendwo unterbringen“, so der Tierpark-Chef.

Vier Pfoten: „Tötung gesunder Tiere darf keine Option sein“
Geschockt über die Aussagen zeigte sich die Tierschutzorganisation Vier Pfoten. „Das kann doch nicht sein, dass Tiere, die gestern noch Publikumslieblinge und Cashcows waren, in Krisenzeiten geopfert werden“, empört sich die Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck. Auch in Krisenzeiten seien in erster Linie die Zoos für die Versorgung ihrer Tiere verantwortlich. Könne ein Zoo dieser Verantwortung tatsächlich nicht mehr nachkommen, müssten die zuständigen Behörden einspringen, fordert die Tierschützerin: „Die Tötung gesunder Tiere darf in der derzeitigen Situation keine Option sein.“

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