14.04.2020 13:29 |

Impfservice gefährdet

WHO warnt vor Problemen bei Masernimpfungen

Mehr als 117 Millionen Kinder könnten aufgrund der Corona-Maßnahmen notwendige Immunisierungen verpassen. Die Masern- und Röteln-Initiative pocht nun darauf, das Impfservice so gut wie möglich aufrechtzuerhalten.

Während weltweit mit Hochdruck an einem Impfstoff gegen das Coronavirus gearbeitet wird, beeinträchtigt die Corona-Pandemie auch den Kampf gegen die Masern. Mehr als 117 Millionen Kinder in 37 Ländern könnten eine Impfung gegen die hochansteckende Infektionskrankheit verpassen, teilte die Masern- und Röteln-Initiative nun mit, die unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), UNICEF und dem Amerikanischen Roten Kreuz unterstützt wird.

Gefahr von Masern oft unterschätzt
Der Masern-Erreger ist eines der weltweit ansteckendsten Viren. Alleine im Jahr 2018 trat es bei schätzungsweise zehn Millionen Menschen weltweit auf - mit 140.000 Todesfällen. Dennoch haben 24 Länder jüngst ihre Impfkampagnen ausgesetzt, weitere werden verschoben - die Staaten müssen aktuell mit SARS-CoV-2 fertigwerden. Die Masern- und Röteln-Initiative ruft daher dazu auf, die Beschaffung notwendiger Impfstoffe nicht auszusetzen, „damit den Verletzlichsten der Bevölkerung eine Masernimpfung zukommt, sobald das wieder möglich ist“.

Impfservice soll aufrechterhalten werden
Die WHO empfiehlt dabei, die Risiken abzuwägen und Impfkampagnen vorübergehend nur dort auszusetzen, wo es derzeit keine aktiven Ausbrüche von entsprechenden Krankheiten gibt. Die Masern- und Röteln-Initiative unterstützt diese Empfehlung. „Wir drängen gleichzeitig darauf, dass die Länder ihren Routine-Impfservice weiter aufrecht halten und dabei die Sicherheit der Gemeinschaften sowie des Gesundheitspersonals sicherstellen.“

Masernerreger weltweit ansteckendstes Virus
Das Masernvirus ist so ansteckend, dass nur wenige ungeimpfte Personen von seinen Auswirkungen verschont bleiben. Wissenschaftler definieren die Infektiosität anhand der Reproduktionszahl, also wie viele Menschen in einer Bevölkerung im Durchschnitt von einer einzigen Person angesteckt werden. Für Ebola wird diese Zahl auf 1,5 bis 2,5 geschätzt. Das neue Coronavirus dürfte zwischen 2 und 3 liegen. Der Masernerreger hingegen steht mit einer Reproduktionszahl von 12 bis 18 an der Spitze, was ihn zum ansteckendsten bekannten Virus macht. Zur Infektion muss man dabei nicht im selben Raum wie eine infizierte Person sein - es wird durch Atemtröpfchen verbreitet, die stundenlang in der Luft verweilen können.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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